Willis Tipps
: Juli 2018

von | 19.07.2018

Eine ivorische Diva

Die ElfenbeinkĂŒste und die Stadt Abidjan waren lange das Mekka fĂŒr afrikanische Kunst und Musik, bis MilitĂ€rputsch und BĂŒrgerkrieg dem ein trauriges Ende setzten. Um so schöner ist es, wieder etwas von Dobet GnahorĂ© zu hören, die 1999 von dort fliehen musste. Sie hat nach ihrem Debut 2004 jetzt mit Miziki ihre fĂŒnfte Platte herausgebracht, die alles, was man von modernen Produktionen klanglich erwarten kann, enthĂ€lt und unĂŒberhörbar ivorisch ist. GnahorĂ© singt auf Französisch und auf BĂ©té – einer der 70 Sprachen in der CĂŽte d’Ivoire – Balladen und muntere Up-Tempo-Nummern, die auch mal richtig rockig werden. Bis auf ein StĂŒck stammen alle Kompositionen von GnahorĂ©. Die Texte sind oft politisch: „Education“ verlangt Schulbildung fĂŒr alle Kinder, „Akissi la Rebelle“ feiert die selbstbewusste afrikanische Frau. Mit markanter und variabler Stimme zelebriert GnahorĂ© 12 StĂŒcke besten ivorischen Afro-Pops, klanglich voll auf Höhe der Zeit und doch in der Tradition verwurzelt.


Dobet Gnahor頖 Miziki (LA Café)


Iranische Klangperlen


Persische bzw. iranische Musik hatte schon vor Jahrhunderten erheblichen Einfluss auf die Kulturen der Nachbarregionen, bis hin nach Nordindien. Auf DelĂąshena lĂ€sst sich bestens erkunden, worin die Faszination dieser Musik besteht. Shadi Fathi, die in Teheran in eine kurdisch-iranische Familie geboren wurde, spielt bravourös das uralte Saiteninstrument Setar und die daraus spĂ€ter entwickelte Shourangiz. Bijan Chemirani, Spezialist fĂŒr persische Perkussionsinstrumente wie die klassische Zarb, ist seit vielen Jahren ein begehrter musikalischer Begleiter zahlreicher bekannter KĂŒnstler. Er wuchs in einer Musikerfamilie auf, die in den 1960er-Jahren von Iran nach Frankreich umsiedelte. In Marseille trafen beide vor 2 Jahren aufeinander und haben jetzt ein erstes Album veröffentlicht, bei dem das perfekte Zusammenspiel ĂŒberzeugt und auf dem Shadi Fathi auch 2 Gedichte rezitiert. Eine hoch spannende und intensive Platte, die die Zuhörer in die Welt aktueller iranischer Instrumentalmusik entfĂŒhrt und nur dann enttĂ€uscht, wenn sie nach 50 Minuten endet.

Shadi Fathi & Bijan Chemirani – DelĂąshena (Buda Musique)


Die Renaissance der Sami-Musik

Solju ist ein Mutter-Tochter-Duo aus Finnland. Beide gehören dem Volk der Sami an, einem der europĂ€ischen Urvölker auf dem heutigen Gebiet von Schweden, Norwegen, Russland und Finnland. Nachdem sie jahrhundertelang gravierender Diskriminierung und UnterdrĂŒckung ausgesetzt waren, scheint die Kultur der Sami aktuell eine echte Renaissance zu erleben. Ulla PirttijĂ€rvi und HildĂĄ LĂ€nsman, alias Solju, beherrschen den einzigartigen traditionellen Sami-Gesang Joik, der annĂ€herungsweise wie eine freie Form improvisierten Jodelns klingt, aus dem Effeff. Die Begleitung reicht vom Einsatz ĂŒblicher akustischer Instrumente ĂŒber den Synthesizer bis zum Streicherensemble und trĂ€gt die samischen Kompositionen einfĂŒhlsam. Der Name des Albums von Solju, Odda Àigodat (Neue Zeiten), beschreibt passend, wie hier die Tradition der Sami beeindruckend innovativ in die Gegenwart transportiert wird. Wer diesen leider immer noch recht weißen Fleck auf der musikalischen Landkarte Europas erkunden will, muss hier zugreifen.

Solju – Odda Áigodat/New Times – (Bafe’s Factory/Nordic Notes)


Juli – Top 20

1. Fatoumata Diawara – Fenfo (Shanachie/ Wagram) Mali
2. Catrin Finch & Seckou Keita – Soar (Bendigedig) GB/Wales/Senegal
3. Dobet Gnahoré – Miziki (LA CafĂ©) ElfenbeinkĂŒste
4. The Turbans – The Turbans (Six Degrees) GB/Fusion
5. Samba Touré – Wande (Glitterbeat) Mali
6. Shadi Fathi & Bijan Chemirani – DelĂąshena (Buda Musique) Iran
7. Toko Telo – Diavola (Anio) Madagaskar
8. Koum Tara – Koum Tara (Odradek) F/Algerien
9. Nancy Vieira – ManhĂŁ Florida (Lusafrica) Kap Verden
10. El NaĂĄn – La Danza de las Semillas (El NaĂĄn) Spanien
11. Monsieur Doumani – Angathin (Monsieur Doumani) Zypern
12. Bombino – Deran (Partisan) Niger
13. Ammar 808 -– Maghreb United (Glitterbeat) Tunesien/Algerien/Marokko
14. Solju – Odda Áigodat (Bafe’s Factory/Nordic Notes) Finnland
15. Amsterdam Klezmer Band & Söndörgo – Szikra (Vetnasj) NL/Ungarn
16. Arat Kilo, Mamani KeĂŻta, Mike Ladd – Visions of Selam (Accords CroisĂ©s) F/Mali/USA
17. Rahim AlHaj Trio – One Sky (Smithsonian Folkways) Irak
18. Anandi Bhattacharya – Joys Abound (Riverboat) Indien
19. Djeneba & Fousco – Kayeba Khasso (Lusafrica) Mali
20. Invisible System – Bamako Sessions (Riverboat) GB/Mali

Die TWMC TOP 20/40 bei: http://www.transglobalwmc.com/ und bei Facebook „Mondophon auf Radio ARA“ und www.woxx.lu/author/Klopottek.

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