MORGAN SPURLOCK: Big Mac, Big Dreck

Was passiert, wenn man sich nur von Fast Food ernährt, zeigt der Film „Super Size Me“. Der Versuch, McDonalds auf die Anklagebank zu bringen, gelingt nur teilweise.

Zunehmen unter ärztlicher Aufsicht: Morgan Spurlocks regelmäßige Check-ups geben schnell Anlass zur Sorge.

„Everything is bigger in America“, mit diesem Satz beginnt der Film „Super Size Me“ von Morgan Spurlock. Gemeint sind die Portionen bei McDonalds: 1,89 Liter Cola beim Super-Size-Menü gibt es sonst nirgendwo auf der Welt. Gemeint sind auch die AmerikanerInnen selber: Die Zahl der Übergewichtigen und Fettsüchtigen ist ebenfalls Weltrekord.

„Super Size Me“ untersucht die Zusammenhänge zwischen Fast Food und Ernährungskrankheiten. Hauptdarsteller ist Regisseur Morgan Spurlock persönlich, der sich während eines Monats einer reinen McDonalds-Diät unterwirft. Wichtigste Regeln bei diesem Experiment: Er darf nicht mehr als 5.000 Schritte pro Tag zurücklegen, so viel wie Durchschnitts-AmerikanerInnen. Und: Jedes Mal wenn ihm die VerkäuferInnen ein Super-Size Menü „für nur 49 Cent Aufpreis“ anbieten, muss er zugreifen. Überwacht wird das Experiment von drei ÄrztInnen, einer Ernährungsberaterin und Morgan Spurlocks Freundin Alex.

Dokumentarfilme sind zurzeit in Mode. Dieser hier unterhält, indem er Bilder vom mampfenden Morgan mit Interviews, Sachinformationen, und die Fast-Food-Industrie anklagenden Texte aus dem Off vermischt. Man erlebt mit, wie das Gewicht des gesunden Dreißigjährigen binnen weniger Tage um fünf Prozent steigt, wie er zum ersten Mal einen Big Mac zum Autofenster hinauskotzt, wie er die Ermahnungen seiner veganen Freundin über sich ergehen lässt. Parallel dazu führt uns die Kamera quer durch die USA. Zum Beispiel nach Houston, Texas, der Stadt mit dem höchsten Bevölkerungsanteil an Übergewichtigen. Interviewt werden dicke und dünne Fast-Food-KundInnen, SchülerInnen und DirektorInnen sowie VertreterInnen der Fast-Food-Industrie. Einhellige Meinung: Fast Food zu essen ist nicht gerade gesund, aber richtig schlimm ist es auch nicht.

Morgans Spurlocks Experiment scheint das Gegenteil zu beweisen: Ab dem zwanzigsten Tag verschlechtert sich sein Gesundheitszustand drastisch und die ÄrztInnen messen alarmierende Blutwerte. „Dass man durch zu fette Ernährung ähnliche Leberwerte erreicht wie bei Alkoholismus, hätte ich nicht für möglich gehalten“, so ein Arzt. So richtig leid tun kann einem Morgan Spurlock nicht, schließlich hat er diese Situation gezielt herbeigeführt. Darüber, wie gefährlich ein weniger extremer Gebrauch von Fast Food ist, sagt das Experiment nichts aus.

Gurke und Tomate

Überzeugend ist dagegen die Darstellung, wie sich Fast Food – diesmal nicht von McDonalds sondern von Sodexho geliefert – in den Schulkantinen breit macht. Morgan Spurlock arbeitet präzise heraus, wie minderwertiges und ungesundes Essen von Schuldirektion und Kantinenpersonal als zeitgemäß angesehen wird, und wie sich diese mit Aussagen wie „Kein Schüler isst nur Pommes und Mayo“ selbst belügen. Man ist entrüstet über die Art, wie Kindern und Jugendlichen Essgewohnheiten vermittelt werden, die zwar falsch, aber für die Nahrungsmittelindustrie höchst profitabel sind. In einer gelungenen Zeichentricksequenz veranschaulicht der Regisseur, wie viel Geld die Industrie für Werbung aufbringt, und wie wenig für Aufklärungskampagnen zur Verfügung steht. Humor und Leichtigkeit versprühen Sequenzen wie die Diät-Abschlussparty. Leider nimmt Morgans Spurlocks erhobener Zeigefinger oft Überhand – und langweilt die ZuschauerInnen.

Bedenklich stimmen Ansätze wie die Stigmatisierung
dicker Menschen, die Verherrlichung der Zeit „als Mom noch selber für uns kochte“ und das Urteil eines Schulleiters: „Seit wir gesundes Essen servieren, zeigen unsere schwer erziehbaren Jugendlichen viel weniger Verhaltensauffälligkeiten.“ Der Traum, Gesundheitsnormen bei der Nahrung einzuführen und dadurch gesunde und genormte Menschen zu formen, ist gewiss nicht jedermanns Sache. Dennoch wünscht man sich beim Verlassen des Saals, dass der Film die Dinge in Bewegung bringen möge. Ein Erfolg war Morgan Spurlock bereits vergönnt: McDonalds hat die Super-Size-Option von der Speisekarte gestrichen.


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