NACHHALTIGE UNTERENTWICKLUNG: Mobility … weak!

Seit sieben Jahren beteiligt sich Luxemburg offiziell an der europäischen Mobilitätswoche … ohne sich wirklich zu engagieren. Jetzt wissen wir, warum: die Beteiligung ist nur symbolisch gemeint.

„Hauptsache, es wird viel darüber geredet …“ Nachhaltigkeitsminister Claude Wiseler hat klare Vorstellungen, wie man das Mobilitätsverhalten der Luxemburger verändern kann. Bei der Pressekonferenz zur Vorstellung der diesjährigen Mobilitätswoche vom 16. bis zum 22. September wiederholte er die Zielvorgabe seiner Politik: 25 Prozent der Transportleistung soll von öffentlichen Verkehrsmitteln erbracht werden… irgendwann… irgendwie.

Alljährlich findet zur Rentrée die „European Mobility Week“ statt, und alljährlich kann die woxx nicht anders, als sich über die luxemburgische Beteiligung zu mokieren. Der 2011er Jahrgang macht leider keine Ausnahme. Die Präsentation des Ministers am 7. September im Beisein von Emile Eicher, Vizepräsident des Syvicol, und Gilles Dostert, Generaldirektor des Verkehrsverbunds, war vor allem eine Ansammlung von Ankündigungen – darunter der von vier weiteren Pressekonferenzen.

Anders als in den Jahren zuvor scheint die Mobilitätswoche diesmal keine Last-Minute-Improvisation zu sein. Bei der Pressekonferenz berichtete Dostert von Koordinationssitzungen in Brüssel und Kontakten mit den Gemeinden, von denen immerhin 42 mitmachen. Wiseler lobte die zahlreichen geplanten Veranstaltungen, bei denen der öffentliche Verkehr ins Rampenlicht gestellt werden soll.

Es sei daran erinnert, dass die „European Mobility Week“ auf die französische Initiative „En ville sans ma voiture“ von 1998 zurückgeht, und dass die diesjährige zehnte Auflage unter dem Motto „Alternative mobility“ steht. In ein paar Luxemburger Gemeinden wird man tatsächlich den Einwohnern die Gelegenheit geben, alternative Verkehrsmittel auszuprobieren, indem man Straßen für den Autoverkehr sperrt. Allerdings werden das nicht irgendwelche urbanen Verkehrsachsen sein – und die Sperrung wird sich auf Sonntag den 18. beschränken …

Dazu befragt, betonte Wiseler, die alternative Mobilität müsse sich in den Alltag des Stadtverkehrs einfügen. Dazu reiche es nicht, einmal eine Straße zu sperren, sondern man müsse ein Qualitätsangebot auf die Beine stellen. „Die Aktionen der Mobilitätswoche sind vor allem symbolischer Art“, stellte der Minister klar.

Dass Wiseler den Schwerpunkt auf handfeste Ergebnisse statt auf Symbolik legen will, kann man ihm nicht zum Vorwurf machen, doch wird er sich 2014 an diesem Anspruch messen lassen müssen. Und wenn die Mobilitätswoche symbolisch ist, so stellt sich die Frage, was mit und in ihr symbolisiert wird.

Auffallend ist erst einmal die Unfähigkeit der zuständigen Verwaltungen, Informationen zu bündeln. Nirgendwo findet sich ein Gesamtprogramm der Mobilitätswoche, und bei den meisten Gemeindeseiten, zu denen www.mobilityweek.eu verlinkt, trifft man nur auf ein „Le programme détaillé va suivre“.

Desweitern beschränken sich auch in diesem Jahr die wenigen auffindbaren Aktionen auf Sensibilisierung und Freizeitmobilität. Pferdekutschen werden zwar nicht mehr offensiv als „alternative Mobilität“ angepriesen, dafür beglückt man die Kunden des öffentlichen Verkehrs am 22. September mit pinkfarbenen Rubbellosen. Die einzige gezielte Aktion im Sinne der alternativen Mobilität besteht in den geführten Besichtigungen per Zweirad des Radwegenetzes der Stadt Luxemburg am 17. September. Die Angaben dazu sind allerdings tief im Seiten-Dschungel von www.vdl.lu verborgen – wir schließen nicht aus, bei unserer Recherche noch besser versteckte Initiativen in der Hauptstadt oder anderswo übersehen zu haben.Auch das hat Symbolcharakter.

Sites, auf denen man mit Geschick und Geduld Teilinformationen finden kann:
www.mobilityweek.eu
www.mobiliteit.lu
www.developpement-durable-infrastructures.public.lu


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