RADWEGE: Langsam und verkehrt

von | 16.08.2013

Das Radfahren soll als Teil des Langsamverkehrs gefördert werden. Doch „langsam“ steht auch für den nur schleppend vorankommenden Bau von Radwegen und das mutwillige Ausbremsen der Zweiräder.

Nachhaltigkeitsminister Claude Wiseler setzt auf den Radverkehr als Alternative zum Autofahren. Das jedenfalls konnte man meinen, als er Anfang Juli die Reform des Gesetzes zum nationalen Radwegenetz vorstellte (woxx 1222). Einerseits soll der Ausbau der geplanten Routen vorangetrieben werden, andererseits sollen die Menschen die Radwege nicht nur für Sport und Freizeit nutzen können, sondern auch als normale Verkehrsverbindungen.

Dass die plötzliche Liebe zum Radfahren etwas mit den anstehenden Neuwahlen zu tun hat, lässt sich nicht ausschließen. Doch die Idee, dank attraktiver Radwege einen Teil der kurzen Fahrten vom Auto auf das Zweirad umzulenken, ergibt Sinn. Die vorgestellte Reform dient sonder Zweifel der Förderung des Radverkehrs als Teil der sanften Mobilität (zu der auch zu Fuß gehen und öffentlicher Transport gehören).

Störend ist allerdings das, was die Velosinitiativ (LVI) in ihrem jüngsten „Info“ als „die unerklärliche Trägheit des Werdens“ bezeichnet: dass es oft eine Ewigkeit dauert, bevor ein geplanter Radweg zustande kommt. Im Editorial zählen die RadfreundInnen gleich sieben wichtige Radverbindungen auf, die noch immer nicht gebaut sind – und zum Teil seit über vier Jahren in Planung sind. So beteiligte sich Claude Wiseler wenige Tage nach seiner Pressekonferenz an der Eröffnung der ostbelgischen Vennbahn, dem längsten grenzüberschreitenden Radweg Europas, der auf einer ehemaligen Eisenbahntrasse verläuft. Doch obwohl sich Luxemburg mit anderthalb Millionen Euro an dem Projekt beteiligt hat, hört die Trasse in Ulflingen auf. Man könne von dort aus die Fahrt bis in die Hauptstadt fortsetzen, heißt es im Pressedossier – mit dem Zug nämlich. Die Anbindung an die luxemburgischen Radwege PC21 und PC16 fehlt immer noch, entnimmt man dem LVI-Info.

Doch nicht nur die „Trägheit des Werdens“ nährt Skepsis an der Glaubwürdigkeit der Radförderpolitik von Minister Wiseler. Zwei Antworten des Nachhaltigkeitsministeriums auf Fragen des LVI zu Radwegen in der Hauptstadt zeigen die Grenzen dessen, was dort als machbar angesehen wird. Bei der Neugestaltung der „Nei Bréck“ sei kein Fahrradweg vorgesehen, weil sich die Brücke aus Denkmalschutzgründen nur um anderthalb Meter verbreitern lasse. Statt drei Fahrspuren für Autos werde es nur noch zwei geben – eine Absenkung auf eine komme allerdings nicht in Frage. Denn dies würde, so das Ministerium, zu einer schwerwiegenden Beeinträchtigung des Verkehrsflusses führen, zum Nachteil auch der sanften Mobilität (sic).

Auch die Neugestaltung der „Roud Bréck“ im Rahmen des Tramprojektes fällt nicht zur Zufriedenheit des LVI aus. Bisher befand sich auf beiden Seiten der Brücke ein für Fahrräder nutzbarer Fußweg. Doch künftig soll der Radverkehr auf der Südseite der Brücke verlaufen, was vor allem unangenehm ist, wenn man von Limpertsberg kommend zum Boulevard Adenauer will: man muss zwei Mal die breite Straße überqueren. Dies sei absurd, inakzeptabel und widerpreche der Förderung der sanften Mobilität auf Kirchberg, so die LVI. Das Ministerium aber findet den Vorwurf „übertrieben“: weil die Radfahrer die Fahrbahn viel schneller überqueren könnten, sei dies zumutbar. Vielleicht sollten die VerfasserInnen solcher Antworten einmal probeweise mit dem Rad zur Arbeit fahren und ausprobieren, wie es sich anfühlt, von im Ein-Minuten-Takt geschalteten Ampeln aufgehalten zu werden.

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