ROCK: Die Muse küsst

von | 08.10.2004

Marianne Faithfull, «Before The Poisonª, Ministry O, 2004.

(vs) – Marianne Faithfull hat sich ihren Platz in der Rockgeschichte schon gesichert. In den 60er und 70er Jahren kannte man sie vor allem als drogensüchtiges Stones-Groupie, das kein gesellschaftliches Tabu ungebrochen ließ. Seit sie 1985 ihre Drogensucht endgültig hinter sich gelassen hat, bringt die heute 58-Jährige in unregelmäßigen Abständen gute und weniger gute Studioalben heraus. Mit „Before The Poison“ gelingt der Faithfull allerdings eine Scheibe, die über jede Kritik erhaben ist. Die meisten Songs stammen aus der Feder von Polly Harvey oder Nick Cave; es konnte also schon nicht mehr viel schief gehen. Damon Albarn ist mit dem von ihm geschrieben „Last Song“ für den Höhepunkt des Albums verantwortlich. Marianne Faithfull verleiht den Liedern mit ihrer kaputten Stimme eine Tiefe, die einen ehrfürchtig erstarren lässt – ein Gefühl, das sich zuletzt bei den Werken von Johnny Cash oder Patti Smith einstellte.

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