Back to the Books: Graffiti-Battle und Frauen an Sprühdosen

In den Rotondes werden am Samstag die Sprühdosen gezückt: Die Veranstaltung „Back to the Books“ widmet sich zum dritten Mal ganz der Graffitikunst. Es gibt ein Battle, die Doku „Girl Power“ über Frauen in der Szene und eine erstaunlich männliche Jury.

Beim Graffiti-Battle von „Back to the Books“ treten 24 Künstler*innen gegeneinander an. (Copyright: Back to the Books)

Mit „Back to the Books“ verdonnern die Rotondes niemanden zur Pflichtlektüre und zitieren auch keinen vors Bücherregal. Der Veranstaltungstitel spielt auf die Black Books an: Hefte, die Writer*innen – so heißen Graffiti-
künstler*innen, die vor allem Buchstaben an die Wand bringen – zur Verbesserung ihres Stils nutzen und untereinander austauschen. Die Rotondes stehen am Samstag also im Zeichen der Graffitikunst.

Es gibt unter anderem ein künstlerisches Kräftemessen zwischen Graffitikünstler*innen. Das Urteil über Sieg und Niederlage fällt eine hochkarätig besetzte Jury. Ihre Zusammenstellung verdeutlicht, warum der am Nachmittag gezeigte Dokumentarfilm „Girl Power“ aus dem Jahr 2016 wichtig ist.

Der Film der tschechischen Künstlerin Sany porträtiert Writerinnen aus fünfzehn verschiedenen Ländern. Die Dreharbeiten erstreckten sich über sieben Jahre. Im Trailer zur Doku verschränkt ein Mann die Arme vor der Brust und sagt: „The chicks don’t get the letter structure.“ Die Graffitikünstlerin Lady Pink, die seit 1979 auf der Straße aktiv ist, kontert: „What? You need a penis to write graffiti?“ Der Film kommentiert die Annahme, dass Graffiti eine Männerdomäne ist, kritisch und macht bedeutende Graffitikünstlerinnen sichtbar. Er thematisiert aber auch den Karriereweg der Regisseurin Sany. Die Tschechin führt ein für viele illegal sprühende Graffitikünstler*innen gewöhnliches Doppelleben: Tagsüber arbeitet sie, nachts geht sie mit Sprühdosen auf die Straße. Sie gründete außerdem die weibliche Crew „Girl Power“. Ihr gleichnamiger Film ist die erste Doku, die sich gezielt weiblichen Graffitikünstlerinnen widmet. Für alle, die es am Samstag nicht in die Rotondes schaffen: Es gibt den Film auf DVD.

Ob sich hinter den Konkurrent*innen, die sich am Samstag ein Battle auf den Mauern der Rotondes leisten, Frauen befinden, ist aufgrund der Künstler*innennamen und ihrer Anonymität im Netz unklar. Die dreiköpfige Jury, bestehend aus den Künstlern Dejoe, Sumo und Defo 84, ist rein männlich – und das obwohl der Dokumentarfilm mehrere Künstlerinnen aufzeigt, die sich ebenfalls als Jurymitglied geeignet hätten. Musa71, eine Graffitikünstlerin, die im Film vorkommt, ist sogar am Samstag zur Gesprächsrunde nach der Vorführung in den Rotondes zu Gast.

Ein schwacher Trost: Die ausgewählten Jurymitglieder gehören zur Crème de la Crème der Szene. Sumo gilt seit Jahrzehnten als bedeutendste Figur der luxemburgischen Graffiti-Welt. Die woxx sprach zuletzt 2013 mit ihm über seinen Karriereweg von der Straße zur Galerie der Banque Internationale à Luxembourg (BIL). Der Berliner Dejoe gewann 2019 das Back to the Books-Battle. Defo 84 ist ein bekannter Sprayer aus Brüssel. Die drei trafen bei einem Battle auf Instagram Anfang Oktober eine Vorauswahl: Am Samstag müssen sich noch 24 Kandidat*innen bewähren.

Der Battle findet zwischen 14:00 und 20:30 Uhr auf dem Parvis statt. Es sind 100 Besucher*innen zur gleichen Zeit zugelassen. Das Publikum darf während des Battles selbst zur Sprühdose greifen und sich an einer freien Wand austoben. Der Battle wird von dem Graffitikünstler und Aktivisten der Hip-Hop-Szene MC Yellow animiert. Im Laufe des Nachmittags fertigt er vor Ort ein eigenes Kunstwerk an. Die DJs Jean Marron und DJ PC legen Musik auf. Wer will, kann sich außerdem auf dem Marché Graffiti nach Mitbringseln zum Thema umschauen. „Girl Power“ läuft von 15:00 bis 16:30 Uhr auf der Platforme in den Rotondes. Es gibt dreißig Sitzplätze.

Back to the Books, am 31. Oktober von 14:00 bis 20:30 Uhr in den Rotondes. Eintritt frei.

Anmerkung der Redaktion:
Aufgrund der unvorhersehbaren Entwicklung der sanitären Krise kann 
es kurzfristig zu Programmänderungen 
oder einer Anpassung der Besuchsbedingungen kommen.

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