INDIE-ROCK: Surfen im August

Das Exit07 kennt keinen Urlaub – was besonders Daheimgebliebene erfreuen dürfte. Am Samstag begrüßt der Hollericher Kulturraum die New Yorker Indieband Diiv und die Pariser Post-Surf-Rocker La Femme.

Inmitten der kulturellen Wüste, die der August üblicherweise darstellt, ist es wieder am CarréRotondes in dem verkorksten Sommermonat ein anregendes Programm zu bieten, das einen dafür belohnt nicht in den Urlaub gefahren zu sein. Wer sich also nicht den lauten Wirren der Großveranstaltungen auf dem Glacis hingeben möchte, kann an diesem Samstag zwei spannende Bands in Hollerich erleben.

Diiv, die Indie-Formation um Frontman Zachary Cole Smith, kommt mit eingängigen, gitarrenlastigen Songs daher, die einen in das New York der 1990er zurückversetzen. Was definitiv nichts Schlechtes ist, denn die Band präsentiert einen melodischen, gar hymnischen Sound, den ein Kritiker von Pitchfork zutreffend als „post-rock in miniature“ umfasst hat. Das Ganze ist auch durchaus mit Ohrwurm-Potenzial versehen dank hypnotisierender Gitarrenriffs, wenn auch ihre Benutzung von Hall zugegebenermaßen großzügig ist. Smith, zuvor Tourmitglied bei den Beach Fossils, gründete diese Band vor einem Jahr um endlich seine eigene musikalische Vorstellung realisieren zu können. Damals hieß sie jedoch noch Dive. Der Name sollte an den gleichnamigen Nirvana-Song erinnern, war aber leider schon von einer belgischen Industrial-Band belegt, so dass sie sich nunmehr Diiv nennen. Mittlerweile ist das New Yorker Quartett beim Label Captured Tracks unter Vertrag, vor zwei Monaten erschien ihr Debütalbum „Oshin“.

Weiter geht es dann mit La Femme, die entgegen der im Bandnamen suggerierten Verteilung aus einem gemischten Cast bestehen. Vorurteile oder zumindest vorgefertigte Meinungen über „French music“ sollte man definitiv beiseite lassen, denn das ist schon eine sehr eigene musikalische Linie mit der La Femme aufwarten. Die Beschreibung ihres Stils fordert die Kritikerphantasie, man liest lo-fi Surf-Rock, Post-Surf – die Postmoderne macht also auch hier keine Ausnahme – ein englischer Kollege versuchte es mit „Nuggets-style proto-punk meets early synth-pop“, ein weiterer sieht eine Mischung aus François Truffaut und Alphaville. Am besten lässt man die Lieder der Pariser Band für sich sprechen. Eine erste EP, mit dem programmatischen Namen „Le Podium#1“, erschien bereits 2010. Ein mehr als interessantes Bild ziert das Cover: zu sehen – oder eben nicht – ist Gustave Courbets „L’origine du monde“, versehen mit einem selbstzensierenden Hinweis. Ein Lied wie „Sur la planche“ zeigt tatsächlich die Verbundenheit zum Surf Rock, aber bei „Télégraphe“ oder „Françoise“ ist ein New Wave-Einschlag herauszuhören, der, wenn man noch mehr Namen in die Runde schmeißen möchte, an die ganz frühen Indochine erinnert. Eine gewisse Nähe zur Truffaut-Ästhetik ist der Band in der Tat nicht abzustreiten, aber visuelle Reize sind ja nun wirklich kein Kritikpunkt, im Gegenteil. Im letzten Jahr hat die junge Band eine ausgedehnte US-Tour absolviert und bringt somit ausreichend Bühnenerfahrung mit.

Abgerundet wird der Abend, der verspricht musikalisch recht abwechslungsreich zu werden, mit dem DJ-Set von „A boy named Seb“.

Congés annulés mit Diiv und La Femme am 25. August im Exit07 (CarréRotondes).


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