RON HOWARD: Nixons letztes Duell

In den letzten Monaten haben alle Medien von Barack Obama’s Amtsantritt berichtet und dabei geschichtliche Vergleiche gezogen. Auch Hollywood blickt zurück – in Ron Howards neuem Film steht Nixon als gefallener Präsident einem aufsteigenden Talkshow-Moderator gegenüber.

Rhetoriker unter sich: Nixon versucht sich aus dem Watergate-Skandal herauszureden.

Die Abschriften der beschlagnahmten Tonbänder, die Präsident Nixon (gespielt von Frank Langella) im August 1974 der Justiz übergibt, enthüllen seine Mitschuld in der Watergate Affäre. Auf einem der veröffentlichten Bänder diskutiert Nixon sogar darüber, wie die Ermittlungen, die gegen ihn laufen, unter dem Vorwand der nationalen Sicherheit behindert werden könnten. Der öffentliche Druck und die Einsicht, im Kongress jetzt auch die letzten Freunde verloren zu haben, zwingen Nixon schließlich, das Handtuch zu werfen. Der 9. August 1974 geht somit als der Tag in die Geschichte ein, an dem zum ersten Mal ein Präsident der Vereinigten Staaten zurücktrat.

Für David Frost (Michael Sheen) wird dieser Tag zur Grundlage seiner aufsteigenden Karriere. Der britische Moderator hat sich nämlich fest vorgenommen, den in Ungnade gefallenen Ex-Präsident zu interviewen. Getrieben vom Gedanken, in den Staaten den großen Durchbruch zu landen und nicht mehr Gäste wie die Bee Gees einladen zu müssen, versucht er seinen Produzenten John Bird (Matthew Macfadyen) von seiner Idee zu überzeugen. Doch Nixon verlangt eine erhebliche Summe für das Interview, und es stellt sich heraus, dass kein amerikanischer Fernsehsender die Show ausstrahlen will.

Als das Interview dann doch zustande kommt und Frost seinem Opponenten gegenüber sitzt, wird schnell klar, dass er nicht mit dem größten aller Hindernisse gerechnet hat: Nixons Redekunst! Der Ex-Präsident, der von seinem Nachfolger Gerald Ford begnadigt worden war und sich nie ausdrücklich für seine Taten entschuldigt hat, plaudert in den Interviews vergnügt vor sich hin, ohne sich von den Fragen des Moderators durcheinander bringen zu lassen. Das Gespräch wird zu einem lauwarmen Monolog bei dem Nixons langatmige Antworten Frost immer tiefer in den Sessel sinken lassen. Der Ex-Präsident hat sogar die Gelegenheit, sich während des Gesprächs immer wieder seine schwitzende Oberlippe abzuwischen, die für viele der Grund seiner Niederlage in der Debatte gegen Kennedy war. Doch dann ändert Frost seine Strategie …

Die weltweit bekannteste Korruptionsaffäre hat nicht nur die Namensgebung “ … gate“ für zukünftige Skandale geprägt, sondern auch den Zorn einer Generation ausgelöst, die von der Regierung im Stich gelassen wurde. Dass all das nach Verfilmung schreit, hat auch Regisseur Ron Howard erkannt und liefert einen neuen Blickwinkel auf die Affäre: den der Fernsehkameras. „Frost/Nixon“ ist als spannender Rhetorik-Thriller aufgebaut, der anfangs wegen Nixons sehr ausführlichen Anworten etwas zu wortreich erscheinen mag, dann aber eine elektrisierende Stimmung entwickelt. Im TV Zeitalter liegen erfolgreich sein und vergessen werden dicht beieinander, und so kommt es, dass die Zukunft der beiden Hauptfiguren vor laufenden Kameras bestimmt wird. Der Showdown zwischen Nixon und Frost wird daher nicht nur Fans von Barthes und Saussure (die Gründerväter der modernen Linguistik und Rhetorik) fesseln.

Frost/Nixon: im Utopia


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