MÜHLE, SCHEUNENDACH, GÜLLEGRUBE: Löwenstrom!

Im Stich gelassen vom Wirtschaftsministerium fühlen sich die Produzenten von grünem Strom aus Wasserkraft, Sonne und Biogas.

„Klippklapp klippklapp geet eng Millen“, heißt es in einem Lied aus vergangener Zeit … Manche Mühlen hierzulande machen immer noch „klippklapp“ – als kleine Wasserkraftwerke erzeugen sie grünen Strom und werden dafür finanziell unterstützt. Sechs von ihnen werden allerdings demnächst stillstehen, weil ihre staatliche Förderung ausläuft: Bei den Preisen, die man auf dem freien Strommarkt erzielen kann, werden sie zum Verlustgeschäft. So lautete eine der Klagen, die die Vereinigung Eurosolar, gemeinsam mit den Vertretern von Biogas- und Wasserkraftanlagen, auf einer Pressekonferenz am vergangenen Dienstag vorbrachte. Man zweifle am Willen der
Regierung, die erneuerbaren Energien bis 2020 so auszubauen wie vorgesehen, war die Kernaussage der Beschwerden.

Im Bereich Biogas stagniert die Zahl der Anlagen, weil die Förderung nicht ausreicht. Aus dem Gas erzeugen diese Anlagen Wärme, die mehr oder weniger sinnvoll genutzt wird, und Strom, von dessen Verkauf ihre Wirtschaftlichkeit abhängt. Minister Jeannot Krecké habe vor zwei Jahren eine Aufwertung der Einspeisetarife versprochen. „Doch wir warten heute noch darauf“, kritisiert Severin Boonen von der Biogasvereinigung. Bei einer ausreichenden Einspeisevergütung könnte man auf Investitionshilfen völlig verzichten, was außerdem den Staatshaushalt entlasten würde. Und auch ein Güllebonus müsste unbedingt eingeführt werden, so Boonen. Zurzeit würden nur zehn Prozent der Gülle und des Mists vergärt. Würde jeder Tropfen Gülle vergärt, könnte man allein damit vier Fünftel des geplanten Ausbaus der Biogasproduktion erreichen.

Biogas lässt sich in seiner Qualität so verändern, dass man es ins Erdgasnetz einspeisen kann. Diese seit 2005 ins Auge gefasste Technik hatte Krecké besonders gefallen, weil das so gewonnene Gas als CO2-neutral gilt und sich damit positiv auf die Kyotobilanz auswirkt. Doch obwohl mittlerweile drei dieser aufwendigen Anlagen in Betrieb sind, gibt es null Förderung, weil die entsprechenden Regelungen immer noch ausstehen.

Die Solarbranche hat andere Sorgen: Weil die Preise für Photovoltaikmodule stark gefallen sind, ist die staatliche Förderung ziemlich üppig. So üppig, dass Paul Kauten von Eurosolar befürchtet, die Regierung werde sie ersatzlos streichen, wie sie es bereits 2004 tat. Eine Vollbremsung, die sich damals katastrophal auf den Wirtschaftszweig und auf das Image der Solarenergie auswirkte (woxx 781). Auch Kauten will die Investitionshilfen durch bessere Einspeisetarife ersetzen, um eine „korrekte“ Rendite von 4,2 Prozent über 15 Jahre zu erreichen. Ob diese Forderung so sinnvoll ist, sei dahingestellt, denn Investitionshilfen senken die Hemmschwelle, solche Anlagen zu errichten. Außerdem ist verständlich, dass der Staat keine hohen Tarife über einen so langen Zeitraum garantieren möchte.

Die Vereinigungen bemängeln, dass die Regierung und der Stromriese Enovos vor allem Großprojekte im Ausland fördern und sich nicht mit kleinen, dezentralen Anlagen vor Ort abgeben wollen. Dabei biete diese Form der lokalen Wertschöpfung den Vorteil, dass die Geldmittel im Lande bleiben und dort Arbeitsplätze schaffen. Insbesondere Eurosolar geht es nicht nur um die Interessenvertretung der grünen Stromproduzenten. Kauten wies auch darauf hin, dass Energiesparen eine der wichtigsten alternativen Energiequellen ist. Zum Beispiel sei im Strombereich das nationale 2020er Ziel von 11 Prozent Anteil der Erneuerbaren nur zu erreichen, wenn der Verbrauch stabilisiert werde, statt weiter anzusteigen. Etienne Schneider wird 2020 49 Jahre jung sein, und ist damit vielleicht empfänglicher für solche Argumente als sein Amtsvorgänger.


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