ÖPNV: An den KundInnen vorbei?

Nach der Eintagsfliege Fahrgastforum erhöht der Meco den Druck auf den Verkehrsminister, die potentiellen NutzerInnen des öffentlichen Verkehrs in die weitere Planung miteinzubeziehen.

Schick sieht er aus, der Bericht zum Fahrgastforum von September 2008. Erstellt im obligaten „mobilitéit.lu“-Font sind auf luftig gelayouteten 22 Seiten die Schlussfolgerungen der in mehreren Arbeitsgruppen diskutierten Probleme rund um den öffentlichen Transport in Luxemburg abgefasst. Schade nur, dass der lesenswerte Bericht erst Anfang diesen Jahres, also mit fast anderthalb Jahren Verspätung, an die TeilnehmerInnen des Diskussionsforums verteilt wurde.

Zum Zeitpunkt des Seminars war die Krise noch kein Thema. Und statt wie jetzt von Ausdünnung der Linien oder einem verzögerten Ausbau des Schienennetzes zu reden, schlussfolgert der Bericht, dass „Bau und systematischer Ausbau der geplanten Tram“ das A und O der Lösung der Probleme in der Hauptstadt bedeuten. 17 Themenschwerpunkte vom Liniennetz bis zur Fahrradmitnahme, von Verspätungen bis zum Leitsystem, von Haltestellen bis zu Behinderten im Verkehr waren organisiert worden. Vieles, was im Bericht aufgeführt wird, wäre kurzfristig umsetzbar gewesen. Doch ein Fahrgastforum Nummer zwei, das die Umsetzung hätte anmahnen können, ist nicht vorgesehen.

Einen spontaneren Weg hat der Mouvement Ecologique genommen. Per Facebook-Seite wurden Mitglieder der Umweltgewerkschaft und NutzerInnen des ÖPNV zur freien Meinungsäußerung animiert. Unter dem Titel „Kriss de nach ee Bus/Zuch fir heem?“ wurde Anfang Februar eine Gruppe im sozialen Netzwerk gestartet, die sich binnen einiger Wochen auf rund 400 eingetragene Mitglieder mauserte.

Die Reaktionen der Betroffenen machen eins deutlich: Die im September 2008 in vielen Arbeitsgruppen zusammen getragenen Kritikpunkte am bestehenden System gelten auch jetzt noch. Einiges – zum Beispiel das Problem der Verspätungen – hat sich nach der subjektiven Betrachtung mancher Facebooker sogar noch verschlechtert. Und der massive Ausfall der Busse anlässlich der Schnee- und Kaltwettereinbrüche in diesem Winter hat den Bedarf nach einem Notfallsystem sowie schneller, adäquater Information deutlich gemacht.

In Sachen Information bleibt auch zu normalen Zeiten ein enormer Nachholbedarf. So sind die Hinweistafeln an den Haltestellen immer noch nicht einheitlich und übersichtlich dargestellt und auch die Mobilitätszentrale als Anlaufstelle scheint vielfach überfordert. Ein landesweites Leitsystem, wie es jetzt in der Hauptstadt realisiert wird, bleibt der Wunschtraum vieler.

Jetzt zog der Meco Zwischenbilanz und analysierte die Interneteinträge, um daraus eine Art Forderungskatalog zusammenzustellen. Der kommt gerade rechtzeitig, denn am 14. Juli findet in Zusammenarbeit mit dem Oekozenter ein Fachvortrag mit Diskussion zum Thema „Reorganisatioun vum Busnetz zu Lëtzebuerg“ statt. Eingeladen ist der Verkehrsexperte Martin Schiefelbusch aus Berlin. Der Spezialist für Kundenbeteiligung in der Verkehrsplanung dürfte der richtige sein, um zu erläutern, dass die Einbeziehung der Fahrgäste in Planungsfragen sich nicht auf die einmalige Herausgabe schick gelayouteter Broschüren beschränken kann.

An der Diskussion wird sich auch der zuständige Minister Claude Wiseler beteiligen. Er wird dann erklären weshalb – zum Beispiel – auch nach dem Ministerwechsel vor knapp einem Jahr Beschwerdebriefe der ÖPNV-NutzerInnen konsequent unbeantwortet bleiben. Dass die Debatte noch vor der Sommerpause einberaumt wurde, hat vor allem mit einer vom Minister für den Herbst geplanten Informationstournee zu tun. Er will dann die Optimierung des öffentlichen Transports mit allen TrägerInnen und den Kommunen diskutieren. Die Umweltgewerkschaft will deshalb vor allem die Rolle der NutzerInnen in diesem Prozess in Erinnerung rufen. Eine erste Probe dürfte der Kampf um den Erhalt des Rufbusses im Kanton Kapellen bieten, die demnächst gestartet werden soll. Auch will der Meco die Einberufung von Regionalen Verkehrskonferenzen, so wie sie im ÖPNV-Gesetz von 2004 vorgesehen sind, einklagen.


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