Fridays for Future: Schulfach Klimakrise?

von | 19.03.2021

Die Klimakrise soll verstärkt in die Bildungspläne eingebunden werden, fordern die Aktivist*innen von Fridays for Future.

„Ohne Bildung wird sich nichts ändern, die Gesellschaft wird nichts über die Probleme erfahren, mit denen die Menschheit im Moment konfrontiert ist. Wir wollen, dass die Klimakrise ernst genommen wird“, schreiben die Klimaaktivist*innen in einer Pressemitteilung. Die Initiative geht von Fridays for Future Climate Education aus, einer internationalen Arbeitsgruppe von rund 80 Aktivist*innen aus 35 Ländern, die Teil der weltweiten Fridays for Future-Bewegung sind. Auch der luxemburgische Ableger Youth for Climate ist mit einem Aktivisten in der Arbeitsgruppe vertreten.

Am Donnerstag, dem 18. März veröffentlichten sie ein Video, um auf ihre Forderungen aufmerksam zu machen. „Die Idee kam aus der polnischen FFF-Gruppe und hat sich dann in der ganzen Bewegung verbreitet. Wir wollen, dass die europäischen Staatschefs uns ernst nehmen und Klimabildung in den Lehrplänen verankern“, erklärte Achille Martin von Youth for Climate der woxx.

Sechs Forderungen für Klimabildung

Sechs Forderungen haben die jungen Aktivist*innen aufgestellt: Unabhängig von Alter, Geschlecht, Herkunft und sozialem Status soll Klimabildung für alle Schüler*innen verfügbar sein und somit auf jedem schulischen Niveau gelehrt werden. Fridays for Future wollen aber kein einzelnes Schulfach einführen, sondern fordern, dass Wissen über die Klimakrise in jedes Curriculum aufgenommen wird und Schüler*innen so die wissenschaftlichen, sozialen und ethischen Aspekte der Klimakrise beigebracht bekommen. Das wollen die Aktivist*innen auch in der Lehrer*innenausbildung umgesetzt sehen.

Die junge Generation der Klima-aktivist*innen weiß ganz genau, dass die Gewissheit, in einer von der Klimakrise geprägten Zukunft leben zu müssen, sich nicht besonders förderlich auf die Psyche auswirkt. Dementsprechend fordern sie, dass die Schulen die Ressourcen bereithalten, um mit den Sorgen und Auswirkungen auf die psychische Gesundheit umzugehen, die die Klimakrise für Schüler*innen und Lehrkräfte mit sich bringt.

Allerdings geht es den Klimaschützer*innen nicht nur um das, was in Bildungsinstitutionen gelehrt wird, sondern auch um die Schulgebäude selbst: Bis 2030 müssten alle Schulen klimaneutral sein, jeder Schulneubau soll außerdem emissionsfrei sein. Die Schulen sollten ihre Schutzbefohlenen ebenfalls dazu anhalten, engagierte und aktive Mitbürger*innen zu werden und Verantwortung für Natur und Gesellschaft zu übernehmen – worin die traurige Gewissheit mitschwingt, dass Schulen dieses Ziel heute nicht erreichen.

Positive Resultate in den USA

Bringt Klimabildung etwas? Noch gibt es nicht sonderlich viel Forschung darüber, aber wohl einige Anhaltspunkte. So hat eine 2014 veröffentliche Studie in den USA herausgefunden, dass schon eine einzelne Informationsveranstaltung über die Klimakrise Verhaltensänderungen bei Schüler*innen in Gang gesetzt hat. Nachdem sie in einer einstündigen Einheit von Expert*innen über die Klimakrise informiert wurden, hatten die Schüler*innen nicht nur akkuratere Informationen über die globale Erwärmung, sondern trugen dieses Wissen auch in ihre Familien weiter. Außerdem haben mehr von ihnen kleinere individuelle Maßnahmen getroffen, wie etwa Recycling oder Stromsparen. Insofern stellt sich durchaus die Frage, wie viel mit systematischer Klimabildung bei einer ohnehin schon sensibilisierten Generation erreicht werden könnte. Auch in den Bildungswissenschaften wird das Thema Klimabildung bereits seit einigen Jahren diskutiert – die Forderung von Fridays for Future dürfte hier auf offene Ohren stoßen.

Am heutigen Freitag, dem 19. März, ist ein weiterer internationaler Klimaaktionstag von Fridays for Future. Auch in Luxemburg wird um 15 Uhr eine kleine Protestaktion stattfinden. Die Aktivist*innen planen, unter dem Motto „Keine leeren Versprechen mehr!“ mit Kreidezeichnungen auf die Klimakrise aufmerksam zu machen, und wollen anschließend eine Menschenkette auf der Place d’Armes bilden.

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