Pont Adolphe:
 Ten Years After

von | 14.09.2017

Vor zehn Jahren hatte er die Idee einer „BrĂĽcke unter der BrĂĽcke“ – Jo Simon, ehemaliger Direktor von Sudgaz. (Foto: woxx)

Als im Februar 2014 nach längerer Zeit wieder eine Fahrraddemo der LĂ«tzebuerger VĂ«los Initiativ (LVI) stattfand, nahm an ihr auch der damals noch recht neue Verkehrsminister François Bausch (DĂ©i GrĂ©ng) mit seinem Faltrad teil. Besondere Aufmerksamkeit wurde damals dem „Pont Adolphe“ zuteil, der kurz vor seiner Renovierung stand. Schon seit einiger Zeit war der LVI bekannt, dass die StraĂźenbauverwaltung keine Möglichkeit sah, neben den Streifen fĂĽr die Tram, die Autos und die FuĂźgängerInnen auch noch einen weiteren fĂĽr die RadfahrerInnen zu reservieren – dazu sei der Platz auf der Fahrdecke zu knapp.
Eine zu der Zeit vieldiskutierte Lösung hätte in einer gesonderten, nur fĂĽr den sanften Verkehr zugelassenen BrĂĽcke zwischen der „GĂ«lle Fra“ und dem damaligen Repräsentationssitz von Arcelor-Mittal (heute Sparkasse) bestanden.
Eine solche „Passerelle“ stieĂź aber sowohl bei der LVI als auch bei den DenkmalschĂĽtzerInnen auf wenig Gegenliebe. Die Stimmung bei der Demo auf der BrĂĽcke verleitete den Minister zu dem Versprechen, eine fĂĽr alle zufriedenstellende Lösung zu finden.

Eine Idee fĂĽr die Schublade

Ein Sprung zurĂĽck ins Jahr 2007: Damals hieĂź der Verkehrs- und Bautenminister Claude Wiseler (CSV). In diesem Jahr wurde die bevorstehende Renovierung des Pont Adolphe intensiv diskutiert, und auch die LVI wollte die Begehren der RadfahrerInnen einbringen, weshalb im Herbst eine Entrevue des Komitees mit dem Minister stattfand. Schon damals versicherte dieser, es gebe keine Chance, gesonderte Radwege anzulegen. Unter den LVI-Komitee-Mitgliedern war auch Jo Simon, der schon Monate zuvor beim Minister einen Termin erbeten hatte, weil er ihm einen Alternativvorschlag unterbreiten wollte. Er hatte nie eine Antwort erhalten, weshalb er die genannte Entrevue als Chance nutzte, dem Minister seine Idee vorzustellen. Sie beruhte auf diesem eigentlich simplen Gedanken: Statt die BrĂĽckenfahrbahn zu benutzen, könnten die Fahrräder auf einer unter der BrĂĽcke aufgehängten Stahltrasse verkehren. Simon hatte die Pläne des Pont Adolphe genau unter die Lupe genommen und festgestellt, dass sich zwischen den charakteristischen Bögen ĂĽber die ganze Länge der BrĂĽcke ein Leerraum von fast fĂĽnf Metern befand. Mehr als genug also, um eine bidirektionale Fahrradpiste anzulegen. Am Ende der BrĂĽcke sollten schneckenförmige Rampen es den RadfahrerInnen erlauben, ohne eine allzu steile Steigung an die Fahrbahnoberfläche zu gelangen.
Der Minister nahm die Skizzen eher kommentarlos entgegen und leitete sie an die StraĂźenbauverwaltung weiter, wo sie, wie so viele gute Ideen, in irgendeiner Schublade verschwanden.
Die LVI hatte das von ihrem Komiteemitglied erarbeitete Konzept zuvor beraten, vertrat aber offiziell weiterhin die Position, dass eine Lösung auf der Oberfläche der BrĂĽcke gefunden werden mĂĽsse. Tatsächlich hatte die Denkmalschutzverwaltung sich zwischenzeitlich einverstanden erklärt, die Fahrbahn um die Breite der Aussichtsbalkons auf jeder Seite auszuweiten. Doch diese Idee wurde offenbar nicht weiter verfolgt. 
Ein Sprung nach vorn ins Jahr 2014: Anlässlich der Vorstellung der bevorstehenden Renovierungsarbeiten am Pont Adolphe, fĂĽr die eigens ein Infopavillon am Boulevard Roosevelt errichtet worden war, machte François Bausch seinen Vorschlag zur Lösung des Problems bekannt: Die RadfahrerInnen sollten unterhalb der BrĂĽcke ĂĽber eine Hängevorrichtung zirkulieren. Seine Dienststellen hätten einen solchen Vorschlag gefunden, als sie von ihm gedrängt wurden, noch einmal alle Alternativen durchzuspielen.
Der Fund kam gerade noch zur rechten Zeit, denn die Fahrbahnplatten, die vorfabriziert angeliefert werden wĂĽrden, sollten gerade bestellt werden. So konnten die Hängevorrichtungen noch fristgerecht geplant und mit eingegossen werden, was nachträglich wohl gar nicht mehr möglich gewesen wäre.
Und zur Freude des Ministers wurde die BrĂĽckenrenovierung insgesamt billiger als geplant, was es erlaubte, die zusätzlichen Ausgaben fĂĽr die HängebrĂĽcke von etwas mehr als 6 Millionen Euro ohne „rallonge budgĂ©taire“ durch das Parlament zu finanzieren und somit auch jede Verzögerung der Renovierungsarbeiten zu vermeiden.
Die nun realisierte Lösung ist der von Jo Simon skizzierten so ähnlich, dass dessen Autorenschaft auch vom Minister nicht bestritten wurde. Lediglich die Lösung im Bereich der Auffahrten ist eine andere. 
Mittlerweile war auch die LVI mit der HängebrĂĽcke als brauchbarer Alternative einverstanden, hatte aber vor, die Geschichte dieser Idee bis kurz vor der Eröffnung fĂĽr sich zu behalten und die Erklärung ihrer teilweisen und nicht ganz freiwilligen Vaterschaft bis Freitag „aufzuheben“. Doch am Dienstag, auf der Pressekonferenz zum Programm der Mobilitätswoche in der Hauptstadt, lieĂź der Minister die Katze aus dem Sack … und die woxx war um eine Exklusivstory ärmer.

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