POP: Im Oberstübchen nichts Neues

von | 25.02.2005

Bright Eyes, „I’m wide awake it’s morning“ / „Digital ash in a digital urn“, Saddle Creek, 2005.

Lange war Songschreiber Conor Oberst alias Bright Eyes ein Geheimtipp. 2003 schlug dann sein Album „Lifted“ ein wie eine Bombe: Das war neu, ehrlich und genial. Die Musikwelt wartete gespannt auf den Nachfolger. Und was macht ein Musiker, wenn ihn alle unheimlich toll finden, er den ganzen Rummel aber eigentlich gar nicht will? Klar, er setzt Zeichen und produziert ein anspruchsvolles Doppelalbum. Ryan Adams hat es vorgemacht und sich nach den Meilensteinen „Heartbreaker“ und „Gold“ irgendwo zwischen Kunst und Attitüde verzettelt. Und Bright Eyes ereilt mit I’m wide awake it’s morning und seinem elektronischen Pendant Digital ash in a digital urn ein ähnliches Schicksal. Er produziert die gleichen Schemen wie auf dem Debüt, aber ohne die damals so bemerkenswerte Intensität. Alles auf diesen beiden Alben ist nett. Es gibt hübsche Melodien, gute Arrangements, aber wirklich atemberaubende Momente wie der Song „Lua“ sind Oberst viel zu wenige gelungen.

Dat kéint Iech och interesséieren

KULTURTIPP

Kulturtipp: Warpunk-Propaganda aus Teheran

„Sind wir nur bedeutungslose Zahlen in dieser korrupten Welt?“, fragte das iranische „Ardawahisht Collective“ am 20. Januar auf seinem Facebook-Auftritt angesichts der fortdauernden Massaker des islamischen Regimes im Iran an der dortigen Zivilbevölkerung. Eines der Mitglieder des Kollektivs von Metalmusiker*innen hatte gerade zwei neue Tracks präsentiert: „No Title – They Killed More than 12.000 in 4 Days“ und „Warpunk Rebellion MMXXVI“, so die beiden Stücke, in denen das Grauen dieser Tage verarbeitet worden ist.

KULTURTIPP

Buchtipp: Die Rettung

Um eine Vorstellung von den Auswirkungen der Klimakrise zu bekommen, brauchen wir Geschichten über die Klimakrise. „Die Rettung“ von Charlotte McConaghy hätte eine solche Geschichte sein können. Sie ist an einem sehr interessanten Ort angesiedelt: Auf einer kleinen (fiktiven) Insel zwischen der Antarktis und Australien lebt ein Vater allein...

KULTURTIPP

Albumtipp: Masquerade

Wie ein sich zuziehender Himmel verdunkelt sich das Debütalbum „Masquerade“ des irischen Quintetts „Cardinals“ graduell. Sind die Anfangsklänge noch schmissig-ausladend, kippt die Stimmung spätestens bei „Over at Last“, der als der fünfte der zehn Songs die Achse des Album bildet. Die Musik nimmt an Fahrt auf, die Gitarren drängen nach vorn...