ERNEUERBARE ENERGIEN: Sonne ist für alle da

Dass der Ausbau erneuerbarer Energien nicht im Widerspruch zum Naturschutz steht, machten der Mouvement Ecologique und „natur & ëmwelt“ in einer gemeinsamen Stellungnahme deutlich.

Streitfragen, die bei Auseinandersetzungen über Energiepolitik zur Tagesordnung gehören, können durchaus Potenzial zur Lösungsfindung bieten. Aus demselben Grunde ist es stets kontraproduktiv, tatsächliche oder angebliche Konflikte als Vorwand zum Nichtstun zu nutzen. Genau dies scheint aber die Taktik der Luxemburger Regierung zu sein, die mit dem Argument, dem Ausbau der erneuerbaren Energien stünden Konflikte mit anderen gesellschaftlichen Akteuren, wie den Natur- und Landschaftsschützern, im Wege, ihre von Movement Ecologique und „natur & ëmwelt“ als zu vage beurteilten Klimaschutz-Pläne zu rechtfertigen sucht.

Tatsächlich verdeutlichten die Organisationen in der vergangenen Woche dass ein beträchtliches Potenzial an erneuerbaren Energien in Luxemburg auch bei Berücksichtigung des Naturschutzes nutzbar gemacht werden kann. Einzige Bedingung ist, dass die Förderung erneuerbarer Energien unter bestimmten Prämissen erfolgt, wie zum Beispiel der Priorität der Nahrungsmittelproduktion oder der Unverzichtbarkeit von Naturschutzgebieten. Dies schließt nicht aus, beispielsweise Biomasse zu fördern, solange die resultierende Energiebilanz positiv ausfällt. Denn statt sich einzig auf den Anbau von Energiepflanzen zu konzentrieren, können hier so oder so anfallende organische Substanzen, sprich Bioabfall, Grünschnitt und tierische Ausscheidungen, zur Energiegewinnung genutzt werden. In der Regierungs-Strategie bleibt jedoch unklar woher die Rohmaterialien kommen sollen und statt auf dezentrale Anlagen, wird auf Großanlagen mit deutlich längeren Transportwegen gesetzt.

Verbesserungsbedarf gibt es in allen Bereichen. Dass die Regierung der Sonne keine Priorität einräumt, sei eine völlige Fehlentscheidung, so Paul Polfer vom Mouvement Ecologique. Gerade in der Sonnenenergie liege das größte Potential, und da sie unbegrenzt verfügbar sei, gebe sie auch kaum Anlass zu Konflikten mit anderen gesellschaftlichen Zielen. Potenzielle Flächen für Solarzellen seien praktisch überall vorhanden, auf Staatsgebäuden, Hausdächern und Lärmschutzwänden. Auch die Integration in normale Bauelemente müsste deutlich stärker gefördert und die Nutzung von größeren Gemeinschaftsanlagen rechtlich und administrativ vereinfacht werden. Selbst freistehende Anlagen seien denkbar, solange die Flächen für die entsprechende Nutzung ausgewiesen sind und nicht unter Naturschutz stehen oder für landwirtschaftliche Zwecke genutzt werden.

Mouvement Ecologique und „natur & ëmwelt“ drängen darauf, einen staatlichen Solarkataster aufzustellen, der eben diese Flächen genau spezifiziert, sowie eine staatliche Internetseite einzurichten, aus der jeder Bürger ersehen kann, ob sein Dach für eine Solaranlage geeignet ist oder nicht. Ein analoger Kataster wäre auch für die Windenergie, bei deren Nutzung besonders häufig unterschiedliche Interessen konkurrieren, dringend notwendig. Bisher wird eine Windkarte von der Société Electrique de l’Our angeboten, was aber die Erstellung eines staatlichen nicht überflüssig macht. Um gleichzeitig dem Naturschutz gerecht zu werden, müssten die besagte Wind-Karte und eine Karte zum Natur- und Landschaftsschutz übereinander gelegt werden, sodass die Gebiete, die sich für den Bau von Windanlagen eignen, erkennbar würden und hierauf aufbauend ein Windatlas entworfen werden könnte. Dies wäre bis Ende des Jahres zu schaffen ? vorausgesetzt, der politische Wille besteht. Doch der lässt eben zu wünschen übrig. Von dem ohnehin schon gering angesetzten Ziel von elf Prozent erneuerbarer Energien sollen, laut Ministerien, fünf Prozent über Agrofuels und Elektromobilität erreicht werden. Diese sogenannten „Biokraftstoffe“ können schon seit geraumer Zeit nicht mehr als „Bio“ durchgehen (woxx 1094), und für die Organisationen ist klar, dass die Schwerpunkte falsch gelagert sind, zumal schon heute besonders in Ländern des Südens eine Konkurrenzsituation zwischen dem Anbau von Lebensmitteln und der Energieproduktion mit Hilfe von Monokulturen besteht. Die Trendwende ist überfällig.


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