BEATBOX: Dicke Beats, fetter Bass

„Bauchklang“ braucht keine Instrumente. Der Band genügt Stimme, Bauch und Zwerchfell. Die Klang-Virtuosen mit ihrem urbanen A-Capella Stil treten am Wochenende im Atelier auf.

Bringen die Körper zum Klingen: Bauchklang.

„Die Formel unseres Erfolges lautet: Zeit plus Freundschaft plus Energie plus Experimentierfreudigkeit“, heißt es in einem Interview von „Bauchklang“, die Ausgang der Woche das Atelier zum Grooven bringen werden. Und der Bandname beinhaltet denn auch gleich das Besondere an den Vokal-Künstlern aus Niederösterreich: Ob Hip-Hop, Reggae, Techno, Drum’n’Bass oder Ambient – sie erzeugen ihre Musik ganz ohne Instrumente.

Das 1996 gegründete Vocal-Groove-Project um den Frontmann und Leadsänger Andreas Fränzl, das nach einigen Umbesetzungen derzeit aus fünf Mitgliedern besteht, reiht sich somit in die Tradition der seit den 1980er Jahren aufkommenden Human Beatbox-Stiles ein. In Anlehnung an die damals populären Drumcomputer mit denen die instrumentale Untermalung vieler Hip-Hop-Stücke erstellt wurde, fingen Musiker an Beats und Klänge mit dem Mund zu erzeugen. Geräuschimitationen und Stimmeffekte waren jedoch auch schon davor populär – sei es bei bekannten Synchronsprechern, in der Unterhaltungsmusik oder dem Blues, wo perkussive Stimmeffekte oder rhythmische Atemgeräusche seit langem dazugehören. Daneben kommen geschulte Geräuschimitationen zuweilen in der Stand-Up-Comedy oder bei Spoken-Word-Performances wie der Slam Poetry zum Einsatz. Beatboxing als eigenständige Form wurde jedoch vor allem im Hip-Hop kultiviert.

Dabei entwickeln einzelne Beatboxer eine beachtliche Virtuosität: Durch Schnalzen, Pfeifen oder Summen, Schnarchen, Husten, Schlucken oder Lippenvibrationen und schließlich durch Kombination dieser Techniken, imitieren sie Elektro- oder Schlagzeug-Sounds, kombinieren schnelle Folgen von Klicklauten mit tiefen Bassklängen, eifern Scratches oder schrägen Synthesizer-Klängen nach. Auch der eigene Körper kommt zuweilen als Perkussionsinstrument zum Einsatz: So kann die Stimme durch Klopfen auf den Hals oder Brustkorb manipuliert werden.

„Bauchklang“ ist eine der wenigen aktuellen Bands, die sich ausschließlich dem Beatboxing verschrieben haben. Seit über 15 Jahren experimentieren die Musiker und haben dabei ihren eigenen Sound entwickelt. Unterschiedliche Stilelemente aus dem Bereich der elektronischen Musik verbinden die fünf Klang-Virtuosen zu facettenreichen und extrem groove-orientierten Klanggebilden. „Begonnen haben wir klassisch mit Covers aus dem Pop-, Soul- und Gospelbereich, die experimentelle Schiene war aber von Anfang an fixer Teil unserer Konzerte“, so Bauchklang. Dabei steuere jeder Einzelne eigene Tonebenen zu einem Stück bei, denn: „Jede Stimme ist anders und liefert andere Möglichkeiten, die zum Ausdruck gebraucht werden.“ Bauchklang stellt somit auch geringe Ansprüche an Organisatoren – wichtig sind einzig fünf Mikrofone, dementsprechend auch fünf Monitorboxen und eine gute Bühnenbeleuchtung.

Nach fünf Alben und Auftritten, die sie bis nach Kanada und Indien führten, ist Bauchklang mit ihrem urbanen A-Capella Stil, auf den sich ohne Probleme tanzen lässt, mittlerweile in den Clubs angekommen. Eine Band, die nicht nur gehört, sondern vor allem erlebt werden muss.

Im Atelier an diesem Samstag, dem 17. März.


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