Der Kleinbürger

von | 18.02.2010

Er gilt als einer der „Nationalmaler“ Luxemburgs. Seine Kunst ist jedoch vor allem eines: konventionell.

MALEREI

Joseph Kutter (1894 – 1941) ist das nationale Aushängeschild der Luxemburger Kultur ? ein Klassiker sozusagen. Wer kennt nicht seine Clowns, seine Darstellungen von Frauen und Kindern oder seine Landschaftsbilder.

Dennoch zeichnet sich seine Kunst vor allem durch eines aus: Stillstand. Und das nicht nur im übertragenen Sinne – aus seinen Bildern strömt eine gewisse spießbürgerliche Enge – sondern auch im figurativen Sinne. Bewegung kommt in den Bildern von Kutter nicht vor. Es sind vor allem Stillleben, die sein Werk auszeichnen. Inspirationsquelle seiner Malerei war – zumindest auf den ersten Blick – weniger die Auseinandersetzung mit Literatur oder Politik, als vielmehr die Abbildung der eigenen familiären Umgebung sowie gewisser Reiseimpressionen und Stadtansichten. Er bevorzugte das klassische Modell statt in seinen Gemälden und Zeichnungen hintergründige Fragen aufzuwerfen oder gesellschaftliche Kontexte zu ergründen. Was gerade in seiner Epoche erstaunt – immerhin wurden Kutters Bilder unter den Nationalsozialisten sogar der entarteten Kunst zugerechnet.

Thematisch war Joseph Kutter nie politisch und nie wirklich revolutionär. Stilistisch hat er sich zwar an einigen „modernen“ Zeitgenossen wie Paul Cézanne inspiriert. Den Weg der figurativen Kunst hat er jedoch nie wirklich verlassen. Am Ende seines Lebens durchbricht noch am ehesten die Clown-Serie seine konventionelle Malart: Hier führt Kutter eine symbolistische Auseinandersetzung mit Leben und Tod.

Um sich das Werk von Kutter erneut vor Augen zu führen, bietet sich noch bis Ende März die Ausstellung „Les peintures et dessins de Joseph Kutter“ im Musée National d’Histoire et d’Art (MNHA) an. Eine Ausstellung, die durch eine großzügige Stiftung zu Stande kam: Catherine Meyer-Kutter hat dem MNHA rund 42 Werke ihres Vaters vermacht, darunter 15 Ölgemälde und etliche Gouache-, Pastell- und Kohlezeichnungen.

Überraschend ist hier einzig die fast ins karikaturale gehende Leichtigkeit einiger Zeichnungen sowie einige Ölgemälde, die durch ihre pulsierende, kontrastreiche Farbwahl und kubistisch-expressionistische Darstellung von Küstenlandschaften zu schwingen scheinen. Schade, dass der Zuschauer bei der Ausstellung nicht mehr über die Umstände und Schaffensbedingungen von Kutter erfährt, denn eigentlich ist dessen Biografie schon interessant: Wohl nicht viele Luxemburger hatten zu Anfang des 20. Jahrhunderts, die Möglichkeit im Ausland eine Kunstausbildung zu machen.

Zu sehen im Musée National d’Histoire et d’Art (MNHA) bis Ende März.

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