GRUNGE: Das rosa Reh

Bush, die britische Rockband, die im Windschatten des Post-Nirvana-Hypes Mitte der 1990er kommerziell recht erfolgreich war, kommt auf ihrer Tour nach Luxemburg.

Wie der gleichnamige amerikanische Präsident bevorzugen Bush eher die Realitätsferne.

Bush, das ist die Band mit Singles wie „Glycerine“, „Swallowed“ und „The Chemicals Between Us“. Es ist die Band, deren Debütalbum in den USA über 6 Millionen mal verkauft wurde und die nach achtjähriger Pause 2011 mit dem Album „The Sea of Memories“ zurück ins Rampenlicht trat.

Bush, das ist aber auch die Band, die schon in ihrer Blütezeit im Kreuzfeuer der Medien stand und die es nie geschafft hat, alle Kritiker zu überzeugen – bis heute nicht. Fast wirkt sie wie ein angeschossenes Reh, das blind vor Angst im Zickzack läuft und doch immer wieder getroffen wird. Es gibt verschiedene Gründe dafür, dass Bush so negative Emotionen bei Journalisten hervorrufen, aber auch dafür, dass sie trotz dieses Kugelhagels der Kritik bis heute überlebt und ein passables Comeback zustande gebracht haben.

Einer der Kritikpunkte ist ihre Musik. Obwohl die ersten zwei Alben 1994 und 1996 in den Charts eine sehr gute Figur machten, wurden sie besonders von britischen Medien gerne als Nirvana- oder Pearl-Jam-Verschnitt abgetan. Die Punk-Rock-Gitarren, die Mischungen aus Stöhnen, Raunen und Schrei-Gesang klangen, zusammen mit den fragmentarischen Songtexten, für manche zu sehr nach den berühmten Bands aus Seattle.

Das dritte Album, „The Science of Things“, zeigte vielleicht auch deshalb eine Abkehr vom bisherigen, vom Grunge beeinflussten Musikstil und eine Hinwendung zu mehr zeitgenössischem, mit elektronischen Elementen versetztem, Rock. Nachdem das Album nicht den gewünschten Erfolg hatte, wurde 2001 ein weiteres im Bush-typischen „Grunge-Stil“ veröffentlicht, bevor die Band sich im Jahr darauf auflöste.

Ein anderer Grund, warum Bush vor Journalisten nie sicher sein werden, und zugleich die Erklärung dafür, dass die Band trotz dieser Schwäche wiederbelebt wurde, ist der besondere Charakter ihres Frontmanns. Denn Gavin Rossdale scheint mit einer rosaroten Brille auf die Welt gekommen zu sein. In einem Interview sagte er: „Ich sehe immer das Beste in allem. Unser Gitarrist Chris meint, das sei zugleich meine beste und schlechteste Eigenschaft“.

Oft wird Rossdale von Journalisten als netter, harmloser Interviewpartner dargestellt. Das und seine soziale Stellung als Arztsohn, der am renommierten Westminster College studiert hat und Wert auf ein gepflegtes Äußeres legt, kratzen an seinem Künstler-Image als Rocker. Hinzu kommt, dass das rosarot gefärbte Selbstbild Rossdales Fähigkeit zur Reflektion ein wenig beeinträchtigt. In einem Gespräch in der amerikanischen Talkshow „The View“ sagte er zum Beispiel, der Bandname Bush sei gewählt worden, weil es so ein inspirierendes Wort sei. Bei konservativen Zuschauern mag ihm das allerdings durchaus Punkte eingebracht haben.

Auf der anderen Seite schützt Rossdales rosarote Brille ihn und seine Band vor negativer Kritik. Außerdem führt seine Einstellung dazu, dass er alles, was er sich musikalisch vornimmt, auch durchzieht. Schließlich ist das ja toll – was spricht also dagegen, die Band mit nur zwei Mitgliedern aus der Originalbesetzung wiederzubeleben, ausschließlich Rossdales Songs ins neue Album aufzunehmen und es, trotz Ablehnung durch das Stamm-Label, auch zu veröffentlichen? Und wieso sollte man nicht mit einem bereits zwei Jahre alten Album, das nur mäßigen Erfolg hatte, wieder auf Tour gehen? Das Reh mit der rosaroten Brille rockt am kommenden Sonntag im Atelier in Luxemburg.

Am 21. Juli, im Atelier.


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