Aerowaves Dance Festival: Tanzende Krebszellen

Die Abtei Neimënster und das TROIS C-L laden einige der vielversprechendsten Tanzkünstler*innen Europas ins Großherzogtum ein. Beim Aerowaves Dance Festival präsentieren auch zwei Luxemburgerinnen ihre Kreationen.

Das europäische Netzwerk Aerowaves wählt jedes Jahr zwanzig begabte Choreograph*innen aus und verschafft ihnen unter anderem Auftritte in ganz Europa. Vom 31. August bis zum 4. September sind zehn von ihnen in der Abtei Neimënster zu Gast. (Foto: Cottonbro)

Aerowaves hat nichts mit Luftströmen oder Wellenreiten zu tun: Es handelt sich dabei um ein Tanzfestival, das vom 31. August bis zum 4. September in der Abtei Neimënster stattfindet. Über vier Tage hinweg kommen zehn aufstrebende Choreograph*innen und Tänzer*innen Europas zusammen, darunter die Luxemburger*innen Anne-Mareike Hess und Léa Tirabasso.

Der Titel des Festivals geht auf das gleichnamige Netzwerk zurück, eine Organisation, die seit 1996 jedes Jahr zwanzig europäische Tanzkünstler*innen auswählt, deren Arbeit sie unterstützt. Hess und Tirabasso wurden beide 2020 auserkoren. Die anderen Künstler*innen, die beim Festival im Neimënster ihre Arbeiten präsentieren, sind Laureat*innen aus den Jahren 2020 und 2021.

Aerowaves ist ein „hub for discovery“, wie es auf der Website der Plattform heißt. Dieser „hub“ besteht aus 44 paneuropäischen Partnerorganisationen, verteilt über 33 Länder. Die vierte Auflage des Festivals in Neimënster ist eine von vielen europaweiten Veranstaltungen, die die Tanzszene vernetzen und Stars von Morgen eine Bühne geben sollen.

Anne Mareike Hess hat bereits mit Größen der Tanzszene wie William Forsythe, langjähriger Leiter des Frankfurter Balletts, zusammengearbeitet. Sie war auf Festivals in Europa und Kanada vertreten und hat 2017 für das Escher Theater sowie das Grand Théâtre de la Ville de Luxembourg gearbeitet. Im Neimënster führt sie ihre Solo-Show „Warrior“ auf – ihre erste abendfüllende Einzel-Performance, die 2018 Premiere feierte.

Foto: Károly Csorba

Hess’ zeitgenössischer Tanz spiegelt innere Zerrissenheit, menschliche Fragilität und den Kampf mit Emotionen wieder. Die Choreographin und Tänzerin trägt mal ein Kostüm, das nach Schaumstoff-Schablone aussieht, mal Shorts und T-Shirt. Ihr Blick ist immer fordernd, vereinnahmend. Ihre Bewegungen werden von einem Summen und pulsierenden Beats begleitet.

In Léa Tirabasso Stück „The Ephemeral Life of an Octopus“ packen hingegen Krebszellen die Tanzschuhe aus: Die luxemburgische Choreographin hat sich für diesen Tanz an der Entwicklung von Krebszellen orientiert. Mit einem Oktopus hat das Ganze zumindest auf den ersten Blick wenig zu tun. Vielmehr geht es um die Eigenartigkeit des Körpers, um Krankheit und Lebensenergie. Darüber hinaus hinterfragt Tirabasso politische und soziale Konstrukte, die für sie nicht aufgehen.

Im Trailer zu dem Stück sind Menschen in Badehosen und Bikinis, verdrehte, zuckende Körper zu sehen, die sich zu einer Mischung aus klassischer Musik, Elektro und einem Rauschen bewegen. Tirabasso arbeitet seit 2013 an eigenen Produktionen, die sowohl in Europa – Frankreich, Deutschland, Luxemburg, Spanien, Großbritannien – als auch in Südkorea aufgeführt wurden.

Aerowaves. Dance festival Luxembourg. Vom 31. August bis zum 3. September. Informationen zum Ticketkauf und dem Programm gibt es auf neimenster.lu

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