WERBEGRAFIK: Im Farbenrausch

Die Grafiken des Atelier Weyer sind wahre Eyecatcher und haben das visuelle Bewußtsein gleich mehrerer Generationen geprägt. Eine gute Auswahl aus dem Schaffen der Familie Weyer – rund 70 Plakate – ist zurzeit im Historischen Museum der Stadt Luxemburg zu sehen. Die ausgestellten Plakate sind Teil einer bedeutenden Schenkung der Familie an das Historische Museum aus dem Jahr 2011. Sie geben nicht nur einen guten Einblick in die Entwicklung der Kunst- und Werbegrafik in Luxemburg über einen Zeitraum von mehr als 50 Jahren, sondern auch über die Art wie sich verschiedenen Auftraggeber selbst definierten oder gesehen werden wollten, sie sind Spiegel einer gewissen Zeitepoche.

Angefangen hatte alles mit Lex Weyer Senior, der seinen Typografenjob in einer Druckerei um 1950 an den Nagel hing, um erste eigene Plakate für die Nationallotterie, die Foire Internationale und den Fremdenverkehrsverband zu entwerfen. 1965 gründete er zusammen mit seinem Sohn Pit das, auf die Schaffung von Siegeln, Faltblättern, Werbeplakaten und Anzeigen spezialisierte Grafikatelier „lex&pit weyer“. Pit Weyer, der in Aix-la-Chapelle und an der Folkwangschule für Gestaltung in Essen studiert hat, übernimmt den Betrieb in den 1960er Jahren und zeichnet seinerseits Plakate für die Landeslotterie, aber auch für die Bälle der Studentenvereinigung Assoss sowie verstärkt für das Theater. Anne Weyer-Wahnke, die ebenfalls in Essen studiert hat, entwirft darüber hinaus Bücherillustrationen und Theaterdekorationen. 2003 steigt Lex Junior in den Betrieb ein, der in Essen Design und Kommunikation studiert hat. Seine Kenntnisse im Bereich der Grafik bewirken neue Einflüsse.

Insgesamt zeichnet sich die bemerkenswerte Produktion des Familienbetriebes durch einen recht einheitlichen Charakter aus: Die Plakate haben Wiedererkennungswert, sei es durch ihre oft naive Darstellungsweise, ihre intensiven Farben oder ihre minimale Grafik. Und vor allem haben die Darstellungen oft einen eigenen Witz, ein Augenzwinkern.

Etwa die frisch-frivolen Plakate der Studentenorganisation Assoss, die für damalige Zeiten recht gewagt waren, auf denen ein Zebra im rosa Bikini zu sehen ist. Oder jene der Lotterie Nationale auf denen der glückliche Gewinner mit Geldsäcken im Bett liegt oder es gar einen Kranführer braucht um den 500.000 Franken dicken Geldbeutel zu heben.

Der einzige B-Moll der kleinen Ausstellung ist, dass der Besucher wenig über das Atelier an sich erfährt, über den alltäglichen Arbeitsprozess der Weyers, die sich verändernden Herstellungsverfahren von der Lithografie zum Lino- und Holzschnitt. Es hätte auch eine Gelegenheit sein können das Schaffen der Weyers stärker im nationalen Kontext der Druckgrafik zu beleuchten und vor allem zu untersuchen. Stattdessen erhält der Besucher nur kurze historische Abrisse zum Entstehen der Lotterie Nationale oder der Schueberfouer.

Es ist trotzdem eine interessante Ausstellung, die ein Stück grafischer Bildgeschichte zeigt. Des weiteren wird die Ausstellung von diversen Workshops begleitet.

Zu sehen im Historischen Museum der Stadt Luxemburg noch bis zum 31. Dezember.


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