
(© Otto Müller Verlag)
In „Kontinentaldrift“ präsentiert Marianne Jungmaier Reisegeschichten, deren Welthaltigkeit über die zahlreichen Ortswechsel und fast filmisch wirkenden Schauplatzbeschreibungen hinausgeht, auch wenn diese einmal mehr beweisen, dass das innere Auge – mit den richtigen Impulsen gefüttert – Landschaften entwerfen kann, die reale in ihrer
vibrierenden, farbsatten Schönheit übertrumpfen. Wer die Autorin kennt, weiß, dass sie feine Antennen für das Zwischenmenschliche besitzt und gekonnt darüber schreibt, was es heißt, Teil einer über den Globus verstreuten chosen family zu sein. Dabei weist der Titel des Buchs bereits ins Herz dieses so zeitgemäßen Themas: Es ist ein natürliches Auseinanderdriften und Zueinanderfinden, das in den einzelnen Kurzgeschichten skizziert wird, ein ständiges Sich-Begegnen und Abschiednehmen, das zartbitter und hoffnungsvoll ist, denn vielleicht sieht man sich ja doch einmal anderswo, unter veränderten Umständen wieder. Marianne Jungmaiers Stories ermutigen dazu, Wagnisse einzugehen, und zelebrieren das Leben in all seinen Schattierungen. Ein Buch, das in keinem Reisekoffer fehlen sollte.

