Weltbiodiversitätstag: Subventionierte Umweltzerstörung

von | 23.05.2025

Der nationale Strategieplan verspricht bis 2027 mehr Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft, doch in Luxemburg nimmt die Artenvielfalt ab und EU-Gelder fließen in umweltschädliche Maßnahmen.

Wie viele Feldvogelarten In Luxemburg vom Aussterben bedroht: der Steinkauz. (Foto: Arijit Roy/Unsplash)

Die aktuelle landwirtschaftliche Förderpolitik für eine klimaneutrale Agrarwirtschaft hat die Umweltsituation nicht nur nicht verbessert, sondern im Hinblick auf die Artenvielfalt sogar zu einer Verschlechterung der Lage geführt. Zu diesem Ergebnis kommt eine vom Mouvement écologique (Meco) in Auftrag gegebene Analyse der Biologin Nadja Kasperczyk. Diese wurde vergangenen Mittwoch anlässlich des Weltbiodiversitätstages am 22. Mai vorgestellt. Biodiversität, also die Vielfalt des Lebens auf genetischer, artenbezogener und ökosystemarer Ebene, bildet die Grundlage stabiler und widerstandsfähiger Naturkreisläufe. Kasperczyk war bereits 2021 an einer Studie beteiligt, die der Frage nachging, wie viel Flächen- und Maßnahmenbedarf notwendig wäre, um den Verlust der Biodiversität in der hiesigen Agrarlandschaft zu stoppen. Das Ergebnis damals: Es müssten auf mindestens 25 Prozent der Ackerflächen und 30 Prozent der Grünflächen biodiversitätsfördernde Maßnahmen umgesetzt werden. Anlass der Studie war die damalige Ausarbeitung des zweiten nationalen Strategieplans (PSN), der die Ziele der europäischen Gemeinsamen Agrarpolitik in Luxemburg umsetzen soll und ein wesentlicher Teil des Europäischen „Green-Deals“ ist. Die Ergebnisse der Studie wurden jedoch nicht in den auf fünf Jahre angelegten PSN integriert, der bis 2027 mit 700 Millionen Euro Fördermitteln der EU finanziert wird.

Stattdessen werden diese Gelder für Maßnahmen eingesetzt, die laut der aktuellen Analyse die Umweltsituation verschlechtern, so der Méco am Mittwoch. Denn das Großherzogtum verfügt über viele Grün- und Ackerflächen, die stark auf die Rinderwirtschaft zur Milch- und Fleischproduktion fokussiert sind. Dadurch werden weiterhin etliche natürliche Lebensräume für zahlreiche Arten zerstört. „Die Lebensräume des Offenlandes und der Feuchtgebiete befinden sich fast vollständig in einem schlechten Erhaltungszustand“, sagte Kasperczyk. Auch bei den Grünlandhabitaten sind laut Analyse 84 Prozent in einem schlechten Zustand. Das Ergebnis ist ein Massenaussterben, den Kasperczyk während der Präsentation mit konkreten Zahlen belegte: „83 Prozent der Amphibien, Reptilien, Fische und Wirbellose sind in einem unzureichenden bis schlechten Zustand, und die Brutvogelpopulation von ungefähr 48 Vogelarten haben stark abgenommen oder sind teilweise erloschen. Fast jede dritte Schmetterlingsart ist in Luxemburg vom Aussterben bedroht.“

Dringende Reform erforderlich

„Die Subventionen die aktuell ausgezahlt werden, tragen zur Degradation der Biodiversität bei“, sagte Blanche Weber, Präsidentin vom Méco auf der Pressekonferenz. „Das kann man den einzelnen Bauern nicht zum Vorwurf machen, es liegt vielmehr an der gesamten Landwirtschaftspolitik“, betonte sie. Viele Maßnahmen, die durch EU Fördermittel subventioniert werden, lieferten keinen Mehrwert für Umwelt- und Naturschutz, würden aber überproportional häufig von Landwirt*innen genutzt. Dazu gehörten zum Beispiel der Anbau von Zwischenfrüchten oder das Einarbeiten von Mist. Andere Maßnahmen, wie mehrjährige Blühstreifen oder Ackersäume, würden dadurch kaum genutzt. In Luxemburg werde dieser Effekt zudem durch die Tatsache verstärkt, dass die Maßnahmen zur Biodiversitätsförderung aus dem Fördertopf der EU herausgenommen wurden. Diese werden als kleinster der förderungsfähigen Bereiche rein national gefördert. Ein Ausbau von artenvielfaltfördernden Maßnahmen wird so bewusst kleingehalten. Zudem seien alle bereits bestehenden Maßnahmen weder ausreichend, um die Natur zu schützen, noch um dem fortschreitenden Hofsterben entgegenzuwirken, kritisierte der Méco

Die Umweltschtuz-NGO forderte, die anstehende Halbzeitbewertung des PSN dazu zu nutzen, dringend erforderliche Kurskorrekturen zu besprechen und umzusetzen. Laut Weber würde die Organisation von Diskussionen zwischen Landwirt*innen und Landwirtschaftsministerium, wie dem „Landwirtschaftsdësch“, jedoch ausgeschlossen. Eine Teilnahme des Méco habe die Landwirtschaftsministerin Martine Hansen (CSV) mit einem kategorischen „Nein“ abgelehnt. „Es ist bedauerlich, dass die Landwirtschaftsministerin diese Tür zugemacht hat. So bleibt uns nur, unseren Beitrag durch Diskussionen wie heute und die Präsentation einer wissenschaftlichen Analyse zu leisten.“

 

Dat kéint Iech och interesséieren

NEWS

La mémoire coûte plus cher

Les data centers pour l’intelligence artificielle sont gourmands en énergie et en eau, laissant présager de sérieuses tensions sur la disponibilité de ces ressources si les investissements se poursuivent au rythme actuel. Le Statec relève un autre effet pervers du développement de l’IA.

NEWSURBANISMUS

„ProVelo“ will Taten sehen

m 20. Oktober präsentierte die Stadt Luxemburg ein neues Konzept für die sanfte Mobilität, die im Rahmen des neuen Mobilitätsplans. Darin sind die Ziele, die die Hauptstadt bis 2035 erreichen will, festgelegt. Dazu gehört, dass das Radverkehrsnetz ausgebaut und optimiert werden soll.

NEWSSOZIALES

Big Brother : Gloden rattrapé par la patrouille

Le Conseil d’État étrille le projet de loi sur la reconnaissance automatique des plaques d’immatriculation par des caméras, présenté par Léon Gloden. Trop imprécis et potentiellement attentatoire aux libertés, juge l’institution. Mais le ministre des Affaires intérieures endosse sans peine le costume du « bad cop ».

NEWS

FORUM 452 : Nos villages

Habiter. C’est autour de cette idée que pourrait se lire le numéro de novembre de « Forum », qu’il s’agisse du rapport à un lieu, à une communauté ou à une époque. Le dossier principal « Nos villages » retrace, à travers l’exemple de Berbourg, les profondes transformations du monde rural luxembourgeois au cours du dernier demi-siècle.