POP: Dury Junior kocht fröhliche Suppe

Baxter Dury, der Sohn des genialen Joy Division-Sängers Ian Dury, ist aus dem schweren Schatten der Vergangenheit herausgetreten und geht nun eigene, sehr interessante Wege.

Hat seinen Ödipus im Griff: Baxter Dury.

Wenn der Name Baxter Dury fällt, wird immer im gleichen Atemzug auch der seines berühmten Vaters, dem Rock’n’Roller Ian Dury. Ähnlich wie bei anderen Sprösslingen noch bekannterer Musiker, seien es die Lennons oder Marleys dieser Welt, erwartet man, dass sie sich musikalisch von ihrer Herkunft absetzen, aber gleichzeitig ähnliche Höhen erreichen wie ihre Eltern.?Das 2011 erschienene Album „Happy Soup“ zeigt, dass sich Baxter Dury mit seinem dritten Album endlich von diesem Bann gelöst hat. Es ist kein Meisterwerk, aber vielleicht klingen gerade deswegen die Songs ehrlich, einfach, ein bisschen faul, britisch, nach schroffem Humor – und teilweise auch nach New Wave.?Statt seine Herkunft zu verleugnen und komplett andere musikalische Genres zu versuchen, sein musikalisches Talent auf Teufel-komm-raus mit komplexen Arrangements zu beweisen und sich hinter dem Vater zu verstecken, indem er ein lobhudelndes Album für Ian Dury schreibt, hat Baxter ein Album geschaffen, das ganz einfach nach ihm selbst klingt.?“Seaside Psychedelic“ nennt er das selbst, andere meinen Blur Mitte der Neunziger darin wiederzufinden, wieder andere nennen es schlicht und einfach Indie. Tatsächlich kann man zahlreiche Elemente verschiedener Musikgenres von Chanson über Ska bis New Wave entdecken. Auffallend ist besonders der Sprechgesang, der einige der Songs auf „Happy Soup“ bestimmt, und mit dem er sich in die lange Tradition der Geschichtenerzähler im britischen Pop einreiht.

Das Gegenstück, der Hintergrundgesang von Madelaine Hart, der oftmals nur aus klangschönen Silben besteht, ergänzt und unterstützt die Lieder maßgebend, und das nicht nur in seiner Funktion als melodiöses Element, sondern gleichzeitig auch als ein überspitzter, selbstironischer Kommentar zum Sprechgesang Durys. Unterstrichen wird dieser außerdem durch zahlreiche andere musikalische Details, zum Beispiel durch kitschige Keyboard-Akkorde und Melodien, die so simpel klingen, dass sie aus einem Kinderlied stammen könnten.

Obwohl in Durys Suppenküche überwiegend fröhliche Suppe gekocht wird, hat das von Craig Silvey (Arcade Fire, Arctic Monkeys, the Horrors) produzierte Album auch dunklere Seiten. Zum Beispiel das düstere Bild, das „Picnic on the Edge“ von häuslicher Gewalt und einer Familientragödie zeichnet, oder das melancholische „Leak at the Disco“. Der Weg zu „Happy Soup“, das Baxter Dury mit stolzen 40 Jahren veröffentlichte, war eher ein Slalomlauf als ein 50-Meter-Sprint. Durch den Vater mit Musik und Rock’n’Roll-Lifestyle aufgewachsen, mit 14 von der Schule abgegangen und unter Obhut des sogenannten „Sulphate Strangler“ aufgewachsen, einem Ex-Led-Zeppelin-Roadie, der Jahre später an seiner Drogensucht sterben sollte, navigierte Baxter jahrzehntelang scheinbar ziellos durchs Leben.

Erst Mitte Zwanzig fing er an, selber Songs zu schreiben, und mit 30 veröffentlichte er sein Debütalbum, „Len Parrot’s Memorial Lift“, für das er Unterstützung von anderen etablierten Musikern bekam, unter anderem von Portisheads Geoff Barrow und Pulps Richard Hawley. 2005 erschien sein zweites Album, „Floor Show“, das dem Vorgänger recht ähnlich war – ein Mix aus schwermütigem, psychedelischem Folkrock – und das ebensowenig von der Selbstbewusstheit zeugte, die mit dem dritten Album jetzt endlich herausscheint und aus einem einfachen Album ein unauffälliges, aber überzeugendes Gesamtwerk macht.?

Am 21. Januar im Exit 07


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