
Grobkörnig, gnadenlos, genial gut: Die kanadische Death Metal-Band Hedonist. (Foto: Hedonist)
Skapulimantie ist eine archaische Form der Wahrsagerei, bei der die Schulterknochen von Tieren nach deren Schlachtung zu Rate gezogen werden. „Scapulimancy“ ist auch der Titel des ersten Albums der kanadischen Metalband „Hedonist“. Doch bei deren Zukunftsvisionen sind Tierknochen noch das Harmloseste: Es ist eine Welt aus universalem Tod und Wahnsinn, deren Zeichen hier gelesen werden. Die vierköpfige Death-Metal-Formation bewegt sich darin wie in einem Panzer. Keine dieser modernen High-Tech-Zerstörungsmaschinen, sondern ein langsam vor sich hin gurgelnder, dieselstinkender Kampfkoloss. Vor einem solchen ließ man sich im einzigen bislang existierenden Bandfoto ablichten, und nur deshalb sei hier der Verweis auf die monothematisch dem Krieg gewidmete britische Band „Bolt Thrower“ gestattet; eine Referenz, die auch musikalisch gilt. Denn eigentlich steht „Hedonist“ in ihrer geradlinig-entfesselten Aggressivität für sich selbst. Der Opener „Execution Wheel“ beginnt mit einem Geräusch, das von einem abstürzenden Kampfflugzeug stammen könnte, und dann rumpelt, groovt und stampft die Bass- und Gitarrenwalze auch schon los. Zunächst Midtempo, wobei sich rasch die gutturalen Growls von Sängerin und Bassistin Athena über die Saiteninstrumente und das Basstrommelgewitter legen. Während der Gesang mit einem wütend ausgestoßenen Schrei in Angriffsmodus übergeht, stürmen die melodiösen Gitarrenriffs mit Vollgas nach vorne. „Barbarian“, „Engines of War“, „Hidden Corpse“ lauten die Songtitel, und es sind nicht die Texte, an denen das aus der Anarcho-Black-Metal/Crust-Band „Iskra“ hervorgegangene Quartett am meisten getüftelt hat. Vielmehr sind es musikalische Arrangements der Death-Metal-Spitzenklasse, dank derer „Scapulimancy“ nicht nur sämtliche Veröffentlichungen des Genres im Jahr 2025 weit hinter sich lässt: Aggressiv, brutal, kompromisslos und doch mit melodischen Parts und packenden Grooves versehen, was das Ausnahmealbum nahezu tanzbar macht.

