Malische Wurzeln
Coronabedingt musste man auf sein neues Album fĂŒnf Jahre warten. Vieux Farka TourĂ©, SĂ€nger und Gitarrist aus Mali, hat 2006 seine Recording-Karriere begonnen und sich in der Folge als Musiker mit offenen Ohren gezeigt. Er hat unter seinem eigenen Namen wie auch zusammen mit dem israelischen Pianisten Idan Raichel veröffentlicht und unter anderem mit dem Jazzgitarristen John Scofield kooperiert. Wegen seines bisweilen wilden Spiels nannten ihn einige den Hendrix der Sahara. Jetzt geht er zurĂŒck zu seinen Wurzeln und folgerichtig heiĂt sein aktuelles Album Les Racines. Die Platte erinnert stark an den entspannten Stil seines 2006 verstorbenen Vaters Ali Farka TourĂ©, der bis heute als einer der gröĂten Musiker Afrikas gilt. Vieux brauchte den zeitlichen Abstand wohl, um sich an die Form heranzuwagen, die sein Vater in der Welt etabliert hat. Aufgenommen wurde die Platte in dem Studio, das Ali Farka TourĂ© zu seinen Lebzeiten im nordmalischen NiafunkĂ© aufgebaut hatte. Die schwierige Situation in Mali hat dazu gefĂŒhrt, dass Frieden und VerstĂ€ndigung wichtige Botschaften TourĂ©s sind. Inhaltlich wie musikalisch ein ausgezeichnetes Album!
Vieux Farka TourĂ© â Les Racines â World Circuitâ©
Zwischen New Orleans und Haiti
Wenig bekannt ist, dass die Musik in New Orleans, wie zum Beispiel die âMardi Grasâ genannte Form, Elemente aus der Musik Haitis enthĂ€lt. Das liegt daran, dass leidgeplagte Haitianer*innen die Stadt bereits vor 200 Jahren als Zufluchtsort wĂ€hlten. Diese enge Verbindung deckt Leyla McCalla die in New Orleans lebt, aber auf Haiti zur Welt kam, auf. Sie singt mit intimer Stimme, spielt Banjo und Cello und hat auf ihrem vierten Studioalbum Breaking the Thermometer mit einem kleinen Ensemble 15 Lieder auf Kreol und Englisch aufgenommen. McCalla prĂ€sentiert wieder ihre ganz eigene Mischung aus haitianischer Musik und den KlĂ€ngen Louisianas, wie zum Beispiel dem Cajun. Angesichts der nicht enden wollenden deprimierenden VerhĂ€ltnisse auf Haiti, kann es nicht ausbleiben, dass sich die KĂŒnstlerin in ihren Texten damit auseinandersetzt. Sie hat sich von Aufnahmen aus dem Archiv vom unabhĂ€ngigen Radio Haiti inspirieren lassen, dessen Betreiber im Jahre 2000 ermordet wurde. Sie braucht weder LautstĂ€rke noch Studiotricks, um musikalisch zu ĂŒberzeugen und ihre Hörer*innen emotional zu berĂŒhren.
Leyla McCalla â Breaking the Thermometer â ANTI-
â©JĂŒdische Musik aktuell
JĂŒdische Musik ist Ă€uĂerst vielfĂ€ltig und verschieden. Sephardische Musik z. B. basiert auf den Traditionen der vor rund 500 Jahren aus Spanien vertriebenen JĂŒd*innen. Der osteuropĂ€ische Klezmer ist trotz Holocaust vor allem von in die USA emigrierten JĂŒd*innen lebendig gehalten worden. Daneben existieren noch ganz andere Formen und Vermischungen. Das Album The Rough Guide to Jewish Music umfasst fasst 18 StĂŒcke, die unterschiedliche Stile abdecken und von zeitgenössischen KĂŒnstler*innen aufgenommen wurden. Sephardisches singt die Spanierin Mara Aranda wie auch das Frauenensemble Al Andaluz Project. Andrea Pancur aus MĂŒnchen spielt âAlpenklezmerâ mit bayrischer WĂŒrze und das dĂ€nische Sextett Mames Babegenush steuert einen flotten Tanz bei. Yinon Muallem, ein israelischer Perkussionist und Ud-Spieler, zeigt, wie man heute jĂŒdische und arabische Elemente mit Jazz anreichert. Die Kompilation hat nicht den Anspruch auf VollstĂ€ndigkeit, dokumentiert aber, wie breit diese Szene aufgestellt ist. Eine interessante EinfĂŒhrung, die die Neugier der Hörer*innen weckt!
V.A. – The Rough Guide to Jewish Music â World Music Networkâ©
August â Top 20
1. Vieux Farka Touré · Les Racines · World Circuit/BMG
2. Oumou Sangaré · Timbuktu · World Circuit/BMG
3. Cimarrón · La Recia · Cimarrón Music
4. Lamia Yared & Ensemble Oraciones · Ottoman splendours/LumiÚres ottomanes · Analekta
5. Madalitso Band · Musakayike · Les Disques Bongo Joe
6. Ăfrica Negra · Antologia Vol. 1 · Les Disques Bongo Joe
7. Moktar Gania & Gnawa Soul · Gnawa Soul · MusjoMusic / Nuits dâAfrique
8. Catrin Finch & Seckou Keita · Echo · Bendigedig
9. Ana Alcaide · Ritual · Ana Alcaide
10. Leyla McCalla · Breaking the Thermometer · Anti-
11. BKO · Djine Bora · Les Disques Bongo Joe
12. Perrate · Tres Golpes · Lovemonk
13. Noori & His Dorpa Band · Beja Power!: Electric Soul & Brass from Sudanâs Red Sea Coast · Ostinato
14. Ali DoÄan GönĂŒltaĆ Â· KiÄı / GexĂź / Kegui · Ali DoÄan GönĂŒltaĆ
15. Master Musicians of Jajouka, Led by Bachir Attar · Dancing Under the Moon · Glitterbeat
16. Avalanche Kaito · Avalanche Kaito · Glitterbeat
17. Minyeshu · Netsa · ARC Music
18. Oriental Brothers International Band · Oku Ngwo Di Ochi · Palenque
19. Amélia Muge · Amélias · Uguru
20. Kobo Town · Carnival of the Ghosts · Stonetree
Die TWMC TOP 20/40 bei: http://www.transglobalwmc.com/ und bei Facebook âMondophon auf Radio ARAâ und www.woxx.lu/author/Klopottek.


