„Onse Mobilitéitsplang“: Schlechte Noten für die Radinfrastruktur

von | 24.02.2022

Im Zuge der Arbeiten zum neuen „Mobilitéitsplang“ der Stadt Luxemburg wurde eine Mobilitätserhebung durchgeführt. Deren Ergebnisse zeigen, wie desaströs die Fahrradinfrastruktur der Hauptstadt ist.

Nur ein Viertel der Befragten gab an, einen sicheren Stellplatz für das Fahrrad vorzufinden. (Foto: CC-BY-SA Michael Coghlan/flickr)

Am Mittwoch, dem 23. Februar 2022, stellte der Schöffenrat der Stadt Luxemburg die Ergebnisse einer Umfrage zum Mobilitätsverhalten der Bewohner*innen und Pendler*innen in der Hauptstadt vor. Im Rahmen der Arbeiten an dem neuen Mobilitätsplan wurde von Mitte Oktober bis Mitte November 2021 eine Online-Umfrage durchgeführt, die über 6.200 Menschen abgeschlossen haben, davon ungefähr die Hälfte Einwohner*innen und Besucher*innen oder Pendler*innen. Der neue Mobilitätsplan soll auch auf Grundlage der Ergebnisse entstehen.

Ein knappes Drittel der Ein- wohner*innen der Hauptstadt nutzt mindestens mehrmals wöchentlich das Fahrrad, bei den Pendler*innen liegt der Wert bei neun Prozent. Was bereits durch Zählstellen und subjektive Beobachtungen berichtet wurde, bestätigt auch die Umfrage: Die Pandemie hat das Mobilitätsverhalten verändert. Ein Viertel der Befragten gab an, häufiger auf das Fahrrad zurückzugreifen. Unter den Stadtbewohner*innen waren es sogar 36 Prozent. Rund 40 Prozent der Befragten geht seit Beginn der Pandemie häufiger zu Fuß.

Gefragt wurde auch, mit welchen anderen Verkehrsteilnehmer*innen es Konflikte gibt. Wenig überraschend haben Fußgänger*innen am häufigsten Ärger mit Radfahrer*innen: Immerhin müssen sie sich an vielen Stellen in der Hauptstadt Verkehrswege teilen, obwohl ihre jeweiligen Geschwindigkeiten nicht aneinander angepasst sind – ein deutliches Signal, dass adäquate, baulich getrennte Radinfrastruktur fehlt. Das zeigt sich auch in den Antworten der Radfahrer*innen: Sie haben am häufigsten Konflikte mit PKWs – sowohl fahrenden als auch stehenden. 60 Prozent gaben an, auf ihren Wegen meistens oder immer in solche Konflikte zu geraten. Wer zu Fuß geht, hat oft Probleme mit den eigentlich sehr seltenen Elektrotretrollern und parkenden Fahrzeugen.

Konflikte mit fahrenden und parkenden PKWs

Etwa zwei Drittel der Befragten gaben an, auf ihren Wegen nicht überall Radinfrastrukturen vorzufinden und lediglich neun Prozent empfinden den Zustand dieser Infrastrukturen als gut. Stellplätze für das Fahrrad am Zielort finden die Radfahrer*innen auch eher selten vor: Ein Viertel gibt an, dass es nie welche gibt, während nur 17 Prozent immer einen sicheren Abstellplatz für ihr Fahrrad vorfinden.

Was die Stadtregierung nun genau aus diesen Zahlen machen will, ist eher unklar. „Im urbanen Raum könnte man oberirdisch den einen oder anderen Stellplatz wegnehmen, weil wir unterirdische haben. Wir machen nicht nur etwas für den einen oder den anderen“, sagte Verkehrsschöffe Patrick Goldschmidt im Rahmen der Pressekonferenz, was eher auf ein Aufrechterhalten des Status quo hindeutet. Am 3. März sollen die Resultate der Umfrage mit den Bürger*innen diskutiert werden. Der Schöffenrat lädt dazu ab 18 Uhr zu einer Versammlung in den „Tramschapp“ in Luxemburg-Limpertsberg. Eine Voranmeldung unter mobiliteitsplang.vdl.lu ist nötig.

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