RUPERT WYATT: Mensch und Affe

„Rise of the Planet of the Apes“ von Regisseur Rupert Wyatt steht in der Tradition seiner Vorgänger: Ein gut gemachter, Action-Film, der jedoch keine tiefgreifenden neuen Erkenntnisse vermittelt.

Nicht nur die Intelligenz sondern auch die Gefühlsregungen dieses Affen sind vermenschlicht.

King Kong war 1933 eines der ersten Tiermonster, die für den Film erfunden wurden. Gerade Affen erfreuten sich in fiktionalen Tierfilmen großer Beliebtheit, denn als Tier und gleichzeitig Spiegelbild des Menschen, vor allem in der Gegenüberstellung von primitiv und zivilisiert, besitzt der Affe einen hohen Symbolwert. Dessen ist sich auch Regisseur Rupert Wyatt bewusst, der mit dem Science-Fiction Film „Rise of the Planet of the Apes: Prevolution“ mittlerweile die sechste Fortsetzung des Kultfilms der 1960er Jahre gedreht hat. Am Ursprung der Filmreihe steht der Roman „La planète des singes“ von 1968 des französischen Schriftstellers Pierre Boulle.

Auch in „Prevolution“ – so wie es der Titel andeutet wird hier die Vorgeschichte des Epos‘ erzählt – geht es letztlich weniger um das Tier an sich, als vielmehr um das Verhältnis des Menschen zum Tier. Die Überlegenheit, die der Mensch für sich in Anspruch nimmt wird in der Geschichte des Filmtiers deutlich. Die Affen werden sozusagen zum Spiegel der sie produzierenden Gesellschaften, Wissenschaften und Ideologien. Stand der Affenfilm der 1970er Jahre noch im Zeichen des Kalten Krieges, so steht bei Rupert Wyatt eine rationalisierende, auf individuelle Vorteile bedachte Gesellschaft im Vordergrund: Thematisiert wird die Verantwortung der Wissenschaft, der Stellenwert der Natur im Leben des Menschen und es geht um skrupellose Geschäftemacher.

So entwickelt der junge Wissenschaftler Will Rodman der Firma Gen-Sys ein Medikament Namens ALZ-112, das helfen soll, die Alzheimer-Krankheit zu heilen, indem es neue Hirnstrukturen aufbaut. Da sein Vater an Demenz leidet, steht der Genetiker unter Druck, einen Fortschritt zu erzielen. Die Versuchsprobanden sind Affen. Auf Grund eines Missverständnisses wird das Projekt jedoch eingestellt. Lediglich das Affenbaby „Ceasar“ überlebt durch Wills Hilfe die Auflösung des Projektes und lebt fortan in der Obhut des Forschers. Schnell wird klar, dass Ceasars Intelligenzquotient ungewöhnlich hoch für einen Affen ist – er stammt von einer im Forschungsprojekt verstorbenen Schimpansenmutter ab, an der das Anti-Alzheimer-Medikament getestet wurde. Seine Intelligenz hat zur Folge, dass sich Ceasar immer mehr seiner eigenen Situation sowie der seiner Artgenossen bewusst wird. Der Schimpanse ist frustriert über den ihm zugeschriebenen Status eines Haustieres. Eine Entwicklung, die schnell erhebliche Folgen für das Zusammenleben zwischen Tier und Mensch haben wird.

Das Wichtigste vorweg: Die Darstellung der Affen ist großartig. Sie kreischen und klettern durch eine actionreiche Story. Im Gegensatz zu den ersten Filmen der Affen-Filmreihe wurden die Primaten für diesen Film nicht von Schauspielern in Masken verkörpert, sondern in dem sogenannten Motion-Capture-Verfahren darstellt. Dabei wurde die Mimik der Schauspieler am realen Drehort aufgenommen und später am Computer auf die Affengestalt übertragen. Dennoch greift auch Rupert Wyatt gerne in die Mottenkiste der großen Gefühle. Kitschig wird es, wenn die Kamera die vermenschlichten Gefühlsregungen der Affen heran zoomt. Während diese manchmal etwas übertrieben sind, hätte man sich bei den humanen Charakteren etwas mehr Tiefe gewünscht. Insbesondere Hauptdarsteller James Franco gewinnt kaum an Kontur.

„Prevolution“ thematisiert zwar die Mobilisierung der unterdrückten Lebewesen bis hin zu einer grandios inszenierten Schlacht mit der Polizei auf der Golden Gate Bridge, dennoch hinterlässt der Film einen schalen Nachgeschmack: Denn auch bei Wyatt steht die Natur letztlich unter dem Menschen. Erst durch den Mensch, der dem Tier die notwendige Intelligenz vermittelt, gewinnen die Affen an Autonomie und haben die Kraft sich zu befreien. Somit behält der Mensch seine Stellung als Krone der Schöpfung. Jedoch scheint die Geschichte nicht vorbei. Am Ende des Films verbreitet sich das neue ALZ-113, das tödliche Nebenwirkungen auf Menschen hat, über die Welt. Wyatt scheint die Tür aufzustoßen für eine weitere Fortsetzung. Und man ahnt schon, dass dann die Natur wohl tatsächlich die Herrschaft über das Intelligenzwesen Mensch erlangen wird.

Trotz dieser B-Moll-Töne ist „Rise of the Planet of the Apes“ ein rasanter Action-Film. Die haarige Allegorie zählt – auch wenn die Story leicht vorhersehbar ist – zu den unterhaltsameren Blockbustern der Sommermonate.

Im Utopolis, Starlight, CinéBelval und Cinémaacher


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