GEORGE W. BUSH: Krieg, Freude, Eierkuchen

Wer Außenpolitik betreibt, um innenpolitische Probleme zu übertünchen, kann eigentlich gleich zu Hause bleiben.

Die Show war gelungen, die Stimmung locker und die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Europäischen Union sind wieder auf der Geschäftbasis von 2000 angelangt – so jedenfalls sieht es der US-Botschafter in Deutschland. Berufsdiplomaten sind Optimisten, sie müssen es ein. Was ist also wirklich passiert in den wenigen Tagen, in denen George W. Bush durch Europa gejettet ist?

Allein die Tatsache, dass Bush den europäischen Institutionen seine Aufwartung machte, wird als Anerkennung gewertet, denn als der Präsident vor zwei Jahren seine Allianz der Willigen in Sachen Irakkrieg zusammen bastelte, da suchte er sich seine Verbündeten noch einzeln heraus. mehr lesen / lire plus

VERBRECHENSBEKÄMPFUNG: Grenzenlose Akteneinsicht

Organisiertes Verbrechen, Geldwäsche und Betrugsdelikte – das sind nur einige Einsatzbereiche von Eurojust. Luxemburg hat nun offiziell die Weichen für eine Beteiligung an der Ermittlungsbehörde gestellt.

Allgemeine Zustimmung und kaum Kritik – die Parlamentssitzung zum Gesetzesprojekt Eurojust vom vergangenen Dienstag ist schnell zusammengefasst. Drei der Abgeordneten, die den Entwurf in der juristischen Kommission ausgearbeitet hatten, ließen sich entschuldigen. Eine Diskussion fiel deshalb aus. Statt dessen wurde rasch zur Abstimmung geschritten. Dabei dürften wohl die wenigsten Deputierten wissen, was sich hinter Eurojust genau verbirgt.

„Renforcer la coopération entre les Etats membres dans le domaine de la lutte contre la criminalité, y compris contre le terrorisme“, nennt der Gesetzestext eine der Aufgaben der europäischen Behörde. mehr lesen / lire plus

ROBERT GUEDIGUIAN: Le promeneur du Champ-de-Mars

A l’Utopia

Les côtés les plus sombres de l’ère Mitterand sont actuellement révélés par le procès des écoutes illégales qu’il avait ordonnées. Le film de Robert Guédiguian montre une autre face de François Mitterand. Il met en scène la rencontre entre un président agonisant (Michel Bouquet, sublime) et un jeune journaliste idéaliste. Le résultat est captivant pour quiconque s’intéresse à l’histoire récente de la gauche. Après avoir vu le film, le personnage de Mitterand apparaît comme plus humain, mais certainement pas plus sympathique. mehr lesen / lire plus

MUSIK: Der Musikmann

Charel Stoltz haut bei den Retro-Rockern
„Holy National Victims“ in die Saiten. Aber der 19-Jährige ist
auch gefragter Musik-Produzent.

Wie bist du eigentlich Produzent geworden?

Charel Stoltz: Mein Vater ist Musiker und wollte vor ein paar Jahren mit seiner Band ein paar Aufnahmen machen. Also hat er sich dazu die nötigen Geräte angeschafft. Ich habe daher sozusagen mein eigenes Studio, in dem ich sehr viel Zeit verbringe und ich viel ausprobieren kann. Stück für Stück habe ich mir Wissen über Aufnahmetechniken erarbeitet. Es war learning by doing; ich habe mir alles selbst beigebracht.

Bei welchen Bands hast du bisher an den Reglern gedreht? mehr lesen / lire plus

CINEMA: Lost in Russia

Deux artistes et l’homme le plus fort du monde: Pour leur premier film Boris Kremer et Antoine Prum ont suivi Georges Christen en Russie.

Qui est le plus fort? Georges Christen se prépare pour une nouvelle entrée dans le Livre des Records.

Manoeuvre risquée que d’appeler son film „Tour de Force“ – un mauvais jeu de mot est sur le bout de la langue. Mais le tour de force semble plutôt avoir précédé la sortie du film des deux artistes Boris Kremer et Antoine Prum. Comme le producteur Paul Thiltges l’a souligné lors de l’avant-première jeudi dernier, le financement du projet a pris des allures de véritable parcours du combattant. mehr lesen / lire plus

FOLK: Zurück ins Paradies

Ray Lamontagne, „Trouble“, Echo, 2004.

Zuerst schlich sich die Retro-Welle im Rock ein. Alles sollte möglichst alt klingen und trotzdem authentisch. Jetzt kommen endlich auch die Nostalgiker auf ihre Kosten, die glauben, in Sachen Folk und Soul sei seit den Siebzigern nichts Spannendes mehr passiert. Trouble, das Debüt des amerikanischen Songwriters Ray Lamontagne, ist noch rückwärtsgewandter, als Retro-Fans es sich zu wünschen wagten. Ethan Johns hat die zwölf Titel so organisch produziert, als säßen Ray und seine Band nebenan im Wohnzimmer beim kuscheligen Lagerfeuer. Wenn auch in Sachen Songwriting hier Crosby Stills Nash und Young ein wenig überdeutlich Pate standen, so ist es vor allem Ray Lamontagnes Stimme, die das Album zur Ausnahmeerscheinung macht: rau und soulig wie Van Morrison anno „Astral Weeks“. mehr lesen / lire plus

POP: Im Oberstübchen nichts Neues

Bright Eyes, „I’m wide awake it’s morning“ / „Digital ash in a digital urn“, Saddle Creek, 2005.

Lange war Songschreiber Conor Oberst alias Bright Eyes ein Geheimtipp. 2003 schlug dann sein Album „Lifted“ ein wie eine Bombe: Das war neu, ehrlich und genial. Die Musikwelt wartete gespannt auf den Nachfolger. Und was macht ein Musiker, wenn ihn alle unheimlich toll finden, er den ganzen Rummel aber eigentlich gar nicht will? Klar, er setzt Zeichen und produziert ein anspruchsvolles Doppelalbum. Ryan Adams hat es vorgemacht und sich nach den Meilensteinen „Heartbreaker“ und „Gold“ irgendwo zwischen Kunst und Attitüde verzettelt. Und Bright Eyes ereilt mit I’m wide awake it’s morning und seinem elektronischen Pendant Digital ash in a digital urn ein ähnliches Schicksal. mehr lesen / lire plus

ROCK: Vorhang auf

Anajo, „Nah bei mir“, Tapete/Indigo. 2004.

Der kommerzielle Erfolg von Bands wie Wir sind Helden, Sportfreunde Stiller und ihren Trittbrettfahrern macht es möglich: Kleinere Plattenlabel wie Tapete Records nutzen die Gunst der Stunde um vermehrt deutschsprachige Musik mit Qualitätsanspruch zu promoten. Neuester Coup der Hamburger: Nah bei mir, das Debütalbum von Anajo. Diese drei smarten Jungs aus der fränkischen Provinz haben bereits mit der Vorabsingle „Ich hol dich hier raus“ ihren ersten Indie-Hit gelandet. Genaueres Hinhören bestätigt den Verdacht, dass diese Jungs den gewissen Mehrwert besitzen könnten, um aus der Masse deutscher Gitarrenbands herauszustechen. „Ich habe die Annahme, du bist eine Ausnahme, ich habe den Verdacht, du hast Geschmack“, heisst es in „Honigmelone“. mehr lesen / lire plus

GUNTHER GRASS: Letzte Tänze

Noch bis zum 15. April.

Einen Querschnitt durch das Schaffen von Günter Grass zeigt zurzeit die Galerie Clairefontaine. Der Schriftsteller ist seit Jahrzehnten auch als Maler, Zeichner und Bildhauer bekannt. Poetische Landschaftsaquarelle in sattem Grün, Lithografien und Grafiken, Bronzeplastiken von Lebewesen, die irgendwo zwischen Mensch und Vogel angesiedelt sind: Die Ausstellung zeigt vor allem Ausschnitte aus seinem Werk, ohne dass sich dem Betrachter daraus ein Gesamtbild erschließt. Einzelne Exponate stechen dagegen heraus: So zum Beispiel eine „Ratte“ von 1985, eine Kohlezeichnung, die auf Grass‘ 1986 erschienenen Roman „Die Rättin“ verweist. Oder auch das in den historischen Kontext eingebundene Aquarell „1918 – mein Jahrhundert“. mehr lesen / lire plus

WALL OF NAMES: Patriotisme amer

http://orp3.tripod.com/

On trouve de tout sur le web, même et surtout ce qu’on n’y cherche pas. Voici le site „Wall of Names“, avec des poèmes d’un ancien de la guerre du Vietnam. A première vue, l’auteur n’a pas de regrets, „our cause was just“. Un poème exprimant la rancoeur envers les tire-au-flanc: „While they were dodging the draft, we were dodging the bullets“. Un autre poème sur le 11 septembre, avec la chanson „I am proud to be an American“ en arrière-fond. On se dit que ce n’est peut-être pas un vrai vétéran, qu’il s’agit d’un site de propagande du gouvernement américain. mehr lesen / lire plus

CHUCK PALAHNIUK: Alltäglicher Wahnsinn

Chuck Palahniuk, „Diary“, Vintage, 2004.

Chuck Palahniuk, seines Zeichens Autor von „Fight Club“, war noch nie dafür bekannt besonders appetitliche oder lebensbejahende Bücher zu schreiben. An seinem neuesten Wurf Diary scheiden sich jedoch die Geister. Eine schaurig-schöne Reise ins Innere einer vollkommen wahnsinnigen Inselkommune oder ein allzu verworrener Pseudo-Thriller mit esoterischen Anleihen? Ein bisschen von beidem: Die Geschichte um Misty Marie Wilmot, deren Mann nach einem (angeblichen) Selbstmordversuch im Koma liegt und die nach und nach Opfer eines vollkommen hinrissigen Plans wird, ist im Ansatz viel versprechend. Sie wird im Endeffekt aber nicht überzeugend erzählt. Palahniuks literarische Manierismen häufen sich zu sehr, und abstoßende Details werden derart detailliert geschildert, dass selbst Hartgesottene nach der Lektüre erst mal kalt duschen müssen. mehr lesen / lire plus