BATMAN: Gigant in Strumpfhosen

Mit „The Dark Knight“, ist es Regisseur Christopher Nolan gelungen, das mit „Batman Begins“ erreichte filmische Niveau zu halten – und den düsteren Comic-Helden endgültig zu rehabilitieren.

Batman und sein Gegenspieler Joker: Christian Bale und Heath Ledger in „The Dark Knight“

Es war Ende der Neunzigerjahre, als Joel Schumacher die Batman-Filme in eine knallbunte und nicht mehr ernstzunehmende Zirkusvorstellung verwandelt hatte. Danach benötigte es etliche Jahre der Auszeit und einen Regisseur vom Kaliber eines Christopher Nolan, um den Karren aus dem Dreck zu ziehen. Nolan wagte mit „Batman Begins“ den Neuanfang, indem er die Schilderung von Batmans Wurzeln in eine realistische Umgebung verlegte und den Fledermausmann selbst als zerrissenen und gebrochenen Menschen zeigte. Das hob den Film über das Niveau eines herkömmlichen Actionfilms hinaus und machte ihn gar zu einem Charakterdrama.

Mit „The Dark Knight“, übrigens der erste Batman-Film, der ganz selbstbewusst nicht den anziehenden Namen seines Hauptcharakters im Titel trägt, verfolgt Nolan diese Richtung weiter. Die ohnehin gigantischen Ansprüche an den Nachfolger von „Batman Begins“ wurden durch den tragischen Tod von Heath Ledger, welcher in „The Dark Knight“ Batmans faszinierenden Widersacher, den Joker, spielt, noch weiter erhöht. Zwar nutzte die Produktionsfirma Warner Brothers den Tod Ledgers, der an einer Überdosis Tabletten starb, nicht kommerziell aus, indem sie etwa den Filmstart um einige Monate nach vorne verlegte. Nichtsdestotrotz entstand ein Hype um den Streifen, in dessen Verlauf sogar Forderungen nach einer postumen Oscarnominierung für Ledger laut wurden.

Ein neuer Ganove taucht in Gotham City auf. Er nennt sich „Joker“, sieht aus wie ein heruntergekommener Clown und ist fest entschlossen, die lokalen Mafiabosse um ihr Erspartes zu bringen. Dabei geht es ihm aber nicht ums Geld an sich, sondern nur darum, soviel Chaos und Anarchie wie möglich in Gotham zu verbreiten. Anders als Jack Nicholson im ersten Batman Film, ist Ledgers Joker kein comic-hafter und überdrehter Clown, sondern ein wahnsinniger, höchst intelligenter Psychopath, der Batman vor seine bisher größte Herausforderung stellt. Am ehesten ist dieser Charakter womöglich mit Rutger Hauers Leistung als John Ryder in „Hitcher“ vergleichbar: beide tauchen immer wieder aus dem Nichts auf, sind ihren Gegnern stets mehrere Schritte voraus und haben eine dämonische, übermenschliche Präsenz – in Ledgers Fall noch betont durch dessen Mimik und seine brüchige, kaputte Stimme. So wird seine Verkörperung des Joker – abseits des ganzen Hype – zu einer grandiosen Abschiedsvorstellung.

Zentralste Figur des Films bleibt aber Bruce Wayne alias Batman (Christian Bale). Während der Joker die Mafia-bosse von Gotham nach und nach entmachtet und durch hinterhältige Anschläge Panik verbreitet, stellt er ausgerechnet Batman als den Verantwortlichen dieser Missstände dar. Batman muss reagieren, zunächst jedoch vor allem einsehen, dass er selbst den Joker erschaffen hat. Im aufrichtigen Staatsanwalt Harvey Dent (Aaron Eckhart) findet er zwar einen Verbündeten, doch Dent gerät zwischen die Fronten dieser beiden Giganten und bezahlt dafür einen hohen Preis.

Mehr von der Story zu erzählen wäre ein Frevel, denn die Geschichte von „The Dark Knight“ schlägt einen Haken nach dem anderen und entwickelt nach einem recht zähen Beginn, bedingt durch eine ziemlich überflüssige Nebengeschichte, die in Hongkong spielt, ein beachtliches Tempo, das dem Zuschauer im Folgenden zwei Stunden lang keine Ruhepause mehr gönnt. Die Actionszenen sind erfreulicherweise zum größten Teil auch ?handgemacht‘ und entsprechend imposant anzuschauen, nur gegen Ende verliert sich Nolan zu sehr in Computerspielereien.

Diese beiden Kritikpunkte sollen aber keineswegs davon ablenken, dass „The Dark Knight“ eine erstklassig besetzte, intelligente und spektakuläre Mischung aus Thriller und Drama ist. Eindrucksvoll zeigt sie, dass Comicverfilmungen nicht immer knallbunt und kindgerecht sein müssen.

The Dark Knight, im Utopolis (Luxemburg), Starlight (Düdelingen) und Kursaal (Rümelingen).


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