Der letzte linke Kleingärtner, Teil 67: Er hat noch nicht fertig

von | 10.09.2026

Aufatmen? Gepeinigtes Zusammenzucken? – Wie immer die Reaktion der woxx-Leserschaft auch ausfallen mag: Der letzte linke Kleingärtner ist wieder da.

Vier Windräder, im Kontrast der Abendhimmel.

In den Wind gewarnt: Der letzte linke Kleingärtner hat in unserer Kolumne die Probleme des Wassermangels vorausgesehen. (Foto: fotoART by Thommy Weiss/ccnull.de/CC-BY 2.0)

Was Autos – und die sind ja gerade auch aus Luxemburg nicht wegzudenken – zugestanden wird, das muss die Menschheit auch dem letzten linken Kleingärtner zugestehen. Ich war in der Reparatur, bekam ein neues Kniegelenk eingesetzt, musste fünf OPs überstehen, weil ich monatelang eine Entzündung hatte, die sich weigerte, Reißaus zu nehmen. Im Fußball gibt es dazu den cleveren Spruch: „Erst hatte ich kein Glück, dann kam noch Pech dazu.“ Und deshalb ist ein unfassbar langes Jahr über keine Gartenkolumne in der woxx erschienen. Das brachte die Zeitung und ihr Publikum – also nahezu die gesamte Menschheit – an den Rand des Aushaltbaren.

Doch jetzt bin ich wieder da und alles wird gut. Ich habe die Zeit genutzt, um neben lange aufgeschobenen Behandlungen auch eine investigative Recherche im deutschen Gesundheitssystem zu machen. Was da an Geldern verprasst wird – für schlichtweg nichts – und wer sich dabei die Taschen füllt, das geht nicht auf die berühmte Kuhhaut. Auch nicht bei einer Kuh, die Zeit ihres Lebens auf der Weide und im Kuhstall nur mit gentechnikfreiem Edelfutter in Berührung kam.

Alles in allem, so das Fazit, braucht es ein europaweites Wassermanagement.

Heilmittel, die bei der Krankenkasse abgerechnet, aber gar nicht geliefert werden, andere Heilmittel, die zwar geliefert und abgerechnet werden, die aber schlichtweg nie bestellt wurden. Wenn man all dies hochrechnet auf ein paar Millionen Krankheitsfälle im Jahr, dann kommt man auf Milliardenbeträge, die so verschleudert werden. Und am Ende des Tages erhöht das neoliberal gesinnte Personal von CDU und SPD in Berlin die private Zuzahlung von derlei Medikamentenschwindel. Schrecklich.

Da ist es sehr beruhigend, dass ich einen berühmten Vorgänger habe, der auch mal „kurz“ weg war, und dann wieder die Bühne betrat. „Guten Tag, ich schon wieder da“, so begrüßte der 66-jährige italienische Fußballtrainer und Klassikliebhaber Giovanni Trappatoni 2005 die Journalisten bei seiner Vorstellung als neuer Trainer des bei woxx-Redakteuren besonders beliebten VfB Stuttgart. Berühmt wurde er mit seiner „Wut-Rede“ von 1999 als Trainer des FC Bayern München. Die beendete er mit den historischen Worten „Ich habe fertig“.

Ansonsten ist draußen viel los, insbesondere in Frankreich und in Deutschland. Überhaupt, die Franzosen haben mächtig aufgeholt gegenüber den ohnehin komischen Deutschen. In Frankreich wurde im Mai eine Frau im Elsaß zu drei Monaten Knast und zu 30.000 Euro Strafe verurteilt. Klar, auch Frauen können Fehler machen und das gehört sanktioniert. Nur: Diese Frau hat etwas gemacht, das mein Kleingärtnerherz vor Freude höherschlagen lässt. Sie hatte sich tapfer vor ihre Hühner gestellt und einem angreifenden Luchs eine übergebraten. So hat sie ihre Hühner vor dem sicheren Tod gerettet, und damit sich und ihren Nachbarn auch für die Zukunft viele schmackhafte Bio-Hühner-Eier garantiert.

Das Dumme dabei: Der Luchs steht in Frankreich unter Naturschutz. Er darf nur gestreichelt, aber nicht verprügelt werden. Flugs kam es zu einem Verfahren gegen die heldenhafte Frau, und am Ende wurde sie verurteilt. Seitdem denke ich oft an sie und ihren Mut. „Frauen kommen langsam aber gewaltig“, so hat es vor langer Zeit die deutsche Rocksängerin Ina Deter („Neue Männer braucht das Land“) besungen. Ehrlich, so habe ich mir das vorgestellt: Frauen greifen zu einem Schlagwerk und langen zu. Ich hoffe sehr, dass sich die Zeitschrift „Charlie Hebdo“ dieses ungerechten Urteils annehmen und der Frau ein literarisches Denkmal setzen wird.

Lieber Leser, liebe Leserin, hast du mal geschaut, was dir deine woxx seit Oktober 2022 in dieser wunderbaren Kolumne servierte? Viermal in dieser Zeit ging es, was kein Eigenlob sein soll, um Wasser. Um Wasserknappheit, um die damals schon virulente Trockenheit, um die Dummheit der Verantwortlichen in Frankreich, denen in den 1970er-Jahren offenbar niemand gesagt hat, dass man für die Kühlung von Atomkraftwerken gigantische Mengen an Wasser braucht.

Alles in allem, so das Fazit des allzeit Bescheid wissenden letzten linken Kleingärtners, braucht es ein europaweites Wassermanagement. Im Prinzip machen das Menschen seit Jahrtausenden so; spätestens dann, wenn ein notwendiges Gut knapp wird. Es wird gehaushaltet und sparsam verbraucht. Naja, nicht immer machen sie es so, manchmal führen sie auch Kriege darum. Aber sie könn(t)en es so machen.

Doch was hat die Menschheit in Frankreich, in Deutschland und in Luxemburg seit meinen visionären Aussagen in der woxx gemacht? Nichts. Kein Wassermanagement, stattdessen wurden tausende private Swimmingpools gebaut, viel zu wenig Atomkraftwerke abgeschaltet, viel zu wenig Windräder und Photovoltaikanlagen gebaut. Solange man nicht auf den visionären letzten linken Kleingärtner hört, wird die Welt Schritt für Schritt dem Abgrund näherkommen. Im Sommer werden die Wälder brennen und im Winter wird das Hochwasser sein Zerstörungswerk betreiben. Und was dann zu reparieren ist, dauert mehr als bloß ein Jahr.

Drei Praxistipps:

1. Traue dem Wasser- management von Franzosen und Deutschen nicht.

2. Wehre dich gegen den Luchs, wenn er deine Hühner angreift.

3. Lese nach, was gestern schon in der woxx stand. Dein Leben wird dadurch schöner.

 

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