Willis Tipps: Mai 2016

von | 23.05.2016

Anoushka politisch

1372willi1Die entsetzliche Lage der FlĂŒchtlinge ist das Thema des neuen Albums von Anoushka Shankar. Ihr letztes Album war musikalisch ganz traditionell indisch. Auf „Land of Gold“ mischt sie nun indische Musik mit Jazz und Elektronik zu einem Aufschrei gegen Ignoranz und Abschottung. Auf drei Tracks sind die Stimmen von M.I.A. (GB/Sri Lanka), Alev Lenz (D/TĂŒrkei) und von Vanessa Redgrave zu vernehmen. Das Album enstand in enger Zusammenarbeit mit dem Perkussionisten Manu Delago, der ĂŒber weite Strecken das rhythmische Fundament fĂŒr Shankars oft experimentelle SitarklĂ€nge legt. Angesichts von zunehmenden Fremdenhass und Nationalismus ist es wichtig, dass es KĂŒnstlerInnen wie Shankar gibt, die sich nicht in den Elfenbeinturm entrĂŒckter Schöngeistigkeit zurĂŒckziehen, sondern – musikalisch ĂŒberzeugend – Position beziehen.

Anoushka Shankar – Land of Gold (Deutsche Grammophon)

Mehr als Fado

1372willi3Es gibt ganz großartigen Fado, aber natĂŒrlich hat Portugal musikalisch viel mehr zu bieten. Deolinda belegt seit 2008 mit ihren Alben regelmĂ€ĂŸig die SpitzenplĂ€tze der portugiesischen Charts, und auch ihre vierte Studioplatte „Outras HistĂłrias“ steht auf Platz Eins. Die Gruppe lĂ€sst sich von den vielen Facetten lusophoner Musik inspirieren, sei es von Traditionellem aus Portugal oder von den KlĂ€ngen Brasiliens und der Kap Verden. Daraus mischen sie ihren ganz typischen Deolinda-Stil mit ruhigen Balladen und schwungvollen StĂŒcken. Im Mittelpunkt des im Wesentlichen akustischen Quartetts steht die Stimme von Ana Bacalhau, die hĂ€ufig nach Fado klingt, ohne bloßer Fado zu sein. Die Musik einer Gruppe, die in ihrer Heimat dermaßen angesagt ist, kann man Pop nennen. Wenn sie im Kern so portugiesisch und darĂŒber-
hinaus so ausgezeichnet klingt wie bei Deolinda, habe ich kein
Problem, sie als Weltmusik zu empfehlen.

Deolinda – Outras HistĂłrias (Universal Music)

Addis Abeba laut

1372willi2Ukandanz ist atemberaubend. Wer kurzatmig und lĂ€rmempfindlich ist, sollte vorsichtig sein. Mich erinnert die Lyoner Gruppe mit Gitarre, Bass, Drums und Sax – zwischen Jazzrock und Noise – an den legendĂ€ren Jazzrocker James „Blood“ Ulmer; laut, verzerrt, zum Teil mit ungeraden Rhythmen. Einzigartig wird die Band durch den versierten Ă€thiopischen SĂ€nger Asnake Guebreyes aus Addis Abeba. Die Melodien sind im typisch pentatonischen Stil Äthiopiens. In den 1970er Jahren hat man dies am Horn von Afrika mit deutlichen BezĂŒgen zum Soul-Funk eines James Brown gespielt. Ukandanz dreht jetzt bei vielen StĂŒcken des Albums „Awo“ den Powerregler radikal auf Anschlag. Überraschenderweise ruiniert dies die Musik nicht, sondern es entsteht eine Ă€thiopische Musik unter Hochspannung. Aufregend!

Ukandanz  –  Awo (Buda Musique)

 

Mai – Top 20

logo_twmc-1 neu1.    Bombino – Azel (Partisan Records) Niger
2.    Aziza Brahim – Abbar el Hamada (Glitterbeat Records) Westsahara
3.    Rokia TraorĂ© – NĂ© So (Nonesuch) Mali
4.    La Banda Morisca – Algarabya (Fol MĂșsica) Spanien
5.    Konono NÂș1 meets Batida – Konono NÂș1 meets Batida (Crammed Discs) Kongo/Angola/Portugal
6.   Lakou Mizik – Wa Di Yo (Cumbancha) Haiti
7.   Fanfare Ciocărlia – Onwards to Mars! (Asphalt Tango Records)  RumĂ€nien
8.   The Gloaming – 2 (Real World Records) Irland
9.   Stefano Saletti & Banda Ikona – Soundcity (Finisterre) Italien
10. Katerina Tsiridou – Aman Katerina: A Tribute to Panayiotis Toundas (Protasis Music) Griechenland
11. Sociedade Recreativa – Sociedade Recreativa (La ChaudiĂšre Production / Jarring Effects) Brasilien
12. Damir Imamović‘s Sevdah Takht – Dvojka (Glitterbeat Records) Bosnien-Herzegovina
13. V.A. – Every Song Has its End: Sonic Dispatches from Traditional Mali (Glitterbeat Records) Mali
14. Las Hermanas Caronni – Navega Mundos (Les Grands Fleuves) Argentinien/Frankreich
15. Anoushka Shankar – Land of Gold (Deutsche Grammophon) Indien
16. DagaDana – Meridian 68 (Karrot Kommando) Polen
17. Sidestepper – Supernatural Love (Real World Records) Kolumbien/GB
18. Elza Soares – The Woman at the End of the World / A Mulher do Fim do Mundo (Mais Um Discos) Brasilien
19. Karsh Kale – Up (Six Degrees Records) USA/Indien
20. PĂ€re – HausjĂ€rvi Beat (Zebo Records)  Finnland

Die ganze Chart auf http://www.transglobalwmc.com und bei‹ Facebook „Mondophon auf Radio ARA“ (Willi Klopottek).

Dat kéint Iech och interesséieren

KULTURTIPP

Willis Tipps: April 2026

Seit 1999 veröffentlicht Lucas Santtana Platten. Jetzt hat der Gitarrist, SĂ€nger, Flötenspieler und Komponist sein zehntes Album mit dem Titel Brasiliano herausgebracht. Auf jedem der elf StĂŒcke kooperiert er mit einem*r anderen SĂ€nger*in. So ist die in Paris lebende, am Pop orientierte GesangskĂŒnstlerin FlĂĄvia Coelho genauso zu hören wie der mit brasilianischem Reggae bekannt gewordene Chico CĂ©sar oder der Superstar Gilberto Gil, der zu den Urgesteinen des TropicĂĄlia-Stils gehört.

KULTUR AM ALLGEMENGEN

Dag vun der Lëtzebuerger Sprooch: Luxemburgisch im Fokus

Die Luxemburger Sprache soll ab diesem Jahr jeden 26. September gefeiert und gefördert werden – und zwar mit Kulturevents, AktivitĂ€ten und Diskussionsrunden. Das Programm der Erstauflage des „Dag vun der LĂ«tzebuerger Sprooch“ wurde am Montag bei einer Pressekonferenz vorgestellt. „Sprache ist der SchlĂŒssel zur Welt“, sagte bereits Wilhelm von...