MICHAEL BAY: The Island

Ein übler Konzern züchtet Klone als Organspender für Reiche. Michael Bay macht aus der ethisch umstrittenen Frage ein nicht immer ganz logisches Actionspektakel.

Lincoln Six-Echo (Ewan McGregor) plant seine Flucht. Viel Zeit bleibt ihm nicht: Zu spät hat er gemerkt, dass der riesige Komplex, in dem er und andere als scheinbar einzige Überlebende einer Verseuchung der ganzen Erde leben, nur eine Fassade ist. Deshalb schnappt er sich seine Freundin Jordan Two-Delta (Scarlett Johansson) und bahnt sich einen Weg in die unbekannte Außenwelt.

Spätestens dann werden auch die Zuschauer aufgeklärt, wenn sie denn nicht bereits im Vorfeld wussten, um was es in „The Island“ geht. Lincoln und seine Mitbewohner sind eigentlich Klone, die gezüchtet wurden, um die Reichen der Welt mit Organen zu versorgen. Und die Insel, die jeder Klon einmal in seinem Leben besuchen darf, gibt es auch nicht – sie ist lediglich eine Metapher dafür, dass die Auserwählten nun ihre Mission erfüllen und ihren „realen“ Gegenstücken als Organspender dienen müssen. Damit hat es sich eigentlich schon mit den Überraschungen die Michael Bays Science-Fiction-Thriller in petto hat – wer seine Erwartungen gleich herunterschraubt, erspart sich nachher die Enttäuschung.

Das Grundprinzip klingt ohnehin bekannt. Einsamer Held – mit schöner Frau an seiner Seite – kämpft gegen einen fiesen, übermächtigen Feind. Nur, dass das Böse diesmal nicht aus dem All kommt, sondern ein riesengroßer Konzern ist, der die Angst der Menschen vor dem Tod als Marktlücke entdeckt hat. McGregor und Johansson schlagen sich tapfer angesichts ihrer Lebenserfahrung von gerade mal drei Jahren – die Klone werden als Erwachsene geboren – und lernen schnell Fahrzeuge und anderes Actionspielzeug zu bedienen. Trotzdem beschert uns ihre anfängliche Naivität bezüglich der „wirklichen“ Welt einige Lacher.

Die Macher haben offensichtlich versucht, dem Film eine gewisse logische Struktur zu geben – leider funktioniert das nur selten. Die Frage weshalb Lincoln von Anfang an von seinem menschlichen Gegenpart träumt, wird zwar thematisiert, aber nicht wirklich beantwortet.

Hier sollte wahrscheinlich versucht werden von Anfang an künstlich Spannung aufzubauen. Und wieso erfassen die Bewacher der Klone jegliche Annäherung von zwei „Produkten“ sofort und merken dann nicht einmal wenn ein Klon in Gebiete eindringt wo er nichts verloren hat? Wohl damit die Geschichte überhaupt ihren Lauf nehmen kann. Und wieso wollen die Helden ihre Probleme immer ganz alleine lösen, obwohl es einfachere und sichere Wege gibt? Das ist es wohl, was sie zu Helden macht …

Die zweite Hälfte des Films besteht eigentlich nur noch aus Actionsequenzen. Verwackelte Kameraeinstellungen, untermalt von schnellen Beats. Es gelingt Michael Bay nicht so recht zu verheimlichen, dass seine Karriere mit Videoclips und Werbefilmen begann. Für ethische Fragen über das Klonen bleibt da keine Zeit – was eigentlich schade ist, denn aus dem Thema hätte man sicherlich mehr machen können.

Gründe, um „The Island“ zu verreißen, gibt es demnach viele. Und doch muss man dem Film zu Gute halten, dass er zumindest rund zwei Stunden für ganz ordentliche Unterhaltung sorgt. Trotz der zahlreichen Ungereimtheiten kommt keine Langeweile auf. Am Ende wird sogar die anfängliche Enttäuschung über McGregors fehlenden schottischen Akzent wettgemacht.¨

Obwohl der Film für Kinder zugelassen wurde, ist „The Island“ keine leichte Kost und sicherlich nichts für Kinogänger unter 14.


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