DREIMAL KRIEG: Löwen für die Schlachtbank

„Lions for Lambs“ ist nicht einfach eine Anklage gegen die Kriege in Afghanistan und Irak. Der Film setzt sich kritisch mit dem Zustand der amerikanischen Gesellschaft in der Ära nach 9-11 auseinander.

Senator Irving (Tom Cruise) steht für Unnachgiebigkeit im „War on Terror“.

Zwei Soldaten, verwundet, isoliert im Schnee. Von den Felshängen gegenüber nähert sich der Feind. Dann braust ein A-10 „Warthog“ Bomber heran: Feuerblitze, fürchterliches Knallen. Die Taliban-Kämpfer halten ein, zählen ihre Verluste, müssen sich neu formieren. Ein Rescue-Hubschrauber ist unterwegs. Besteht für die beiden US-Elitesoldaten eine Chance auf Rettung in den letzten Minuten des Films „Lions for Lambs“?

Zuvor hat das Kinopublikum den Einsatz von Ernest und Arean verfolgt, angefangen mit der „Operation Briefing“. Geplant war, einen Gipfel in Nordafghanistan überraschend per Helikopterlandung zu besetzen, um das Taliban-Gebiet zu kontrollieren. Anders als erwartet waren die Taliban schon vor Ort. Der Hubschrauber wurde beschossen, Ernest fiel heraus, sein Freund sprang ihm nach. Opfer einer Fehleinschätzung ihrer Führung.

Zwischen den Kriegsszenen sind Auszüge aus einem Gespräch eingeblendet, das Senator Jasper Irving mit der Reporterin Janine Roth führt. Er hat Roth zu sich bestellt, um sie in seine „Neue Strategie für Afghanistan“ einzuweihen. Während der Senator von den Mini-Operationen schwärmt, bei denen US-Elitesoldaten die Taliban ausmanövrieren, wissen die ZuschauerInnen, dass der erste Versuch dieser Art bereits gescheitert ist. Auch Roth misstraut Irvings Optimismus. Das kritische Nachbohren der Journalistin und die smarten Ausweichmanöver des Senators lassen dank der schauspielerischen Leistung von Meryl Streep und Tom Cruise keine Langweile aufkommen – trotz des trockenen Themas.

Der dritte Handlungsstrang des Films führt uns an die Heimatfront. Professor Stephen Malley (Robert Redford) hat seinen besten Studenten, Todd, zu sich bestellt. Er will ihn dafür begeistern, etwas aus seiner Begabung zu machen. Todd soll sich in die Politik einmischen, statt sich für „the good life“ zu entscheiden. Malley erzählt von zwei ebenso begabten Studenten, denen ein Engagement für soziale Veränderungen vorschwebte. Ernest und Arean kommen, anders als Todd, aus „schwierigen“ Vierteln, der eine Latino, der andere Afro-Amerikaner. Statt weiter zu studieren, wollten sie „etwas tun“ – und meldeten sich freiwillig zum Dienst im „War on terror“. Malley erklärt Todd, er halte zwar ihre Entscheidung für falsch, respektiere aber ihre Gründe.

Spätestens an dieser Stelle dürfte der Film des – als „leftist“ geltenden – Regisseurs Robert Redford bei EuropäerInnen mit linker Gesinnung Skepsis hervorrufen. Auch der Titel des Films, der die couragierten Kämpfer den schwachen Anführern gegenüberstellt, kann als Bekenntnis zum Individualismus oder gar zum Machismus interpretiert werden. Doch in der US-Linken ticken die Uhren anders als diesseits des Atlantiks. Gegen den „Jeder für sich“-Diskurs, mit dem Rechte die Ungleichheit begründen, setzen „Progressives“ eine Solidarität, die sich im konkreten Handeln ausdrückt. Die These der Veränderungen von den Graswurzeln her mag naiv erscheinen. Verglichen mit der verbreiteten Attitüde europäischer linker MilitantInnen, die sozialen Probleme zu theoretisieren und ansonsten auf die große Revolution hinzuarbeiten, ist sie sympathisch.

Zurück zum Film. Die Parallelität der drei Handlungsstränge, zu denen noch ein paar Rückblenden kommen, ist überzeugend durchgestaltet. Der Film bleibt verständlich, vermittelt aber die Komplexität der Zusammenhänge. Manches mag zu sehr nach Hollywood aussehen, angefangen bei Tom Cruises Lächeln. Doch der Film ist nicht abgerundet, gibt keine fertigen Antworten auf die Fragen, die er aufwirft. Er ist eine Aufforderung an die Jugend Amerikas, verkörpert durch Todd: Sie soll mutiger sein als die Generation ihrer Eltern, zum Beispiel Roth, ohne den Blick für das Ganze zu verlieren – wie es Ernest und Arean passiert ist. Vor allem soll sie ihr Leben – und ihr Land – selbst in die Hand nehmen.

Lions for Lambs, im Utopolis.


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