JOANNA NEWSOM: „Ys“

von | 09.02.2007

So bescheiden sich der Titel des zweiten Albums der jungen kalifornischen Musikerin Joanna Newsom gibt, so maßlos, dicht und unkonventionell ist der Inhalt der Platte. Verglichen mit ihrem bereits grandiosen Debüt „The Milk-Eyed Mender“ (2004) hat Newsom einen großen schöpferischen Sprung gewagt: Zu ihren Songs sowie ihrem Harfenspiel dirigiert Van Dyke Parks ein 30-köpfiges Orchester. Die mit ihrer Stimme teils an Björk erinnernde Sängerin erzeugt, durch ihren schrillen, sich überschlagenden – manchmal dunkel-modulierenden Gesang – eine unglaubliche Präsenz, die sich über fünf lange Songs hinzieht. Kaum ein Stück bleibt unter zehn Minuten. Die Tonstruktur ist sehr komplex, besonders durch die Art wie die Streicher varieren und die fantastischen Kompositionen der jungen Kalifornierin umsetzen. In Anspielung auf die Legende der versunkenen Stadt „Ys“ drehen sich ihre verschlüsselten und allegorischen Texte um Betrachtungen über Liebe und Tod. Sowohl ihre sicherlich ungewöhnliche Stimme als auch die Tatsache, dass sie die Harfe in die Popmusik zurückgeholt hat, machen die Newsom-Songs zu einem unverwechselbaren und kühnen Unternehmen.

Dat kéint Iech och interesséieren

KULTURTIPP

Willis Tipps: April 2026

Seit 1999 veröffentlicht Lucas Santtana Platten. Jetzt hat der Gitarrist, Sänger, Flötenspieler und Komponist sein zehntes Album mit dem Titel Brasiliano herausgebracht. Auf jedem der elf Stücke kooperiert er mit einem*r anderen Sänger*in. So ist die in Paris lebende, am Pop orientierte Gesangskünstlerin Flávia Coelho genauso zu hören wie der mit brasilianischem Reggae bekannt gewordene Chico César oder der Superstar Gilberto Gil, der zu den Urgesteinen des Tropicália-Stils gehört.

KULTURTIPP

Eventtipp: Printemps des poètes

„Besagter Lenz ist da“, schrieb Erich Kästner – und mit dem Lenz hält auch die Lyrik wieder Einzug in Luxemburg. Während des diesjährigen „Printemps des poètes“ am 17., 18. und 19. April können sich Freund*innen der Poesie von den Texten hochkarätiger Dichter*innen aus ganz Europa begeistern lassen.

KULTURTIPP

Buchtipp: Kontinentaldrift

In „Kontinentaldrift“ präsentiert Marianne Jungmaier Reisegeschichten, deren Welthaltigkeit über die zahlreichen Ortswechsel und fast filmisch wirkenden Schauplatzbeschreibungen hinausgeht, auch wenn diese einmal mehr beweisen, dass das innere Auge – mit den richtigen Impulsen gefüttert – Landschaften entwerfen kann, die reale in ihrer
vibrierenden, farbsatten Schönheit übertrumpfen.

KULTURTIPP

Buchtipp: Stadt aus Sand

In seinem Erzählband „Stadt aus Sand“ schreibt Ángel Santiesteban über extreme Gewalt, moralische Verwahrlosung, Gewissenskonflikte, Verzweiflung, Mangel und Tod in einem Land, in dem Einwohner*in sein unweigerlich heißt, in Unfreiheit zu leben. Jede einzelne der dreizehn Kurzgeschichten beweist, dass der kubanische Autor nicht nur ein Meister...