JUGENDARBEITSLOSIGKEIT: Weg in die Prekarität

von | 17.01.2013

CSJ und JSL mahnen zu verstärkten Anstrengungen bei der Bekämpfung der steigenden Jugendarbeitslosigkeit.

Im September 2012 wurde eine Arbeitslosenrate von 18,6 Prozent bei den Jugendlichen errechnet. Im November zählte der Statec exakt 3.999 Personen unter 30 Jahren, die arbeitslos gemeldet waren. Das sind zwar Werte, die weit unter dem liegen, was etwa in Südeuropa gemessen wird, wo mittlerweile zwei von drei jugendlichen Jobsuchenden leer ausgehen. Doch auch die Situation in Luxemburg ist besorgniserregend, da sie eine stark steigende Tendenz aufweist. Am Ende des Vorkrisenjahres 2007 hatten die Statistiker noch rund 2.600 jugendliche Arbeitslose verbucht.

Ausgehend von dieser Bestandsaufnahme begrüßen die Jugendorganisationen der beiden Regierungsparteien „die Konsolidierung der Staatsfinanzen im Zeichen der Jugend“, verlangen aber eben auch, darüber den „Kampf gegen die Arbeits- und Perspektivlosigkeit“ derselben Jugend nicht zu vergessen.

Sie wollen erkannt haben, dass „die langfristige Absicherung unseres Sozialmodells, auf regelmäßige Beitragszahlungen in die Kranken- und Pensionskassen angewiesen“ ist. Voraussetzung dafür sei nach wie vor ein Festeinkommen das wiederum nur mit einer Festeinstellung gewährleistet sei. Es gelte demnach, insbesondere der Jugend unter die Arme zu greifen, „um einen Absturz in die Prekarität zu verhindern“, so der Juso-Chef Régis Moes.

Zusätzlich gilt auch noch das Luxemburger Paradox, dass die Arbeitslosigkeit zunimmt, obwohl die Gesamtzahl der Arbeitsplätze steigt und die offenen Stellen nicht unbedingt weniger werden. Fast 2.500 bei der Adem gemeldete Stellen blieben Ende 2012 unbesetzt. Dass sie nicht von Luxemburger Arbeitslosen – und besonders von Luxemburger Jugendlichen – besetzt werden konnten, führt CSJ-Nationalpräsident Serge Wilmes auf die falsche und ungenügende Qualifikation und auf mangelnde Berufserfahrung zurück.

Um diesem Phänomen zumindest partiell entgegenzuwirken, hatte der damalige Arbeitsminister François Biltgen (CSV) im Jahre 2006 die Contrats d’appui bzw. d’initiation à l’emploi eingeführt. Sie wurden seinerzeit heftig angegriffen – auch von der sozialistischen Parteijugend -, weil sie die jugendlichen Arbeitslosen zwangen, für einen geringen Lohn, befristete Verträge anzunehmen, um so in die Arbeitswelt hineinschnuppern zu können.

Nicht unter dem Mindestlohn

Jetzt plädieren CSJ und JSL für eine Verlängerung der Maßnahmen, allerdings nicht ohne gewichtige Anpassungen, die den KritikerInnen von damals weitgehend Recht geben. So verlangen sie, dass „die finanziellen Beihilfen stärker als bisher an die Aussicht auf eine feste Einstellung des Jugendlichen gebunden werden“. Und es soll der volle Mindestlohn gezahlt werden. Ein weiteres Manko der „alten“ Maßnahmen: Die fehlende Zertifizierung der einzelnen TeilnehmerInnen ließ zu wünschen übrig. Wurden sie in einem Betrieb nicht übernommen, konnten sie nicht einmal einen eventuellen Erwerb von Qualifikationen belegen, um vielleicht anderswo unterzukommen.

CSJ und Jusos bestätigen auch, dass sich die Tendenz, jungen Leuten nur befristete Arbeitsverträge anzubieten, fortwährend verstärkt hat. Besonders die Interimsfirmen seien auf sie aufmerksam geworden. Serge Willmes verlangt nach einer anders ausgerichteten Lösung, die mit den hohen Lebenshaltungskosten in Luxemburg vereinbar sein muss.

Durch die Einführung eines obligatorischen Betriebs-Praktikums soll der „berufliche Horizont“ der SchülerInnen des technischen und des klassischen Unterrichts vergrößert werden. Die Regierung soll aber auch die „garantie jeunes“ endlich umsetzen. Auf Luxemburger Anregung wollen sich die EU-Länder verpflichten, jungen Leuten innerhalb von vier Monaten eine Arbeitsstelle, eine zusätzliche Ausbildung oder eine sonstige Maßnahme anzubieten. Die Umsetzung in Luxemburg lässt aber immer noch auf sich warten.

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