Stolpersteine für Differdingen

von | 31.10.2014

Foto: Claude Piscitelli

(avt) – Vergangenen Dienstag wurden in der Cité du fer 15 Stolpersteine für jüdische BürgerInnen verlegt, die aus Differdingen deportiert wurden. Die Initiative für das Erinnerungsprojekt ging von dem ehemaligen DP-Gemeinderat Michel Braquet aus, der das Projekt mittels einer Motion im April 2013 im Gemeinderat angestoßen hatte. Der Künstler Gunter Demnig, der europaweit mittlerweile rund 48 000 Stolpersteine verlegt hat, verlegte die Steine vor den damaligen Wohnhäusern der Deportierten. Die Kritik, die vor allem in Deutschland in den letzten Jahren an seinem Erinnerungsprojekt aufgekommen ist – die Namen der Opfer würden buchstäblich mit Füßen getreten – will Demnig nicht gelten lassen. Vielmehr seien die Messing-Steine so konzipiert, dass man sie durch das Darauftreten zusätzlich poliere. Ihr eigentlicher Sinn ist jedoch, dass man sich vor den Opfern verbeugt, durch die Namen an sie erinnert wird und zugleich über die unrühmliche Geschichte stolpert. Rund 90 Juden lebten im Mai 1940 in Differdingen. Mit der Deportation der Witwe Fuhrleiser, die trotz ihrer Ganzkörperlähmung am 6. August 1942 nach Fünfbrunnen verschleppt wurde, galt Differdingen nach NS-Terminologie als „judenrein“. Der Historiker Cédric Faltz hat in den vergangenen Monaten die Schicksale der aus Differdingen deportierten Menschen recherchiert. Die daraus entstandene Ausstellung ist noch bis zum 2. November im Differdinger Stadthaus zu sehen und wird danach als Wanderausstellung an verschiedenen Schulen Luxemburgs, zunächst am LTMA in Petingen gezeigt. Bürgermeister Traversini hatte sich anlässlich der Vernissage als erster politischer Repräsentant öffentlich für die Kollaboration seiner Gemeinde mit dem NS-Regime entschuldigt. Faltz kommt in seinen Recherchen zu dem Schluss, dass die kommunale Behörde seinerzeit mit Hilfe ihres Bürgermeisters Pierre Gansen, mit der deutschen Besatzungsmacht kollaboriert und durch ihren Übereifer die Nationalsozialisten bei ihren Taten unterstützt hat. Ende des Jahres wird auch die nationale Historikerkommission dem Premier ihren Abschlussbericht über die Kollaboration Luxemburgs im Zweiten Weltkrieg vorlegen.

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