Viel mehr Plastik im Ozean als gedacht

von | 24.08.2020

Forscher*innen haben den atlantischen Ozean untersucht und vermuten, dass zwischen 17 und 47 Millionen Tonnen Mikroplastik das Gewässer verschmutzen.

Bis zu 47 Millionen Tonnen Mikroplastik vermuten Forscher*innen nach einer neuen Studie im Atlanischen Ozean. (Foto: CC-BY-SA Oregon State University)

Wir alle wissen, dass die Weltmeere mit Plastik verschmutzt sind. Doch wie viel Plastik schwimmt wirklich in den Ozeanen? Bisher gab es eine Lücke zwischen dem errechneten Eintrag und dem beobachteten Plastik. Studien hatten sich entweder auf die Wasseroberfläche oder den Meeresgrund konzentriert, nur eine einzige Studie in der Arktis hatte die gesamte Wassersäule untersucht. Hinzu kommt, dass Plastik nun mal nicht gleich Plastik ist: Je nach Polymer und Zusammensetzung ist das Gefahrenpotenzial ein anderes. Eine neue Studie von Katsiaryna Pabortsava und Richard S. Lampitt des britischen National Oceanography Centre kommt zum Schluss, dass viel mehr Plastik als vermutet im Meer zu finden ist.

Die Forscher*innen haben an zwölf Stellen entlang einer 10.000 Kilometer langen Linie vom Nord- bis zum Südatlantik die Konzentrationen von Polyethylen, Polypropylen und Polystyrol (bekannt als Styropor) gemessen. Alle diese Kunststoffe werden vor allem für Verpackungen benutzt und haben eine kurze Lebensdauer, weshalb sie im Ozean als sogenannter Mikroplastik vorliegen. Es wird geschätzt, dass 56 Prozent des globalen Plastikabfalls aus diesen drei Kunststoffen besteht. An jeder der zwölf Messpunkte wurde an drei verschiedenen Tiefen im Ozean Proben entnommen, um die Menge und Art des Plastikabfalls zu bestimmen.

Die Untersuchungen zeigten, dass die Plastikverschmutzung nicht nur im oberflächennahen Wasser und am Meeresgrund vorliegt, sondern in der gesamten Höhe des Ozeans. Die Forscher*innen stellten fest, dass die meisten Plastikarten im gesamten Atlantischen Ozean vorkommen. Allerdings gibt es im südlichen Atlantik weniger Polystyrol als im Norden. Das könnte damit zusammenhängen, dass diese Plastikart sich schneller zersetzt oder aber in Wasserschichten schwimmt, die von der Studie nicht erfasst wurden.

Foto: Ben Mierement, NOAA NOS

Pabortsava und Lampitt konnten ebenfalls feststellen, dass kleinere Partikel eher sinken und sich durch Strömungen auch vertikal im gesamten Ozean verteilen. Dadurch sei die Anzahl kleinerer Mikroplastikpartikel bisher grob unterschätzt worden. Je kleiner die Partikel, umso mehr werden sie von Zooplankton gefressen oder von Mikroorganismen besiedelt – beides Prozesse, die dazu führen, dass die Plastikpartikel auf den Meeresboden sinken.

Die Masse an Plastik, die im Rahmen der Studie in den 200 oberen Metern des Ozeans entdeckt wurden, nennen die Forscher*innen „erschütternd“, da das Wasser bis zu dieser Tiefe nur rund fünf Prozent des Ozeanvolumens ausmacht. Nanoplastik und die 44 Prozent anderen Plastiktypen, die in dieser Studie nicht erfasst werden konnten, kommen da nochmal hinzu. Die Wissenslücke, die bisher bestanden hatte, konnte also geschlossen werden: Es gibt keine unbekannte Plastiksenke, sondern das Mikroplastik schwimmt im Meer. Die Gesamtmenge scheint im Gegensatz zu dem, was bisher errechnet wurde, sogar noch größer zu sein. In ihrem Fazit unterstreichen Pabortsava und Lampitt, dass weitere Forschung dringend benötigt wird, um das Plastikproblem in unseren Ozeanen komplett zu erfassen – auch weil Kunststoff in vielen Lebensbereichen unabdingbar geworden ist.

Die gesamte Studie kann unter diesem Link nachgelesen werden.

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