Angewandte Kasuistik

von | 22.12.2011

Es klang alles so wundervoll: Die Allianz der Atheisten und Agnostiker (AHA) traf diesen Montag auf den neuen Erzbischof Hollerich und wollte dem heiligen Herrn mal klar die Meinung geigen. Herausgekommen ist aber eher das Gegenteil. Denn der Jesuit ist mit den Nichtgläubigen Schlittschuh gefahren und hat sie so ausgetrickst, dass sie es nicht einmal sofort bemerkt haben. Waren die Ansichten über die Begegnung am Anfang noch durchaus positiv – man war sich näher gekommen in Sachen Katechismus und auch eine finanzielle Trennung von Kirche und Staat wurde kurz angesprochen, dann aber zügig auf Sankt-Nimmerleinstag verschoben – so stieß Hollerich der AHA auf seiner Pressekonferenz, die er nach der Begegnung anberaumt hatte, das Messer in den Rücken. Auf einmal stellte er fest, dass es für ihn keinen werteneutralen Unterricht geben könne und dass er bereit sei den puren Katechismus abzuschwächen um ihn durch einen „Glaubensunterricht“ zu ersetzen. In anderen Worten: Nichts ändert sich, alles wird bloß neu verpackt. Und die Atheisten dürfen sich zwar über die inszenierte Dialogbereitschaft freuen, ernst genommen werden sie dafür aber noch lange nicht.

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