REFORM DES JAGDGESETZES: Jäger und Gejagte

Konfrontiert mit harter Kritik, schalten die Jäger auf stur. Doch ihre Ablehnung aller Reformansätze könnte am Ende die Existenz der Freizeitjagd in Frage stellen.

Die Freude der Jäger über den Beginn der neuen Jagdsaison ist getrübt, sind sie doch selber ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. Ende Oktober sorgte ein Bild, das eine erlegte trächtige Wildsau mit daneben liegendem Fötus zeigt, für Aufregung. Die Jägerföderation konterte, indem sie das Foto als Fälschung bezeichnete. Das Bild stammt jedenfalls von einem deutschen Verlag, wurde also wohl nicht in Luxemburg aufgenommen.

Unbestreitbar dagegen ist der Erfolg einer Aktion der JagdgegnerInnen zum Schutz des Rotfuchses. Am vergangenen Dienstag überreichten VertreterInnen einer satirischen Wochenzeitung und zweier Tierschutzorganisationen Umweltminister Lucien Lux eine Petition mit über 8.000 Unterschriften. Die Forderung „Stoppt d’Juegd op de Renert“ wird untermauert durch Argumente, die die Fuchsjagd als überflüssig und sogar schädlich erscheinen lassen. Die Bejagung reduziere keineswegs die Fuchsbestände und bringe zudem die Tiere dazu, in Wohngebieten Schutz zu suchen. „Das systematische Töten der Füchse ist also nicht notwendig, sondern dient einzig und allein dem Vergnügen der rund 2.000 Grünröcke, die hier zu Lande ihr blutiges Hobby betreiben“, so die JagdgegnerInnen.

Die Haltung der Jägerschaft zur Kritik ist jahrein jahraus die gleiche geblieben. Einerseits werden die JagdgegnerInnen als ahnungslose RomantikerInnen dargestellt. Andererseits wehrt sich die Jägerföderation gegen jeden Reformansatz, wie ihre Antworten auf einen Fragekatalog der zuständigen Chamberkommission belegen. Abgesehen von ein paar technischen Anpassungen lehnt sie die vom Parlament ins Auge gefassten Änderungen ab. Kein Fettnäpfchen wird ausgelassen: SpaziergängerInnen stören, Haustiere dürfen abgeschossen werden, Wildfütterung ist notwendig und die Fallenjagd soll wieder erlaubt werden, so die Föderation.

Die harte Konfrontation zwischen Jägern und JagdgegnerInnen führt dazu, dass in der Diskussion gemäßigtere Stimmen kaum zu Wort kommen. So tritt der Verein „Fir eng ökologesch Juegd“ dafür ein, den Fuchs nur dann zu jagen, wenn er sein Winterfell trägt, ein Vorschlag, der auch von der Natur- a Vulleschutzliga getragen wird. Dem liegt das Prinzip zugrunde, dass die Tötung von Tieren nur Sinn macht, wenn sie den Menschen einen Nutzen bringt. Das ist aber sowohl für radikale TierschützerInnen als auch für leidenschaftliche Freizeitjäger inakzeptabel. Die parlamentarische Orientierungsdebatte zur Jagdreform Anfang nächsten Jahres verspricht, spannend zu werden.

Dass die Jägerföderation im Vorfeld auf stur schaltet, deutet auf große Selbstsicherheit hin. Sie setzt darauf, dass die Reformdiskussion im Sande verläuft und alles beim Alten bleibt. In Zeiten steigender Arbeitslosigkeit und ausgesetzter Indextranchen erscheint die Jagddebatte als Randthema – es berührt keine vitalen Interessen der Luxemburger Bevölkerung. Dagegen können die Jäger, auch wenn sie nur eine Minderheit darstellen, bislang auf ihre Beziehungen in den Verwaltungen, den Parteien und in Wirtschaftskreisen zählen.

Doch das Abblocken aller Reformvorschläge könnte dazu führen, dass das Pendel irgendwann in die andere Richtung ausschlägt. Die Mehrheit der Bevölkerung steht der jetzigen Jagdpraxis sehr kritisch gegenüber, das ergab 2002 eine Umfrage von „Déi Gréng“. Hierbei spielen Emotionen eine größere Rolle als Argumente. So wurde besonders die Treibjagd abgelehnt, obwohl sie ökologisch gesehen sinnvoll ist. Das Schießen vom Hochsitz aus bedeutet Dauerstress für das Wild während der gesamten Jagdsaison. Was die Jäger nicht vergessen sollten: Für die meisten ihrer Alliierten stellt die Jagd auch kein vitales Interesse dar, für das man Popularität und Karriere riskieren würde. Wenn es hart auf hart kommt, müssen die Jäger im Alleingang eine misstrauische Bevölkerung davon überzeugen, dass die Jagd nützlich und notwendig ist. Das aber dürfte dann schwierig werden.


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