ZACK SNYDER: The Times They Are A Changing

Brutal und zynisch sind die Super-helden aus „Watchmen“. Aber aus der Orignalvorlage einen ebenso genialen Film zu machen, scheint dennoch unmöglich.

1985, Nixon ist immer noch Präsident :
Wer würde da nicht zum selbstgerechten Rächer werden?

Es ist ein pessimistisches Szenario, das Alan Moore in seiner viel gelobten Graphic Novel „Watchmen“ ins Leben ruft. Wir schreiben das Jahr 1985. Die USA haben den Vietnamkrieg gewonnen, Richard Nixon ist immer noch an der Macht und das Wettrüsten mit der Sowjetunion hat einen beispiellosen Höhepunkt erreicht: Ein Atomkrieg zwischen den beiden Supermächten steht kurz bevor. Auch die Superhelden, die in diesem Paralleluniversum leben, haben ihre besten Zeiten bereits hinter sich, denn durch einen Regierungserlass dürfen sie nicht mehr öffentlich als solche tätig werden. Einige haben sich umgebracht, andere haben sich für ein normales Leben – ohne Masken aus Latex und lächerlichen Spitznamen – entschieden. Nur der unberechenbare Soziopath Rorschach (Jackie Earle Haley) verfolgt weiterhin im Verborgenen Kriminelle. Und er hat auch allen Grund dazu: Ein Unbekannter hat den zynischen Misanthropen „The Comedian“ (Jeffrey Dean Morgan) aus dem Fenster eines Wolkenkratzers geworfen. Rorschach vermutet hinter diesem Akt den Auftakt einer Mordserie an Superhelden und kontaktiert deshalb seine ehemaligen Mitstreiter, darunter Nite Owl (Patrick Wilson) und Silk Spectre (Malin Akerman).

Zack Snyder, Regisseur von „Dawn of the Dead“ und „300“, musste bei seiner dritten Regiearbeit aufs Ganze gehen, denn die zwölfteilige „Watchmen“ Serie galt jahrelang aufgrund ihrer enormen Komplexität als unverfilmbar – Koryphäen wie Terry Gilliam und Darren Aronofsky warfen bereits das Handtuch. Zudem sind die sogenannten „Fanboys“ und „Fangirls“ ein denkbar schwieriges Zielpublikum. Jede noch so kleine Abänderung gegenüber der Vorlage wird sofort registriert und in Internetforen besprochen. Doch für die Verfilmung von „Watchmen“ gebürt Zack Snyder Lob: Nicht nur hält sich seine Umsetzung – bis auf einige Kürzungen und Änderungen im Finale – ziemlich nahe an die Vorlage, es gelang ihm auch sich von der sterilen, computergenerierten Optik seines „300“ zu entfernen, und dadurch einen faszinierenden, detailverliebten und ungeheuer komplexen Film abzuliefern, der auch Nichtkennern der Comicvorlage gefallen dürfte.

Gänsehaut erzeugt bereits der Vorspann. Zu Bob Dylans Song „The Times They Are a Changing“ wird dem Zuschauer ein alternativer Verlauf der Geschichte geboten, der bestens auf den Film einstimmt. Snyders Parallelwelt ist ungeheuer atmosphärisch und authentisch, die Sets sind stimmig und detailverliebt. Seit sogar Batman – wie in „The Dark Knight“ – sich auf der Flucht vor seinen eigenen Schutzbefohlenen befindet ist klar: Superhelden haben auch ihre dunklen Seiten. Und „Watchmen“ geht noch viel weiter: Diese amerikanischen Helden sind keine strahlenden Supermänner. Sie kämpften in Vietnam, sind Vergewaltiger und Fetischisten oder im besten Fall Langweiler wie Nite Owl. Der Film hält sich in dieser Hinsicht durchaus an die Comicvorlage und versprüht bis zum Ende eine Desillu-sioniertheit, die für Hollywoodproduktionen ungewöhnlich ist. Zudem schert sich „Watchmen“ nicht im geringsten um politische Korrektheit. Seien es nun Dr. Manhattens (Billy Crudup) bläulich leuchtendes Gemächt, explizite Gewaltdarstellungen, oder psychopathische Superhelden: Dieser Film bricht mit einigen Tabus.

Perfekt ist „Watchmen“ deshalb allerdings nicht. Snyder hat zwar seit „300“ dazugelernt, doch noch immer gibt es narrative Längen und er verfällt weiterhin seiner Faszination für sterile Zeitlupensequenzen und Kampfszenen, die der Film alleine auf Grund des Einfallreichtums der Vorlage gar nicht nötig hätte. Will man andererseits eine kostspielige Adaptation wie diese auch einem breiteren Publikum schmackhaft machen, dann geht es wahrscheinlich nicht ohne derartige Schaueffekte. „Watchmen“ ist verrückt, schwierig, und provoziert. Ein Erlebnis für Erwachsene, welche die Hollwood- Klischees hinterfragen wollen.

Watchmen, im Utopolis.


Cet article vous a plu ?
Nous offrons gratuitement nos articles avec leur regard résolument écologique, féministe et progressif sur le monde. Sans pub ni offre premium ou paywall. Nous avons en effet la conviction que l’accès à l’information doit rester libre. Afin de pouvoir garantir qu’à l’avenir nos articles seront accessibles à quiconque s’y intéresse, nous avons besoin de votre soutien – à travers un abonnement ou un don : woxx.lu/support.

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Wir stellen unsere Artikel mit unserem einzigartigen, ökologischen, feministischen, gesellschaftskritischen und linkem Blick auf die Welt allen kostenlos zur Verfügung – ohne Werbung, ohne „Plus“-, „Premium“-Angebot oder eine Paywall. Denn wir sind der Meinung, dass der Zugang zu Informationen frei sein sollte. Um das auch in Zukunft gewährleisten zu können, benötigen wir Ihre Unterstützung; mit einem Abonnement oder einer Spende: woxx.lu/support.
Tagged , .Speichere in deinen Favoriten diesen permalink.

Kommentare sind geschlossen.