Hedonist: Der Gestank des Krieges

von | 02.01.2026

Grobkörnig, gnadenlos, genial gut: Die kanadische Death Metal-Band Hedonist. (Foto: Hedonist)

Skapulimantie ist eine archaische Form der Wahrsagerei, bei der die Schulterknochen von Tieren nach deren Schlachtung zu Rate gezogen werden. „Scapulimancy“ ist auch der Titel des ersten Albums der kanadischen Metalband „Hedonist“. Doch bei deren Zukunftsvisionen sind Tierknochen noch das Harmloseste: Es ist eine Welt aus universalem Tod und Wahnsinn, deren Zeichen hier gelesen werden. Die vierköpfige Death-Metal-Formation bewegt sich darin wie in einem Panzer. Keine dieser modernen High-Tech-Zerstörungsmaschinen, sondern ein langsam vor sich hin gurgelnder, dieselstinkender Kampfkoloss. Vor einem solchen ließ man sich im einzigen bislang existierenden Bandfoto ablichten, und nur deshalb sei hier der Verweis auf die monothematisch dem Krieg gewidmete britische Band „Bolt Thrower“ gestattet; eine Referenz, die auch musikalisch gilt. Denn eigentlich steht „Hedonist“ in ihrer geradlinig-entfesselten Aggressivität für sich selbst. Der Opener „Execution Wheel“ beginnt mit einem Geräusch, das von einem abstürzenden Kampfflugzeug stammen könnte, und dann rumpelt, groovt und stampft die Bass- und Gitarrenwalze auch schon los. Zunächst Midtempo, wobei sich rasch die gutturalen Growls von Sängerin und Bassistin Athena über die Saiteninstrumente und das Basstrommelgewitter legen. Während der Gesang mit einem wütend ausgestoßenen Schrei in Angriffsmodus übergeht, stürmen die melodiösen Gitarrenriffs mit Vollgas nach vorne. „Barbarian“, „Engines of War“, „Hidden Corpse“ lauten die Songtitel, und es sind nicht die Texte, an denen das aus der Anarcho-Black-Metal/Crust-Band „Iskra“ hervorgegangene Quartett am meisten getüftelt hat. Vielmehr sind es musikalische Arrangements der Death-Metal-Spitzenklasse, dank derer „Scapulimancy“ nicht nur sämtliche Veröffentlichungen des Genres im Jahr 2025 weit hinter sich lässt: Aggressiv, brutal, kompromisslos und doch mit melodischen Parts und packenden Grooves versehen, was das Ausnahmealbum nahezu tanzbar macht.

Hedonist: Scapulimancy. Southern Lord Records, August 2025.

Hedonist: The stench of war

Scapulimancy is an archaic form of divination in which the shoulder bones of animals are consulted after they have been slaughtered. “Scapulimancy” is also the title of the first album by Canadian metal band “Hedonist.” But their visions of the future are much darker than just animal bones: what is read here are the signs of a world of universal death and madness, through which the four-piece death metal formation moves like in a tank. Not one of those modern high-tech machines of destruction, but a slowly gurgling, diesel-stinking combat colossus. The band had their only existing band photo taken in front of one such tank, and that is the sole reason why a reference to the British band Bolt Thrower, monothematically dedicated to war, seems acceptable – a reference that also applies musically. Because really, “Hedonist” stand on their own with their straightforward, unbridled aggressiveness. The opener “Execution Wheel” begins with a sound that could come from a crashing fighter plane, and then the bass and guitar steamroller rumbles, grooves, and stomps its way into action. It starts off at mid-tempo, with the guttural growls of singer and bassist Athena quickly rising above the string instruments and the thunder of the bass drum. Then come full-on, melodic, charging guitar riffs, while the vocals shift into attack mode with barking shouts. “Barbarian,” “Engines of War,” “Hidden Corpse” are the song titles, and it is not the lyrics that the quartet – which emerged from the anarcho-black metal/crust outfit “Iskra” – have spent the most time tinkering with. Rather it is the world-class death metal arrangements that ensure “Scapulimancy” leaves not only other releases in its own genre in 2025 far behind: aggressive, brutal, relentless, yet infused with melodic passages and gripping grooves that make this exceptional album almost danceable. As much as one hopes that this monster from British Columbia will soon roll across European concert stages, the debut album by Hedonist is already, even as a recording, a sardonic, malicious statement perfectly in tune with the times.

Hedonist: Scapulimancy. Southern Lord Records, August 2025.

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