Mitteleuropa-Fusion
Die beiden Länder Ungarn und Polen sind trotz ihrer geographischen Nähe kulturell erstaunlich unterschiedlich. Das drückt nicht nur in den sehr unterschiedlichen Sprachen aus, sondern auch in der traditionellen Folkmusik. Jetzt haben sich die Sängerin Balogh Melinda, die Gruppe Erdöfü, beide aus Ungarn, mit dem polnischen Ensemble Janusz Prusinowski Kompania zusammengetan. Gemeinsam haben sie das Album Miedza-Mezsgye-Balk aufgenommen, bei dem sie Tanzmelodien und Lieder der ungarischen Minderheit im rumänischen Transsylvanien und aus der nordpolnischen Kurpie-Region zusammenbringen. So hört man ungarischen Csárdás, sowie die polnischen Rhythmen Mazurek und Oberek. Ein Stück entstammt dem slowakischen Roma-Repertoire und einem ungarischen Liedertext haben sie eine polnische Folkmelodie unterlegt. Solch unterschiedlichen Stile vernünftig auf eine Platte zu bringen, verlangt ein hohes Niveau an musikalischer Kompetenz, die die erfahrenen Musiker*innen mitbringen. Über den vielen Streichern sowie Akkordeon und Perkussion strahlt die Stimme von Balogh Melinda.
Balogh Melinda, Erdöfü, Janusz Prusinowski Kompania – Miedza Mezsgye Balk – Fonó
Touareg elektrisch
Die Gruppe Tamikrest hat sich 2006 gegründet und nun ihr sechstes Album Assikel veröffentlicht. Sie ist seit vielen Jahren eine der führenden musikalischen Ensembles der Touareg, die sich selbst Kel Tamasheq nennen und in der Sahara und in Nordwestafrika zu Hause sind und auch heute noch teilweise ein nomadisches Leben führen. Sie besitzen nicht nur eine eigene Sprache, sondern benutzten in ihrer Musik traditionelle Instrumente. Junge Musiker*innen der Toureg entdeckten früh, dass elektrisch verstärkte Gitarren und Bässe bestens geeignet sind, um ihre Musik zu modernisieren, ohne ihren Kern zu beschädigen. Das beweist Tamikrest auch auf dem aktuellen Album, auf dem hier und da auch ein Synthesizer zum Einsatz kommt. Heute kooperieren zwei Gründungsmitglieder, die aus dem Grenzgebiet von Algerien und Mali kommen, mit zwei Franzosen, Die acht Songs, die mit Gastmusiker*innen eingespielt wurden, grooven im mittleren Tempo und weisen stimmungsmäßig eine Nähe zum Blues auf und haben dazu oft einen deutlichen Rock-Appeal. Eine entspannte, und gleichzeitig spannende, moderne musikalische Reise durch die Sahara.
Tamikrest – Assikel – Glitterbeat
Korsische Legenden
Innerhalb gut eines Jahres zwei Alben zu veröffentlichen, ist heute – in der Weltmusikszene erst recht – selten geworden. Das korsische Ensemble L’Alba hat jetzt das getan und überrascht mit einem dichten Livealbum – dem ersten in ihrer Karriere. Die Gruppe hat sich Anfang der 1990er-Jahre gegründet und sich initial recht strikt an der überlieferten Tradition orientiert. Das Markenzeichen der zu Frankreich gehörenden Mittelmeerinsel ist der polyphone Gesang, der zunächst nur von Männern praktiziert wurde. Im Laufe der Zeit – von Puristen gar nicht goutiert – öffneten sich die Musiker*innen auch anderen Einflüssen. So lässt sich L’Alba ebenso von Klängen aus Italien, Portugal, Griechenland und Nordafrika inspirieren. Beim Gesang, sei er a cappella oder begleitet, im Chor oder solo vorgetragen, lässt sich die Gruppe aber unzweifelhaft auf ihrer Heimatinsel verorten. Auf dem Livealbum Vivu, das auf Korsika und in Kopenhagen aufgenommen wurde, setzt das Septett zahlreiche Instrumente ein, wie Gitarren, Mandoline, Geige, gelegentlich ein Harmonium, sowie Flöten und einen E-Bass. Prägend ist allerdings der erstklassige Gesang in korsischer Sprache.
L’Alba – Vivu – Buda Musique
Bhangra-Revival
In Großbritannien leben viele Menschen, deren familiäre Wurzeln in Indien liegen und die die dortige Musik schätzen. Neben der klassischen indischen Musik entstanden im Vereinten Königreich moderne Formen, die sich aus traditionellen Stilen speisten und mit angesagten Trends verbunden wurden. Unter den jungen Musiker*innen mit indischem Background erfreute sich die Musik aus dem nordindischen Punjab besonderer Beliebtheit. Den traditionellen, perkussiven Bhangra-Stil von dort, in dem Trommeln dominieren, brachten sie seit den 1980ern unter Hinzufügung knalliger Beats, Hip-Hop und Elektronik in eine aufregende, bestens tanzbare moderne Form. Dieser neue, modernisierte Bhangra eroberte nicht nur die Tanzflächen im Vereinigten Königreich, sondern fand in ganz Europa und den USA begeisterte Zuhörer*innen. Einer der Superstars war Panjabi MC. Später wurde es still um den Bhangra. Jetzt hat der legendäre Produzent Kuljit Bhamra das Album Desi, the Soul of Punjab herausgebracht, auf dem er acht aktuelle britisch-indische Gruppen und Sänger*innen präsentiert, die beweisen, dass diese Musik nichts von ihrer Faszination verloren hat. Ein starkes Revival für Kenner*innen und Neueinsteiger*innen.
V.A. – Desi, The Soul of Punjab – ARC Music
World Music Charts Europe – Top 20
1. L’Alba– Vivu – Buda Musique
2. New Era Quartet – Bridge to Sevdah – Snail Records
3. Mah Damba – Taabolo Koura – One World Records
4. Balogh Melinda, Erdöfü, Janusz Prusinowski Kompania – Miedza Mezsgye Balk – Fonó
5. Sakina Teyna – Suret, Faces and Images – Dreyer Gaido
6. Nana Osei Twum Barima – Journey to the Unknown – Zephyrus
7. Maria Kalaniemi & Timo Alakotila – Morgondimma – Akerö
8. Naked & Lakatos Mónika FolkTrio – Neked – Adriatica Records
9. Paolo Angeli & Tenore de Murales Orgosolo – Vinti e Maju – AnMa
10. Le Diable à Cinq – Indomptable – Le Diable à Cinq
11. Airto Moreira & Ricardo Bacelar – Maracanós – Jasmin Music
12. Kareyce Fotso – GWA – Contre Jour
13. Tamikrest – Assikel – Glitterbeat
14. Fatoumata Diawara – Massa – No Format!
15. Hiram Salsano & Marcello de Carolis – Hirundini – MaDeSound
16. Slavyk – 11 Songs of Love & Suffering – CPL–Music
17. Cocanha – Flame Folclore – Bongo Joe
18. Girma Woldemichael – Nafqoté – Girma Woldemichael
19. Gaoussou Sobra Kouyaté – Sobra Dance – One World Records
20. Antti Paalanen – Haitarimarinadi – RockAdillo
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