David Fincher: Panic Room

Hinter den stählernen Türen des „Panic Room“ lauert David Fincher mit düsterer Spannung auf seine Fans.

Zimmer ohne Aussicht

Haben Sie zu Hause einen „Panic Room“? Extrem gesicherte Schutzräume sind in den USA schon längst keine Kuriosität mehr, sondern eine gern gesehene Ausstattung in Eigenheimen gehobener Klasse. Sie halten für Notfälle eine unabhängige Strom- und Wasserversorgung bereit sowie Vorräte für einen längeren Zeitraum.

Überleben um jeden Preis, egal was „am Tag danach“ wohl sein mag – Sicherheit und Rückzug in die eigenen vier Wände sind wieder in. Fincher präsentiert uns ein Cocooning der besonderen Art und hat dafür Jodie Foster nach zweijähriger Abwesenheit wieder auf die Leinwand geholt.

Im Film spielt sie Meg Altman, die – frisch geschieden – mit ihrer jugendlichen Tochter einen neue Bleibe sucht. Geld spielt dabei keine Rolle, denn der Ex-Mann ist wohlsituiert. Den absolut sicheren Schutzraum im neuen Haus, ausgestattet mit einer Überwachungszentrale, betrachtet sie eher als nebensächliche, unwichtige Beigabe. Zur Zeit hat sie andere Sorgen als mögliche atomare Unfälle oder Terrorangriffe, und geschlossene Räume versetzen sie eh in Panik.

Doch schon in der ersten Nacht im neuen Heim lernt sie den sicheren Ort zu schätzen: Drei Einbrecher dringen in das Haus ein, da sie es irrtümlich für unbewohnt halten. Das Trio weiß, dass der vorherige Besitzer hier eine hohe Summe versteckt hat. Und wo wäre sie besser aufgehoben als im einbruchsicheren Panic Room? Aber genau hinter dessen Stahltüren verschanzen sich Meg und Tochter. Nun ist das Setting klar, das Spiel kann beginnen.

Angstvolles Taktieren

Es scheint so, als ob Fincher seine Protagonisten wie Figuren in einem Strategiespiel agieren lässt: Zwei sitzen drinnen, drei wüten draußen und wollen mit allen Mitteln hinein, die anderen lassen niemanden rein und wären am liebsten überhaupt nicht drin … eine perfide Ausgangssituation, die strategisches Vorgehen erfordert. Während die ZuschauerInnen angespannt die Taktiken aller „Versuchspersonen“ wie bei „Big Brother“ verfolgen, können Meg und ihre Tochter per Bildschirm die Aktionen der Einbrecher im Haus beobachten. Das Drehbuch will, dass keiner der drei so schlau ist und die Überwachungskameras zertrümmert. Die Charaktere der Einbrecher sind sehr unterschiedlich, was zur Dynamik des Films beiträgt: der mysteriöse, schweigsame aber brutale Raoul wird hervorragend interpretiert von Dwight Yoakam, Junior (Jared Leto) nervt die Kollegen mit seinem Großmaul, während Burnham (Forest Whitaker) der einzige ist, der Verstand besitzt und dazu noch Herz hat. Als Spezialist im Entwickeln von Schutzräumen kennt er sich gut mit „Panic Rooms“ aus. „Drinnen“ kämpft Meg mit allen Mitteln um ihr Leben und das der zuckerkranken Tochter.

An manchen Stellen übertreibt der Drehbuchautor David Koepp, das gilt besonders für die Gewaltszenen im letzten Teil: viel rotes Blut im Kontrast zu dem kalten Blaugrün des Hauses. Szenen, die nicht unbedingt zur Spannung beitragen. Diese liegt vielmehr im ständigen Katz-und Mausspiel zwischen HausbesitzerInnen und Einbrechern, das die Kameraführung perfekt verstärkt. Finchers neuer Film wirkt weniger spektakulär und durchdacht als „Seven“, „Fight Club“ oder „Alien 3“, ist aber technisch sehr ausgefeilt: Blitzschnell wie ein Raubvogel taucht die Kamera ab in die entlegensten Winkel des Hauses, selbst bis ins Schlüsselloch hinein; anderswo steigert der Zeitlupeneffekt die Spannung bis zur Schmerzgrenze. Der Meister der Spannung zeigt einmal mehr, wie virtuos er mit Bildeffekten und musikalischen Einlagen umgehen kann, um die ZuschauerInnen das Fürchten zu lehren.

Sylvie Bonne


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