Biolandwirtschaft: Weit weg vom 20 Prozent-Ziel

von | 29.03.2021

Der Anteil der biologisch bewirtschafteten Fläche ist im letzten Jahr gestiegen, das angestrebte Ziel wird jedoch erst 2040 erreicht werden, wenn die Entwicklung so weitergeht. Die veröffentlichten Zahlen waren auch nicht ganz richtig.

In Luxemburg gibt es noch nicht viel Biolandwirtschaft. Selbst wir mussten dieses Foto von Bio-Salat aus China importieren. (Foto: Macau Photo Agency/Unsplash)

„Wir beobachten in den letzten Jahren eine sehr vielversprechende Entwicklung des ökologischen Landbaus“, freute sich Landwirtschaftsminister Romain Schneider (LSAP) ein gutes Jahr nach der Vorstellung des Bio-Aktionsplans. 7,02 Prozent sei der Anteil der bio-landwirtschaftlich genutzten Fläche im Jahr 2020 gestiegen. Das klingt nach viel, muss aber in Relation zu dem gesteckten Ziel gesehen werden: Lediglich 5,18 Prozent der Agrarfläche Luxemburgs wird biologisch bewirtschaftet. Schneiders Ziel, das er mit dem Bio-Aktionsplan verfolgen wollte, liegt bei 20 Prozent. Außerdem gibt es ein kleines Problem mit den 7,02 Prozent: Die Zahl stimmt nicht.

Die woxx hat sich die Zahlen des Landwirtschaftsministeriums etwas genauer angeschaut und kurz nachgerechnet, um festzustellen, dass die biologisch bewirtschafteten Flächen zwischen 2019 und 2020 nicht um 7,02, sondern um 7,79 Prozent gestiegen sind. Die 7,02 Prozent sollten eigentlich ein Mittelwert der Entwicklung der letzten zehn Jahre sein – jedoch scheint der Kommunikationsabteilung ein Fehler unterlaufen zu sein. Der Mittelwert der Steigerung liegt übrigens tatsächlich leicht unter 7 Prozent. Grundsätzlich würde im Landwirtschaftsministerium mit vielen unterschiedlichen Datenbasen und Berechnungsmethoden gearbeitet – man sei aber dabei, dies zu vereinheitlichen, um der Öffentlichkeit kohärente Daten präsentieren zu können, so der Verantwortlich für die Biolandwirtschaft, Gerber van Vliet zur woxx.

Kritik an der Biolandbau-Politik der Regierung kommt von der Vereenegung fir Biolandwirtschaft Lëtzebuerg. Sie kritisierte in einer Pressemitteilung den Landwirtschaftsminister, der ihrer Meinung nach „nicht viel vorzuweisen“ habe: „Im Gegenteil wird versucht mit Prozentrechnungen Erfolg vorzugaukeln.“ Der Bioaktionsplan sei mit einem Jahr Verspätung in Kraft getreten und der Landwirtschaftsminister zeige bisher wenig Engagement und politischen Willen, die Umsetzung voranzutreiben. Die Hoffnungen, die die Regierung im Koalitionsprogramm geweckt hatte, wurden bisher nicht erfüllt: „So ambitiös die Koalitionsvereinbarungen auf eine Agrarwende abzielen, so mangelhaft der bisherige Einsatz des notwendigen Instrumentariums.“

Die Biolandwirt*innen bemängeln außerdem, dass sie weder in die Ausarbeitung, noch in die Umsetzung des Bio-Aktionsplans eingebunden wurden. Die Agrarwende könne nur gelingen, wenn den Akteur*innen mehr Mitspacherecht zugestanden und mehr Mittel zur Verfügung gestellt würden, so der Interessenverein.

Die eingangs erwähnten 7 Prozent Steigerung sind übrigens kein Rekord: 2015 und 2016 stieg die biologisch bewirtschaftete Fläche jeweils um über 10 Prozent. Nimmt man den groben Durchschnitt von 7 Prozent Steigerung des letzten Jahrzehntes, so stellt man fest, dass es bei dieser Wachstumsrate bis 2040 dauere, bis das 20-Prozent-Ziel der Regierung erreicht wäre.

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