GENDER: Die Hausfrau ist tot, es lebe die Teilzeit-Mutti

von | 15.11.2007

Erwerbsarbeit ist in. Doch statt des Kochlöffels schwingen die Frauen noch längst nicht das Zepter in der Arbeitswelt. Mit Halbtagsjobs sorgen sie für heile Welt – daheim und im Betrieb.

Früher Zeichen sozialen Aufstiegs, heute Auslauf-modell: die Hausfrauen-Ehe (Illustration: Internet)

Still und heimlich hat es sich davon gemacht, das in Luxemburg einst so beliebte Hausfrauenmodell. Nur noch vier Prozent der jungen Frauen in Luxemburg haben laut einer Umfrage vor, nach der Geburt eines Kindes ihre Erwerbstätigkeit aufzugeben, so die Soziologin Blandine Lejealle anlässlich einer Pressekonferenz des Chancengleichheitsministeriums am Mittwoch. Dies entspricht der langsam aber stetig steigenden Frauenerwerbsrate. Auch wenn die noch längst nicht den europäischen Durchschnitt erreicht hat (54,6% gegenüber 58,4% im Jahr 2006) und zu großen Teilen der Erwerbsfreudigkeit von Grenzgängerinnen und ansässigen Ausländerinnen zu verdanken ist, so hat sich doch gerade die Erwerbstätigkeit der „Stacklëtzebuergerinnen“ überproportional entwickelt.

Doch Chancengleichheitsministerin Jacobs und die anwesenden WissenschaftlerInnen verheimlichten nicht, dass die Zunahme der Erwerbstätigkeit vor allem auf Teilzeitarbeit beruht. Über ein Drittel der beruflich aktiven Frauen verzichten auf Vollzeitarbeit. Während Industrie und Handwerk die Frauen immer noch wenig locken, sind etwa die Staatsdienste dabei zu einem Frauensektor zu werden. Klar, Teilzeitarbeit ist eben in der Verwaltung am einfachsten umzusetzen.

Doch durch Teilzeitarbeit wird nicht nur die Rollenaufteilung in den Familien zementiert – nach dem Motto: Das bisschen Haushalt und Kindererziehung schafft die Teilzeit-Mutter auch noch. Nach einer Scheidung steht sie zudem finanziell nicht viel besser da als die Nur-Hausfrau, sondern verbleibt in der finanziellen Abhängigkeit vom Ex-Partner. Und ganz nebenbei werden traditionelle Rollenmuster an die nächsten Generationen weitergereicht. Kein Wunder, dass in einer Umfrage mit Girls Day-Teilnehmerinnen schon Fünfzehnjährige vom Teilzeitjob nach dem Kinderkriegen reden.

Auch im Betrieb spielen die Teilzeitfrauen häufig genug eine untergeordnete Rolle. Nach dem Motto „Les absentes ont tort“ werden Entscheidungen oft an ihnen vorbei getroffen. Und Vorwärtskommen im Betrieb ist eher die Ausnahme. Da werden wohl auch die von der Chancengleichheitsministerin vorgestellten „plans d’actions positives“ wenig ändern, mit denen Betriebe finanziell gelockt werden sollen, für mehr Geschlechtergleichheit zu sorgen.

Trotzdem gibt es Grund, optimistisch in die Zukunft zu blicken: Schulabgängerinnen mit hohen Abschlüssen sind im Kommen. Es ist vorauszusehen, dass besser ausgebildete Frauen sich immer weniger mit Teilzeitarbeit zufriedengeben und die Kinderphase anders zu gestalten versuchen. Damit sind die Männer stärker gefordert, ihre familiäre Verantwortung zu übernehmen. Und die leidige Diskussion ums Rentensplitting: Vielleicht wird sie sich irgendwann von selbst erledigen.

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