Rauschmittel in der EU: Drogenmarkt im Wandel

von | 11.06.2026

Zuwachs synthetischer Opioide, aktive kriminelle Netzwerke und schnelle Verbreitung sind die aktuellen Herausforderungen der europäischen Drogenwelt, wie zwei neue Berichte zeigen.

Eine Person mit schwarzen Latex-Handschuhen kippt eine kleine Menge weiĂźes Pulver in ein weites Reagenzglas.

In der EU werden immer mehr synthetische Drogen hergestellt und verbreitet. (Foto: Fulvio Ciccolo/ Unsplash)

Die „European Union Drugs Agency“ (EUDA) veröffentlichte vergangenen Dienstag ihren diesjährigen EU-Drogenbericht, auf Grundlage von Daten aus 29 Ländern. Dieser zeigt unter anderem, dass hochwirksame synthetische Opiode, wie Fentanyl, Nitazene und Orphine, eine wachsende Bedrohung darstellen. „Was mich am meisten besorgt, ist, dass Europa möglicherweise nur noch wenig Zeit hat, um sich darauf vorzubereiten, dass sich diese Substanzen weiter etablieren“, sagte Lorraine Nolan, Direktorin der EUDA, während der Pressekonferenz zur Vorstellung des Berichts. „Wir haben andernorts auf der Welt gesehen, wie schnell synthetische Opioide Drogenmärkte transformieren und Überdosierungstode in die Höhe treiben“, sagte Nolan mit Blick auf die Fentanyl-Krise in den USA. Auch andere Substanzen, wie das in der Medizin unverzichtbare Betäubungsmittel Ketamin, bereiten der EUDA Sorgen, da sich die Substanz mittlerweile als Freizeitdroge etabliert habe, bei der das Risikobewusstsein unter Konsumierenden noch sehr niedrig sei.

Als drittes Problem thematisierte Nolan auf der Konferenz Kokain und Crack-Kokain. Schätzungsweise 2,5 Millionen junge Erwachsene hätten im vergangenen Jahr in Europa Kokain konsumiert. Die Verfügbarkeit bleibe hoch, die Schmuggelmethoden würden immer vielfältiger, und auch die Produktion innerhalb Europas nehme zu. Besonders besorgniserregend sei der Zusammenhang zwischen Crack-Kokain und vulnerablen Bevölkerungsgruppen: Die damit verbundenen Schäden konzentrierten sich auf Menschen in Obdachlosigkeit, mit psychischen Erkrankungen und in sozialer Marginalisierung. Kriminelle Netzwerke würden zudem besonders junge Menschen aus benachteiligten Verhältnissen für den Drogenhandel rekrutierten. „Das ist nicht nur ein Drogenproblem“, so Nolan. „Es ist ein gesellschaftliches Problem.“ Um die Herausforderungen des Kokainmarktes zu bewältigen, brauche es eine starke Kooperation zwischen der öffentlichen Gesundheit, Sicherheit und dem sozialen Sektor. „Der Markt wird dynamischer, Substanzen werden potenter, kriminelle Netzwerke aktiver, innovativer und gewalttätiger“, fasst Nolan den Bericht zusammen. „Gleichzeitig wandelt sich Europas Rolle im globalen Drogenmarkt: Europa ist inzwischen ein bedeutender Produzent synthetischer Drogen – sowohl für den Binnenmarkt als auch für den Export.“

Drogen in Luxemburg

Auch der luxemburgische Focal Point der EUDA (PFLAD) veröffentlichte vergangenen Dienstag seinen neuen Bericht zur Lage in Luxemburg. Den jüngsten Schätzungen zufolge wurden 2024 rund 2.684 Hochrisikokonsument*innen im Großherzogtum identifiziert, wobei die Zahl der Opioidkonsument*innen und die intravenöse Einnahme zurückgeht, während andere Konsumformen wie Inhalation und Kokainkonsum zunehmen.

In der gesamten Europäischen Union starben knapp 7.600 Menschen im Jahr 2024 an den direkten Folgen ihres Drogenkonsums, 12 davon in Luxemburg. „Die drogenbedingte Sterblichkeit verbessert sich nachhaltig“, schreibt die PFLAD in ihrer Pressemitteilung zum Bericht „Seit der Einführung von Drogenkonsumräumen ist die Zahl der tödlichen Überdosierungen von 26 Todesfällen im Jahr 2000 auf 12 im Jahr 2024 gesunken.“ Unerwähnt bleibt, dass diese Zahl die höchste seit 2015, mit ebenfalls 12 Todesfällen, ist.

Im Bereich der drogenbedingten Kriminalität zeigt der Luxemburger Bericht, dass in 2024, exakt so wie in 2023 insgesamt 1.911 mutmaßliche Vergehen aufgenommen wurden. Durch die Gesetzesänderung vom Juli 2023 können bestimmte Drogenverstöße jedoch per Bußgeld vor Ort geahndet werden, ohne ins Polizeiregister und dadurch in die Statistik aufgenommen zu werden. 361 solcher Fälle gab es im Jahr 2024. Cannabisbezogene Delikte gehen zurück, wobei dies ein Trend sei, „der eher auf die durch die Cannabisreform für nicht-medizinische Zwecke von 2023 eingeführten administrativen Änderungen zurückzuführen scheint als auf einen tatsächlichen Rückgang des Konsums.“ Bei Kokain stiegen 2024 laut PFLAD die Beschlagnahmungen, und die gemeldete durchschnittliche Reinheit erreicht einen Rekordwert. Die untersuchten Chargen waren jedoch nicht für den luxemburgischen Markt bestimmt. „Diese Entwicklungen werfen Fragen hinsichtlich der Rolle Luxemburgs in internationalen Drogenhandelsströmen auf, im Zusammenhang mit seiner strategischen geografischen Lage und seiner Logistikinfrastruktur“, so die Pressemitteilung.

 

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