Hip Hop: Hurra, die Kannibalen sind da!


von | 24.03.2016

Mit dem aktuellen Album „Hurra die Welt geht unter!“ und der gewohnten Dosis verbaler Schlagkraft wird das Berliner Hip Hop-Kollektiv K.I.Z am heutigen Freitag im Atelier zeigen, wieso die Apokalypse was Schönes sein kann.

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Militante Provokateure: K.I.Z.

Ob sie als „Kannibalen in Zivil“, „Künstler im Zuchthaus“ oder, etwas seltener, als „Klosterschüler im Zölibat“ Eindruck machen – an den drei Rappern Tarek, Maxim, Nico und ihrem DJ Craft (bürgerlich: Sil-Yan) scheiden sich seit nunmehr über zehn Jahren die Geister. Für manche sind sie gefährliche Provokateure mit zweifelhaftem Humor, für andere brillante Gesellschaftskritiker, die sich mit den Waffen von Satire und Ironie über alles und jedes lustig machen.

2005 erscheint bei Marcus Staigers damaligem Independent-Label Royal Bunker ihr erstes Album „RapDeutschlandKettensägenMassaker“. Der K.I.Z.-typische Stil, geprägt von Überzeichnungen und Übertreibungen, ist hier schon deutlich herauszuhören. Einprägsame Hits wie „Hurensohn“ bringen sie in alle Ohren, so dass das zwei Jahre später erscheinende zweite Album „Hahnenkampf“ die ersten bedeutenden Chartsplatzierungen erreicht. Es folgen „Sexismus gegen Rechts“ (2009) und „Urlaub fürs Gehirn“ (2011), und spätestens nach diesen Alben ist klar, dass diese verschrobenen Berliner nicht mehr von der Musikszene wegzudenken sind. Provokation gehört zu ihrem modus operandi, und beim Provozieren schlagen sie durchaus gewollt über die Stränge – zum Beispiel, wenn sie die Hitler-Obsession der Medien in „Ich bin Adolf Hitler“ anprangern oder in „Hahnenkampf“, ihre Rap-Kollegen persiflierend, Genre-Motive durch den Kakao ziehen.

Mit dem fünften Album „Hurra die Welt geht unter“, das bereits im Juli 2015 erschien, tritt nun eine ungewohnte Ernsthaftigkeit in den Texten zutage. Wo früher sozusagen aus Prinzip über alles gelacht wurde, schwingt jetzt ein anderer Ton mit. Der Titeltrack etwa, der zusammen mit Henning May von AnnenMayKanterei aufgenommen wurde, besingt eine schöne neue, postapokalyptische Welt, in der Banken und Weltkonzerne in Ruinen liegen, dafür aber Obst und Gemüse wieder nach etwas schmecken: „Seit wir Nestlé von den Feldern jagten, schmecken Äpfel so wie Äpfel und Tomaten nach Tomaten.“ Den prognostizierten Weltuntergang sehen sie als Grund zur Freude, als einen Neuanfang, nach dem es nur besser werden kann. Die aktuelle Lage ist für sie definitiv kein erstrebenswerter Dauerzustand. Wenn in Deutschland wieder Flüchtlingsheime brennen und täglich vor den Ufern Europas Menschen ertrinken, ist es wohl Zeit für deutliche Worte. Wie etwa in der explosiven ersten Single „Boom Boom Boom“: „Ihr Party-Patrioten seid nur weniger konsequent als diese Hakenkreuz-Idioten, die gehen halt noch selber ein paar Ausländer töten, anstatt jemand zu bezahlen, um sie vom Schlauchboot zu treten.“

Doch Achtung, wo K.I.Z. draufsteht, ist immer auch noch eine geballte Ladung Ironie drin, und so sollten ihre Texte, wie auch ihre Auftritte, mit einer gesunden Prise rhetorischer Distanz genossen werden. Das aktuelle Album und die dazugehörige Tour werden mit einer Art Revolutions-Chic beworben: mit ihrem „Kannibalenlied“, einer neuen Kampfhymne, inszenieren sich die Rapper als anti-kapitalistische Befreier. Wer noch nach der richtigen Einstimmung für das Konzert sucht, kann sich die unterhaltsamen Propaganda-Videos der Crew anschauen, und in ihrem Revolutionssender „Taka Tuka TV“ finden sich kämpferische Botschaften für die Fans, die Menschheit und auch die Kritiker. In diesem Sinne: „Hater, da habt ihr den Salat!“.

Am 25. März im Atelier. 
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