ZACK SNYDER: Der steinerne Stahlmann

Der älteste und bekannteste aller Superhelden hat es wieder auf die Leinwand geschafft. Und wenn die Welt geglaubt hat, das Leben des Kryptonier sei bereits erschöpfend abgehandelt worden, so sieht sie sich nun eines Besseren belehrt: Regisseur Zack Snyder hat der Figur einen Imagewechsel verpasst – „Man of Steel“ ist eine sehr ernste Angelegenheit.

So schnell ist der Mann…

Wer Snyder’s frühere Comic-Adaptationen kennt (Watchmen, 300), den überrascht nicht, dass der fliegende Muskelprotz nun etwas düsterer wirkt. Christopher Nolan und David S. Goyer, Regisseur und Drehbuchautor der Batman-Trilogie, führen den Übermenschen im Umhang als eine introvertierte, ja sogar zerrissene Persönlichkeit vor. Im Film wird diese Seite Supermans durch seine Kindheit als adoptierter Alienjunge illustriert, der, anders als in vorigen Adaptationen, durch seine überirdischen Kräfte überfordert ist. Es zeigt sich, dass Röntgenblick und überempfindliche Sinneswahrnehmung in der Grundschule nicht unbedingt von Vorteil sind, und tyrannische Mitschüler sorgen dafür, dass Superman bereits im zarten Alter Traumata anhäuft. Von seiner außerirdischen Herkunft weiß der im ländlichen Kansas lebende Junge nichts, der Kinogänger dagegen wird gleich zu Beginn des Films ins Bild gesetzt: Superman wird als Kal-El auf dem Planeten Krypton geboren. Seine Eltern Lara (Ayelet Zurer) und Jor-El (Russel Crowe) wissen jedoch, dass es für den Sprössling keine Zukunft auf dem Planeten gibt, denn erschöpfte Rohstoffquellen haben Kryptons Kern unbeständig gemacht.

Außerdem ist da noch General Zod (verlässlich verbissen gespielt von Michael Shannon), der wegen eines Putschversuchs mitsamt seinem Gefolge in ein Straflager verbannt worden war, das sich in einem schwarzen Loch namens Phantom Zone befindet. Das Schicksal der Fieslinge hat sich aber gewendet, als Krypton endlich explodiert ist und die Gefangenen aus dem schwarzen Loch freigesetzt hat. Sie sind nun die einzigen überlebenden Kryptonier – bis auf Kal-El, der gerade auf der Erde versucht, nicht zu sehr aufzufallen. Um ihre Rasse vor dem Aussterben zu retten, sind Zod und sein Gefolge auf Superman angewiesen. Praktisch, dass er auf einem Planeten lebt, der sich sehr gut zum Neuanfang der Kryptonier eignet …

Ungefähr zwei Stunden und 30 Minuten dauert die Schilderung dieser Lebensgeschichte, die nicht weniger als die außerirdische Herkunft des Stahlmanns, sein Verhältnis zu seiner Adoptivfamilie, die schwierige Jugend, existentielle Fragen und die keimende Zuneigung zwischen ihm und einer Irdischen namens Lois Lane behandelt. Ach ja, nebenbei rettet er auch die Erde vor den kryptonischen Kolonialherren. Die Anfänge der Geschichte sind visuell nicht nur für Superhelden-Filme eher außergewöhnlich: Die gedämpften Farben und Landschaftsaufnahmen in Kansas könnten aus einem Indie-Film stammen und kontrastieren stark mit den Szenen auf Krypton, in denen einige atemberaubende Animationen vorkommen. Superman sieht stärker aus als je zu vor, und statt in die etwas ulkige Uniform aus vorigen Filmen hat Henry Cavill seinen Bodybuilder-Körper in einen dunkleren, eng ansitzenden Kampfanzug gezwängt.

Im Inneren von Clark Kent brodelt jedoch eine schwere Identitätskrise, die für den Zuschauer aber öfter nervig wird, und zwar besonders dann, wenn Superman als von der Menschheit nicht verstandener und deswegen ausgestoßener Messias dargestellt wird. Dieses quasi-religiöse Getue nimmt dem Film jeglichen Raum für Humor. Lois Lane (Amy Adams), vom Drehbuch wohl als kesser und lockerer Gegenpol zum Superhelden entworfen, kann diesen Mangel an Lachpotential leider nicht beheben. Supermans ständige Sorgenfalte unter der perfekten Gel-Frisur wirkt bald wie das Stimmungsbarometer des Films.

Auf der Leinwand bleibt Marvel die lustigere Heldenfamilie, doch auch die Kollegen aus den eigenen Reihen von DC Comics sind neben dem seriösen und humorlosen Stahlmann und seinen ernsten Feinden interessanter (Batman ist mysteriöser, der Joker und Bane sind lustiger und furchterregender als Zod). Die Hauptfiguren fallen also ziemlich banal aus. Zum Ausgleich haut Man of Steel bei den Actionszenen mächtig auf den Putz. Aber es ist zu viel des Guten; was anfangs mitreißt und überwältigt, wird bald monoton und ermüdend. Gab es bei Superhelden-Filmen wie The Avengers ein klar definiertes Actionfinale, so ballert und kracht es hier fast ununterbrochen, in einem Rhythmus, dass einem das Popcorn im Halse stecken bleibt. Weniger ist – auch bei technisch perfekten und nervenzerreißenden Actionszenen – mehr. Die Kombination von permanenter Sinnesreiz-Überflutung und Fadheit der Hauptfiguren sorgt dafür, dass manche Zuschauer den Saal mit Ohrensausen und einem Gefühl von Leere verlassen werden. Wer jedoch bombastische Produktionen und verblüffende Actionszenen allem anderen vorzieht, ist mit Man of Steel gut bedient.


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