Erneuerbare Energien: Weiter Windkraft aus Wintger

von | 06.03.2020

In der Öslinger Gemeinde Wintger wurde diese Woche zum zweiten Mal der größte Windpark des Landes eröffnet. Über den schwierigen Spagat zwischen Natur- und Klimaschutz.

Claude Boever, Direktor der Betreiberfirma PW34, Energieminister Claude Turmes (Déi Gréng) und Bürgermeister Marcel Thommes (CSV) vor den neuen Windkraftanlagen in Wintger.(Foto: MEA)

Im Mai 2019 sorgte der leistungsstärkste Windpark Luxemburgs für Aufsehen: In der Gemeinde Wintger, genauer beim Windpark Weiler, wurde ein Rotmilan am Fuß einer Windkraftanlage tot aufgefunden. Die Art der Verletzungen war recht eindeutig. Das Umweltministerium ließ den Betrieb der Anlage stoppen, bis ein detaillierter Bericht vorlag. Darin forderte die Umweltschutz-NGO natur&ëmwelt, dass keine weiteren Windkraftanlagen in der betroffenen Gemeinde mehr genehmigt werden sollten. Die Zahl der Rotmilane sei dort zu hoch und die Maßnahmen, die ergriffen worden seien, um die bedrohten Greifvögel von den Windkraftanlagen fernzuhalten, hätten nicht gegriffen.

Bremsen für Kranich, Milan und Fledermaus

Für den neuen Windpark in der gleichen Gemeinde, der dem Windpark Weiler den Titel des leistungsstärksten des Landes abgeluchst hat, kam dieser Aufruf jedoch zu spät – die Genehmigung des Umweltministeriums war bereits im November 2018 erteilt worden. Ein Fünftel des gesamten Windstroms, der in Luxemburg produziert wird, kommt von den sieben Windkraftanlagen, die am 3. März 2020 offiziell eingeweiht wurden. 53 GWh (Gigawattstunden) produziert der neue Windpark im Jahr, laut dem Energieministerium genug Strom für 30.000 Einwohner*innen. Das Windenergieziel, das sich die Regierung für 2020 gesetzt hatte, wird nun übertroffen werden. Auch an den 382 GWh, die im Energie- und Klimaplan für 2025 vorgesehen sind, ist man mit voraussichtlich 314 GWh bereits dieses Jahr nahe dran.

Für den Betrieb der sieben neuen Windkraftanlagen, von denen eine weniger als einen Kilometer von der Grenze eines Natura 2000-Vogelschutzgebietes steht, gelten strenge Umweltauflagen. Vier Jahre lang werden die Rotmilane um die Anlagen herum beobachtet, die Kosten dafür muss die Betreiberfirma tragen. Wenn um die Anlagen herum gemäht oder geerntet wird, müssen sie tagsüber still stehen – die Greifvögel haben dann nämlich besonders gute Sicht auf Nagetiere. Die Sorge gilt jedoch nicht nur dem Rotmilan: Auch für Kraniche müssen die Rotoren still stehen, wenn diese migrieren und die Sicht schlecht ist.

Außerdem müssen sechs der sieben Windräder zwischen April und Oktober nachts still stehen, um die lokale Fledermauspopulation nicht zu gefährden. Nach einem Monitoring können diese Auflagen eventuell gelockert werden. Sollten sich die Fledermäuse jedoch zu nahe an die Rotoren heranwagen, wird die Installation von UV-Lichtern nötig sein.

Der Ausbau der Windkraft ist ein wichtiger Schritt im Kampf gegen die Klimakrise und sorgt auch dafür, dass Luxemburg in puncto Energieversorgung ein kleines Stück autarker wird. Innerhalb der letzten zwölf Jahre wurden die Kapazitäten gewaltig erhöht. Insgesamt können laut der Regierung nun 170.000 Personen mit Strom aus Windkraft versorgt werden.

Allerdings stellt sich die Frage, wie viele Standorte noch existieren, auf denen die Windräder weder Mensch noch Tier zu sehr stören. Der Spagat zwischen Klima- und Naturschutz ist oft schwierig, aber notwendig.

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