Westpapua â eine musikalische Anklage
1998 verĂŒbten indonesische Einheiten auf der Insel Byak (Biak) im besetzten Westpapua ein Massaker an unbewaffneten Demonstrant*innen, die fĂŒr die UnabhĂ€ngigkeit eintraten. Das Land war in den Jahrhunderten zuvor unter Kontrolle von niederlĂ€ndischen, britischen und deutschen Kolonialtruppen gewesen und wurde 1963 auf Druck der USA von der UNO Indonesien zugesprochen. Die Greueltaten wĂ€hrend des sogenannten Byak-Massakers wurden 2013 im Rahmen eines unabhĂ€ngigen Tribunals aufgearbeitet. Das australische Wantok Label hat die wichtigsten Ergebnisse dieser Untersuchung jetzt in musikalischer Form als CD mit einem groĂformatigen Booklet aufbereitet. Zahlreiche Musiker*innen aus Westpapua und benachbarten LĂ€ndern haben das Werk eingespielt. Die Platte ist ein erschĂŒtterndes Dokument eines weltweit unbeachtet gebliebenen Verbrechens und darĂŒber hinaus ein Appell an die Weltöffentlichkeit, die andauernde UnterdrĂŒckung zu beenden. Das Album verbindet Augenzeugenberichte mit engagierten Liedern. Der Kauf der thematisch wie musikalisch wertvollen Platte We Have Come to Testify hilft zudem, den Kampf fĂŒr die UnabhĂ€ngigkeit Westpapuas fortzusetzen.
â©V.A. – We Have Come to Testify (Wantok Musik)
â©Starke Frau aus Somaliland
WĂ€hrend des BĂŒrgerkrieges in Somalia erklĂ€rte sich 1991 der nördlichste Teil â das ehemalige Britisch-Somalia â unter dem Namen Somaliland zum unabhĂ€ngigen Staat, der jedoch bisher international nicht anerkannt wurde. Der Krieg fĂŒhrte dazu, dass Sahra Halgan nach Frankreich emigrierte. Ihr erstes Album von 2016 fand groĂe internationale Anerkennung und das nun erschienene zweite, Waa Dardaaran, steht dem ersten in nichts nach. Melodisch und rhythmisch gibt es Ăhnlichkeiten mit den KlĂ€ngen des nahen Ăthiopiens, allerdings mit ganz eigenem Charme. Die Stimme Sahra Halgans ist markant und die Begleitung von E-Gitarre, Schlagzeug und Keyboard minimalistisch-rockig. Die Produktion wirkt unmittelbar, direkt und verzichtet auf Effekthascherei. Herausgekommen ist dabei eine sehr schöne Scheibe einer exquisiten SĂ€ngerin mit bemerkenswerter Stimme, die ordentlich in die Beine geht.
Sahra Halgan – Waa Dardaaran (Buda Records)
â©Klassisch! Peruanischer Cumbia
Der Cumbia mit seinem ausgeprĂ€gten Rhythmus ist weltweit in allen möglichen Formen ein Garant fĂŒr proppenvolle TanzflĂ€chen. Eigentlich stammt er aus Kolumbien, verbreitete sich aber zĂŒgig ĂŒber die ganze Region. In Iquitos im amazonischen Teil Perus grĂŒndeten fĂŒnf BrĂŒder bereits 1968 eine elektrisch verstĂ€rkte Band unter dem Namen Los Wemblerâs de Iquitos, die schon bald eine Reihe von nationalen Hits landen konnte. Nach einer Pause von 20 Jahren erschien 2017 eine EP und hier ist jetzt ein ganzes, neues Album mit dem Titel VisiĂłn del Ayahuasca. Das Schrapinstrument Guiro sorgt fĂŒr eine konstante rhythmische Orientierung und die E-Gitarre produziert nonstop knackige, melodische LĂ€ufe. Hier hat man also den originalen Sound einer Gruppe, die schon vor ĂŒber 50 Jahren Peru elektrisierte und bis heute nichts von ihrer Faszination verloren hat. Cumbia amazĂłnica von frĂŒher fĂŒr heute!
Los Wemblerâs de Iquitos – VisiĂłn del Ayahuasca (BarbĂšs Records)â©
Dezember – Top 20
1. Aziza Brahim – Sahari (Glitterbeat) – Westsahara
2. Lakou Mizik – HaitiaNola (Cumbancha) Haiti
3. AsmaÌa Hamzaoui & Bnat Timbouktou – Oulad Lghaba (Ajabu!) Marokko
4. Tinariwen · Amadjar – (Wedge/PIAS) Mali
5. The Garifuna Collective – Aban (Stonetree) Belize
6. BallakĂ© Sissoko & Baba Sissoko – Sissoko & Sissoko (Homerecords.be) Mali
7. Laurie Anderson, Tenzin Choegyal, Jesse Paris Smith – Songs from the Bardo (Smithsonian Folkways) USA/Tibet
8. Petroloukas Halkias & Vasilis Kostas – The Soul of Epirus (Artway-Technotropon) Griechenland
9. Habib KoitĂ© – Kharifa (Contre-Jour) Mali
10. Kayhan Kalhor, Rembrandt Frerichs, Tony Overwater, Vinsent Planjer – Itâs Still Autumn (Kepera) Iran/NL
11. Otava Yo – Do You Love (ARC Music) Russland
12. Mah Damba – Hakili KeÌleÌ (Buda Musique) Mali
13. Rachid Taha – Je Suis Africain (NaĂŻve) Algerien/F
14. The Yandong Grand Singers – Everyone Listen Close / Wanp·Wanp Jangl Kap (Pan) VR China
15. Acid Arab – Jdid (Crammed Discs) Frankreich/Nordafrika
16. Lamia BĂšdioui & Solis Barki – FinâAmor (LBedioui Music Production) Tunesien/Griechenland
17. Nusrat Fateh Ali Khan and Party – Live at WOMAD 1985 (Real World) Pakistan
18. The Good Ones – Rwanda, You Should Be Loved (Anti-) Ruanda
19. LajkĂł FĂ©lix & VoĆosi – LajkĂł FĂ©lix & VoĆosi (FonĂł) Serbien/Ungarn
20. Blato Zlato – In the Wake (Blato Zlato) USA
Die TWMC TOP 20/40 bei: http://www.transglobalwmc.com/ und bei Facebook âMondophon auf Radio ARAâ und www.woxx.lu/author/Klopottek.


