Yorgos Lanthimos: Alles für die Königin

Der aufstrebende griechische Filmemacher Yorgos Lanthimos hat mit seinen letzten beiden Filmen, „The Lobster“ und „The Killing of a Sacred Deer“ sein Talent für ungewöhnliche Filme zeigen können. Mit seinem neuesten Werk „The Favourite“ beweist er, dass er schon jetzt einer der besten Regisseure seiner Zeit ist.

Wenn das Regieren verrückt macht, übernehmen die Günstlinge den Hof.

Die Handlung spielt in England im Jahre 1708, England und Frankreich befinden sich im Krieg. Den englischen Thron besetzt die gesundheitlich angeschlagene Königin Anne, die kein Interesse mehr am Regieren zeigt. Ihre treue Freundin am Hofe, Lady Sarah Marlborough, kümmert sich um die Gesundheit der Königin, während sie gleichzeitig in ihrem Namen das Land regiert. Zusätzlich führen beide eine geheime Liebesbeziehung. Als die verarmte Aristokratin Abigail Hill am Hof als neues Dienstmädchen antritt, gewinnt sie schnell das Vertrauen von Lady Sarah. Es entsteht eine Freundschaft, die sich dann aber zu einem Wettkampf um die Favoritinnenrolle entwickelt.

Hervorzuheben sind als erstes die Leistungen der drei Hauptdarstellerinnen: Olivia Colman kann in ihrer Rolle als kindische, hysterische und emotional labile Königin Anne durchweg überzeugen. Kein Wunder, dass sie für ihre Rolle schon den Golden Globe gewonnen hat. Rachel Weisz als Lady Sarah und Emma Stone als Abigail ergänzen die Partitur perfekt. Der Film nimmt sich genug Zeit, um den Charakter jeder Figur zu entwickeln, sodass der Zuschauer ihre Motivationen genau verstehen kann. Die Dialoge sind flüssig und bleiben der Sprache des 18. Jahrhunderts treu.

Das Drehbuch hat eine perfekte Balance zwischen den komödiantischen und den eher ernsten und dramatischen Szenen gefunden. Der Film stellt uns eine Welt am Hofe vor, in der es unter den Nichtadeligen weder Mitleid noch Gerechtigkeit gibt und in der die Adeligen Schwachsinnigkeiten wie Entenrennen und Ananaskosten an erste Stelle setzen.

„The Favourite“ dreht sich in erster Hinsicht um das Machtspiel zwischen Abigail Hill und Lady Sarah. Erstere will alles geben, um eine höhere Position bei Hofe zu erlangen und zu alten Ruhm zurückzukehren. Sie will nicht als Dienstmädchen der Königin weiterleben, sondern wieder in den Rang der Adeligen aufsteigen. Sie versucht sich mit allen Tricks bei der Königin anzubiedern und die Position von Lady Sarah zu ergattern. Dennoch gelingt es Lanthimos, ihrer Figur Sympathie einzuhauchen und mit dieser zu spielen, denn im Laufe der Geschichte wird ihr Handeln kontinuierlich unerträglicher. Schlussendlich bleibt von ihr nur noch eine grausame, machthungrige Hülle.

Neben den filmischen Merkmalen, die zu Lanthimos’ Stil gehören, ist auch die technische Umsetzung bemerkenswert. So besticht die Kameraarbeit durch viele symmetrische und weitwinklige Aufnahmen, untermalt von einer natürlichen Lichtarbeit, die den Raum oft allein mit Kerzenlicht und Schattenspielen füllt. Die Sets und Kostüme wirken authentisch und bleiben der damaligen Periode treu. Dabei wird der Film mit brillanter Musik untermalt, die Werke von J. S. Bach, Antonio Vivaldi, Georg Friedrich Händel beinhaltet, um die Atmosphäre der Zeit wieder herzustellen.

All dies macht „The Favourite“ zu einem der schönsten Filme des letzten Jahres und ist wohl einer der besten Gründe auch 2019 wieder die Kinosäle aufzusuchen.

Im Utopia. Alle Uhrzeiten finden Sie hier.

Bewertung der woxx : XXX


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