LANDWIRTSCHAFT: Kooperation im Sinne der Nachhaltigkeit?

Um eine nachhaltige Umgestaltung der Landwirtschaft zu erreichen, muss die Kooperation zwischen Naturschutz, Agrarverwaltung und den Verbänden verbessert werden. Dazu gehören auch die Biobauern.

Die Luxemburger Jungbauern und Jungwinzer haben in den letzten Monaten zusammen mit dem OekoZenter Lëtzebuerg und dem Mouvement écologique ein Projekt ausgearbeitet, in dem neue Handlungsoptionen für eine nachhaltige Landwirtschaft aufgezeigt werden. Das Projekt wurde am letzten Wochenende von Andrea Fink-Kessler, Mitarbeiterin des deutschen Büros für Agrar- und Regionalentwicklung „Die Landforscher“, das mit der Auswertung betraut war, vorgestellt. „Die Meinungen waren nicht immer deckungsgleich, aber wir haben versucht, die Schnittstellen ausfindig zu machen“, so Fink-Kessler.

Der Druck auf die landwirtschaftlichen Betriebe nimmt ständig zu – infolge der stark schwankenden Erlöse, der hohen Pachtgebühren und Bodenpreise und der Abhängigkeit von Direktzahlungen, aber auch wegen der enormen Arbeitsbelastung und der Effekte eines Lohnniveaus, das es quasi unmöglich macht, außer-familiäre Arbeitskräfte zu engagieren. Zudem werden in der hiesigen Landwirtschaft vor allem zwei Produkte – Milch und Fleisch – produziert, dementsprechend sind 50 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche Grünland. Dieses Übergewicht ist nicht nur unter dem Gesichtspunkt der Nahrungsmittelversorgung problematisch, bedenklich ist auch die mit ihm gegebene Abhängigkeit vom Import von Futtermitteln und Mineralstickstoff.

Die erarbeiteten Handlungsvorschläge sollen Anregungen geben, wie Fruchtfolgen erweitert und wie die Stoffströme, vor allem beim Stickstoff, im Dienste der Ressourcenschonung reformiert werden können.

So soll neben den bestehenden Angeboten der Ackerbauschule und Convis ein neues Beratungsprojekt initiiert werden, das die Landwirte über Verbesserungen der Grünlandnutzung und des Futtermanagements informiert. Zweitens sind auch Vermarktungsinitiativen für das auf dem Grünland erzeugte Weidefleisch und die Weidemilch geplant, die zur Unterstützung der Grünlandprojekte beitragen sollen. Des weiteren sehen die Vorschläge eine nationale Eiweißstrategie vor, worunter eine Ausweitung des Leguminosenanbaus zu verstehen ist. Pflanzen wie Kleegras, die den Luftstickstoff binden und den Boden damit anreichern, sollen gefördert werden. Diese Maßnahmen werden helfen, die Abhängigkeit von importierten Mineralstickstoffdünger und Eiweißfuttermitteln wie Soja zu verringern. „Das wäre nicht nur klimafreundlicher, sondern auch im Sinne einer größeren Autonomie“, folgert Fink-Kessler. Es müssen finanzielle Anreize existieren, um die Humusbilanzen der Höfe zu verbessern: „Es bedarf einer Kohärenz zwischen dem Energie- Umwelt- und Landwirtschaftsministerium, um im Rahmen einer nationalen Biomassestrategie klare und verbindliche Strategien zu erstellen, um Fördermittel zu vergeben“, so die Expertin. Als ein Problem, das der Landwirtschaft besonders auf den Nägeln brennt, wurde von den Beteiligten die Flächenfrage bezeichnet: „Der Nachfragedruck nimmt zu: Siedlung, Verkehr und Gewerbe und ebenso Erholung, Naturschutz und die Erhaltung der Artenvielfalt verlangen immer neue Flächen. Und auch die Landwirtschaft tut es!“, so Fink-Kessler. Es sei daher nötig, Bewertungsmaßstäbe für Flächen zu entwickeln. Daneben müsse der Schutzstatus von landwirtschaftlichen Flächen erhöht und die Einhaltung von Ausgleichsmaßnahmen – Ersatz für ein beseitigtes Biotop durch ein gleichwertiges anderswo – kontrolliert werden. Hieran könnten die Landwirte selbst mitwirken und in Zusammenarbeit mit den Fachbehörden Biotope auf den eigenen Flächen vorschlagen, wofür sie dann eine finanzielle Entschädigung erhalten würden.

Wie weit die vorgeschlagenen Handlungspisten umgesetzt werden, hängt nicht nur von der Koorperation zwischen den betroffenen Ministerien ab. Ungeklärt ist auch, welche Rolle den Biobauern in diesem Konzept der nachhaltigen Landwirtschaft zukommt.


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